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Die infizierte Hüfte

VonUlrike Pickert

Problematisch, aber nicht aussichtslos

Die meisten Menschen vertrauen darauf, dass mit dem Einsatz eines künstlichen Hüftgelenks Beweglichkeit und Schmerzfreiheit wiederhergestellt sind. Bei mindestens ein Prozent aller Empfänger einer Hüftprothese erfüllt sich diese Erwartungshaltung jedoch nicht, weil das Implantat oder das umliegende Gewebe von einer Infektion befallen wird.  (mehr …)

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Mit neuer Hüfte schnell wieder einsatzbereit

VonRedaktion

Hüftendoprothese minimalinvasiv nach der AMIS-Methode

Bereits am ersten Tag nach dem Einsatz eines künstlichen Hüftgelenkes das operierte Bein wieder belasten zu können, ist kein Wunschdenken mehr. Zum Wohle des ganzen Körpers ist der Zugang durch natürliche Muskellücken ideal. Der Stuttgarter Orthopäde Dr. Johannes Quercetti gehört zu den Spezialisten, die das minimalinvasive Operieren nach der AMIS-Methode beherrschen und darin erfahren sind. Die Vorteile und das Vorgehen der Technik führt er im Interview näher aus. 

Herr Dr. Quercetti, mit ca. 220.000 Hüftgelenk-OPs im Jahr ist dies ein recht häufiger chirurgischer Eingriff. Was sind die Indikationen dafür?

Dr. Quercetti: Komplizierte Schenkelhalsbrüche und Hüftkopfnekrosen können eine Indikation sein. Die Arthrose am Hüftgelenk ist aber der häufigste Grund. Dabei nutzt der stoßdämpfende Gelenkknorpel übermäßig ab und es kommt zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Die Erkrankung ist fortschreitend und ihre Symptome können in den Anfangsstadien mittels konservativer Behandlungsverfahren wie z. B. einer Kombination aus Physiotherapie und Medikamenten oder auch Injektionsverfahren gelindert werden. Wenn die Patienten bei stärkeren Abnutzungen deutlich in ihrer Aktivität eingeschränkt sind, sollte über einen Gelenkersatz nachgedacht werden. Natürlich ist dies immer eine individuelle Entscheidung, die nicht leichtfertig getroffen werden sollte und bei der wir unsere Patienten unterstützen.

Computerplanung

postoperatives Ergebnis

Dass die OP so oft durchgeführt wird, bedeutet aber doch auch, dass die Operateure sehr erfahren darin sind. Worüber müssen sich die Patienten dann Gedanken machen?

Dr. Quercetti: Die moderne Hüftendoprothetik ist eine Erfolgsgeschichte. Dabei werden die verschlissenen Gelenkanteile durch künstliche ersetzt, sodass dann in der Regel später wieder ein normales Leben mit sportlicher Aktivität möglich ist. Der Weg dorthin ist aber nach den herkömmlichen Operationsverfahren oftmals nicht so einfach und meist langwierig. Denn hierbei werden Weichteile wie wichtige Muskelstränge durchtrennt, um an das Gelenk zu kommen. Ehe diese Verletzungen wieder geheilt sind, hat der Patient durch die erzwungene Schonung auch in der nicht-operierten Körperhälfte Muskelmasse verloren und es bedarf viel Disziplin und Geduld, um sie wieder aufzubauen. Daher dauerte die Rehabilitationszeit früher oft Monate.

Heute gibt es aber andere Möglichkeiten?

Dr. Quercetti: Die neueste Entwicklung, die bislang erst von wenigen Spezialisten angewendet wird, ist das Operieren nach der AMIS-Methode. Diese minimalinvasive Technik ist sehr schonend und die Patienten können schnell wieder normal gehen. Daher ist auch eine beidseitige Versorgung in einer Narkose gut möglich, zumal der Schmerz nach der Operation oft im Vergleich deutlich geringer ist.

Was ist eigentlich das Besondere an der AMIS-Methode?

Dr. Quercetti: Das Besondere ist der Zugang! Die Art des Gelenkaustauschs kann wie bei der klassischen Technik mit denselben Prothesenmodellen erfolgen. Die Abkürzung AMIS steht für „Anterior Minimal Invasive Surgery“ und beschreibt den Weg zum Hüftgelenk von vorn. Das Wichtigste dabei: Es werden keine Muskeln durchtrennt, sondern anatomisch natürliche Muskellücken als Zugang genutzt. Ein kleinerer Schnitt, keine Muskelverletzungen und weniger Blutverlust sind die Gründe für eine viel bessere Rehabilitation. Bereits am Abend nach der Operation können die Patienten in Begleitung ins Bad gehen und sich am nächsten Tag selbstständig bewegen. Die Muskulatur wird also zum einen nicht durch die Operation beschädigt und zum anderen bildet sie sich nicht durch eine Liegezeit zurück. Wenn die Endoprothese nach ca. 16 Wochen eingeheilt ist, steht der neuen Aktivität nichts im Wege. Auch viele Sportarten können problemlos ausgeübt werden.

Warum ist diese Methode dann noch kein Standard und wird nur von wenigen Spezialisten durchgeführt?

Dr. Quercetti: AMIS hat nur Vorteile für den Patienten im Ergebnis. Allerdings ist das Verfahren auch nicht ganz einfach und es bedarf viel Erfahrung seitens des Operateurs. Außerdem sind die Lagerung und Vorbereitung etwas aufwendiger. Das ist es aber meiner Meinung nach absolut wert. Wenn ich sehe, wie schnell und gut die Patienten wieder auf die Beine kommen, habe ich daran keinen Zweifel.

aus ORTHOpress 1-2017

Weitere Informationen:

Dr. med. Johannes Quercetti
Orthopädische Praxis
Schulter, Hüfte, Knie
Marktplatz 11
70173 Stuttgart
Tel.: 0711 / 46 99 66 00
www.quercetti.de

 

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