Wenn die Schulter schmerzt

VonUlrike Pickert

Wenn die Schulter schmerzt

Zunächst treten sie nur bei der Arbeit am PC auf, später dann beim Tragen der Einkaufstüte und schließlich wird man sie nicht mehr los – Schmerzen in der Schulter. Da die Schulter ein äußerst komplexes Gebilde aus Sehnen, Muskeln, Knorpel und Knochen ist, können Schulterschmerzen ganz verschiedene Ursachen haben. 

Am harmlosesten sind dabei muskuläre Verspannungen, etwa durch langes und falsches Arbeiten am Computer, längeres Überkopfarbeiten oder Stress. Stress führt dazu, dass wir unbewusst den Kiefer zusammenpressen und die Schultern im Laufe des Tages immer höher ziehen. In diesem Fall hilft es vielfach schon, die Muskeln bewusst locker zu lassen. Massagen und Physiotherapie lindern die Beschwerden und tragen dazu bei, dass sich aus den Verspannungen keine Fehlhaltung entwickelt.

Drangvolle Enge

Sehr häufig sind Schulterschmerzen auf ein sogenanntes Impingement-Syndrom zurückzuführen. Bei einem solchen Engpass-Syndrom ist der Raum unter dem Schulterdach zu eng und die Strukturen, die sich dort befinden – wie Sehnen, Schleimbeutel und Muskeln –, haben nicht genügend Platz. Dadurch kommt es zu Entzündungen, Schmerzen und Verschleißerscheinungen – im schlimmsten Fall kann eine Sehne (an-)reißen. Eine solche Verengung kann z. B. durch Kalk-ablagerungen, Fehlstellungen, einen ungünstig geformten Knochen und Überbelastung entstehen. Als Therapie des Impingement-Syndroms kommen Schonung, Schmerz- und entzündungshemmende Medikamente, eventuell Kortison-Injektionen, Stoßwellen- und Physiotherapie zum Einsatz. Bringen diese Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg, ist unter Umständen eine Operation notwendig. 

Schultersteife und Kalkablagerungen

Auch die sogenannte Frozen Shoulder oder eine Kalkschulter können starke Schulterschmerzen verursachen. Bei einer Frozen Shoulder ist die Schultergelenkkapsel entzündet. Dies führt zunächst zu Schmerzen und später zu einer (in der Regel) vorübergehenden Versteifung des Gelenks. Bei einer Kalkschulter bilden sich Kalkablagerungen in den Sehnen, meist am Sehnenansatz, wodurch es zu Entzündungen und Schmerzen kommt. Beide Erkrankungen können sehr langwierig sein. Auch hier helfen in der Regel schmerz- und entzündungshemmende Medikamente dabei, die Symptome zu mildern. Letzte Option ist eine arthroskopische Operation. 

Abgenutzter Knorpel

Altersbedingter Verschleiß, vorangegangene Verletzungen oder eine permanente Überlastung der Schulter können sich negativ auf das Gelenk auswirken. Mit der Zeit geht der Knorpel soweit zurück, dass blanke Knochen aufeinander reiben, also eine handfeste Arthrose entsteht. Diese ist sehr schmerzhaft für die Betroffenen und schränkt sie in der Regel enorm in ihrem Alltag ein. Umso besser, wenn eine solche Schulterarthrose bereits in einem frühen Stadium erkannt wird, in dem Physiotherapie und knorpelanregende Substanzen den Krankheitsverlauf gegebenenfalls noch bremsen können. Auch eine Schulterarthroskopie, bei der lose Knorpelfragmente entfernt und poröser Knorpel geglättet werden, kann oft noch eine gute Schmerzlinderung erzielen. Ist der Defekt jedoch zu groß und/oder sind sämtliche Maßnahmen ausgeschöpft, sollten Betroffene über ein künstliches Schultergelenk nachdenken. Heutzutage stehen moderne Prothesen zur Auswahl, die individuell für den jeweiligen Patienten ausgesucht werden. So können in der Regel Schmerzfreiheit und eine ausreichende Beweglichkeit erzielt werden.

Unsere Schulter

Unser Schultergelenk ist ein sehr bewegliches Kugelgelenk. Die Beweglichkeit resultiert aus dem speziellen Aufbau dieses Gelenks. Die Pfanne ist relativ klein und der Gelenkkopf wird überwiegend durch ein Gebilde aus Muskeln und Sehnen – die sogenannte Rotatorenmanschette – stabil in der Bahn gehalten, anstatt durch die Bänder wie beispielsweise das Kniegelenk. Dadurch ist dieses Gelenk jedoch in einigen Bereichen anfälliger für Verletzungen und Verschleiß.

von Ulrike Pickert

aus ORTHOpress 1/18

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Ulrike Pickert administrator