Was hilft bei Arthroseschmerzen?

VonStefanie Zerres

Was hilft bei Arthroseschmerzen?

Schmerzkreislauf durchbrechen, Aktivität steigern

Schmerzen sind Signale, die man nicht unterschätzen sollte. Weisen sie doch darauf hin, dass eine Erkrankung oder Verletzung im Körper besteht. Somit sollte man immer auch schauen, ob und wie man die Schmerzursache behandeln kann. Manchmal muss der Schmerzkreislauf erst einmal unterbrochen werden, damit man aktiv werden kann. Im schlimmsten Fall kann sich der Schmerz nämlich sonst chronifizieren und besteht eigenständig, also losgelöst von der eigentlichen Erkrankung.

Degenerativer Knorpelabbau verläuft schleichend und führt abhängig vom Grad der Erkrankung meist zu schubartigen Schmerzzuständen. Während sie in den frühen Stadien eher bei Belastungen auftreten, sind für fortgeschrittene Arthrose-Stufen Ruheschmerzen kennzeichnend. Dabei ist es nicht das geschädigte Knorpelgewebe, von dem der Schmerz ausgeht, da es keine Blutgefäße und Nerven hat. Es sind die Nerven von Knochenhaut,
Gelenkkapsel und anderem Gewebe, die gereizt werden.

In den Schmerzphasen neigen viele Betroffene dazu, das arthrotische Gelenk zu schonen. Keinesfalls wollen sie weiteren oder neuen Schmerz provozieren und verfallen dann in eine Schonhaltung. Doch (moderate) Bewegung ist in vielerlei Hinsicht auch oder eben gerade bei Gelenkverschleiß wichtig. Sie sorgt unter anderem dafür, dass stützende Muskulatur nicht abgebaut wird und regt die Produk-tion von Gelenkschmiere an. Außerdem ist Aktivität wichtig, um Übergewicht zu reduzieren oder zu verhindern, was wiederum die Gelenkgesundheit begünstigt. Weitere negative Folgen einer Schonhaltung können schädliche Fehlhaltungen sein. Daher ist es von Vorteil, mit einer passenden Schmerztherapie die Voraussetzungen für gelenkschonende Aktivität zu schaffen. Unter einer Vermeidung von Aktivität leiden im Übrigen häufig auch soziale Kontakte, sodass der psychosoziale Aspekt einer schmerzbedingten Schonhaltung nicht vernachlässigt werden sollte.

Es muss unterschieden werden zwischen Schmerz als Symptom einer Erkrankung und einer eigenständigen Erkrankung. Letzteres, der chronische Schmerz, kann aus dem Akutschmerz hervorgehen, wenn er zu lange besteht. Daher sollte man begleitend zu der ursächlichen Therapie – bei einer Arthrose ist dies nur bedingt möglich – oder als Wegbereiter zu dieser in vielen Fällen auch eine gesonderte Schmerztherapie durchführen. Dafür stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, die vielfach auch in Kombination miteinander im Rahmen einer sogenannten multimodalen Schmerztherapie angewendet werden. Um für den jeweiligen Patienten das passende Konzept zu erarbeiten, ist häufig unabhängig von den Untersuchungen zur Feststellung des Arthrosegrades eine Schmerzdiagnostik nötig. In diesem Rahmen werden die Patienten beispielsweise gebeten, die Schmerzintensität auf einer Schmerzskala einzuordnen. In manchen Fällen kann es auch sinnvoll sein, ein Schmerztagebuch zu führen oder entsprechende Informationen in einem Schmerzfragebogen anzugeben.

Arthrose-Medikamente

Zur Behandlung bei akuten Arthroseschmerzen werden hauptsächlich drei Medikamentengruppen genutzt: schmerzlindernde Mittel (Analgetika), entzündungshemmende Mittel (meist Kortison) und solche, die sowohl entzündungs- als auch schmerzlindernd wirken (nichtsteroidale Antirheumatika). Analgetika werden genutzt, wenn das Gelenk nicht entzündet ist. Sie wirken allein gegen die Schmerzen und nicht bei Entzündungen. Verabreicht werden sie häufig in Form von Paracetamol, Metamizol, Flupirtin oder Opioiden. Besonders Paracetamol war lange Zeit bei leichten bis mäßigen arthrosebedingten Schmerzen üblich. Sein guter Ruf ist nicht nur wegen der möglichen Nebenwirkung wie einer Leberschädigung bei zu großen Einnahmemengen in letzter Zeit zweifelhaft. Auch der Nutzen für Patienten mit Knie- oder Hüftarthrose wurde nun durch eine Meta-Analyse infrage gestellt. Im Gegensatz zu Paracetamol schnitt Diclofenac, ein Medikament, das zu den sogenannten nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) zählt, bei der Analyse gut ab. Dieses kann sowohl systemisch, also in Tablettenform, als auch lokal in Form von Salben verabreicht werden. Ein Grund, warum ein Analgetikum wie Paracetamol häufig gegenüber anderen Medikamenten bevorzugt wurde, ist, dass es weniger Risiken für Nebenwirkungen im kardiovaskulären und gastro-intestinalen Bereich gibt. Diese sind zwar bei den nichtsteriodalen Antirheumatika erhöht. Ihr großer Vorteil ist aber, dass sie neben der Schmerzbekämpfung auch eine entzündungshemmende Wirkung haben. Zusätzlich ist es positiv, dass sie relativ schnell wirken. Aus diesen Gründen werden sie häufig in der Arthrosetherapie eingesetzt. Die Nebenwirkungen können bei Bedarf mit Magenschutzmitteln verringert werden. Bei besonderen Risikopatienten stellt eine weitere Wirkstoffgruppe der NSAR, die sogenannten Coxibe, in manchen Fällen eine Alternative dar.

Kortisonpräparate, die eine große Wirkung auf entzündliche Prozesse haben, spielen mittlerweile in der Arthrose-Therapie eher eine Nebenrolle. Aufgrund der starken Nebenwirkungen sollten Kortisoninjektionen auch in ein stark entzündetes Gelenk allerhöchstens viermal im Jahr erfolgen.

Die einzelnen Medikamente unterscheiden sich unter anderem hinsichtlich ihrer Wirkungszeit und müssen daher unterschiedlich oft am Tag eingenommen werden. Auch die Kombinationsmöglichkeiten sind verschieden. So können Opioide gut mit NSAR koordiniert werden. Jede Einnahme oder Dosierungsänderung sollte immer mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden. Da für alle Medikamente gilt, dass sie aufgrund von eventuellen Nebenwirkungen möglichst nicht dauerhaft eingenommen werden sollten, ist es ratsam, die Schmerzlinderung mit entsprechenden ursächlichen Maßnahmen zu nutzen.

Vielen Patienten helfen begleitend zu Schmerzmitteln oder auch als alleinige Maßnahme bei geringeren Beschwerden physikalische Anwendungen wie z. B. Wärme- oder Kältetherapie. Dabei sollte beachtet werden, dass Wärme nicht bei Entzündung eingesetzt werden sollte, da sie die Durchblutung anregt. In diesem Fall legt man eher kalte Umschläge an. Außerdem gibt es zu der medikamentösen Therapie Alternativen, die für den ein oder anderen Patienten auch infrage kommen, so beispielsweise Gelenkinjektionen mit Mitteln, die die Gelenkflüssigkeit unterstützen wie Hyaluronsäure oder die Transkutane Elektrische Nervenstimulation (TENS), bei der Wechselstromreize die Schmerzen lindern sollen. Aus dem Bereich der Naturmedizin werden z. B. Wirkstoffe der Teufelskralle oder Brennnessel genutzt. Effektiv ist auch das Aufsetzen von Blutegeln: Ihr Speichel enthält eine Vielzahl schmerzlindernder und entzündungshemmender Substanzen, dabei ist die „Anwendung“ sicher und nebenwirkungsarm.

Strahlentherapie

Zu den Alternativen einer medikamentösen Schmerzbehandlung zählt unter anderen die Therapie mit Röntgenstrahlen, auch Röntgen-Reizbestrahlung oder Orthovolttherapie genannt. Dabei werden niedrig dosierte Röntgenstrahlen – im Vergleich zur Tumortherapie – genutzt. Es werden meist mehrere Sitzungen durchgeführt, bei denen die Bestrahlung nur wenige Sekunden dauert. Die Strahlen regen einerseits die Durchblutung an und hemmen auf der anderen Seite überschießende Immunreaktionen und Gewebebildung sowie die Aktivität der Schmerznerven. Bis sich bei dieser Therapie eine Schmerzlinderung einstellt, können Wochen
bis Monate vergehen und unter Umständen kann sich zunächst eine Erstverschlimmerung einstellen. Die dann folgenden Ergebnisse sind aber gut und die Therapie bringt vielen Arthrosepatienten eine Erleichterung ihrer
Beschwerden. Eine ursächliche Behandlung ist dies aber auch nicht, sodass in Bezug auf die Grunderkrankung, die Arthrose, weitere Maßnahmen ergriffen werden müssen. 

Auch mit Strahlung, aber invasiv verabreicht, arbeitet man bei der Radiosyno-viorthese, die bei einer entzündeten Gelenkschleimhaut eingesetzt wird. Durch die Injektion radioaktiver Sub-stanzen wird gewuchertes Gewebe abgebaut und die Gelenkschleimhaut kann sich regenerieren. Produziert sie wieder im gesunden Maß Gelenkflüssigkeit, können auch Schmerzen und Bewegungseinschränkungen reduziert und der Verlauf der Arthrose unter Umständen verlangsamt werden.

Denervierung

Eine Denervierung ist eine Maßnahme, bei der die schmerzleitenden Nerven durchtrennt und damit daran gehindert werden, die entsprechenden Informationen ans Gehirn weiterzuleiten. Für diese Durchtrennung gibt es verschiedene Methoden, die in der Regel minimalinvasiv erfolgen. So werden beispielsweise bei Beschwerden am Iliosakralgelenk unter anderem spezielle Hitze- oder Kältesonden zur Verödung der Nerven eingesetzt. Auch bei der Facettengelenksarthrose, der Knorpeldegeneration der kleinen, die Wirbel verbindenden Gelenke, werden thermische Verfahren häufig eingesetzt, um die Schmerzleitung der Nerven zu unterbinden. Bei der Kniegelenksdenervation werden die Schmerznerven unter Mikroskopsicht aufgesucht und mechanisch mit einem Skalpell ausgeschaltet. Neben der Ausschaltung der Nervenleitung mittels Durchtrennung oder Verödung gibt es auch Verfahren, bei denen an die verantwortlichen Nerven schmerzlindernde und abschwellende Medikamente mit Depotwirkung gespritzt werden.

von Stefanie Zerres

aus ORTHOpress 3/16

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