Aneurysma

VonStefanie Zerres

Aneurysma

Unter einem Aneurysma versteht man die örtlich begrenzte Ausweitung bzw. Aussackung eines arteriellen Blutgefäßes, die prinzipiell überall im Körper auftreten kann. Am häufigsten betroffen ist allerdings die Hauptschlagader, die Aorta, im Bereich des Bauchraumes. Aussackungen der Aorta im Bereich des Brustkorbes und in Herznähe sind seltener, kommen aber auch vor. Bekannt – und gefürchtet – sind Aneurysmen zudem im Kopf, d. h. in Arterien, die das Gehirn mit Sauerstoff versorgen. 

In den meisten Fällen sind degenerative Veränderungen, vor allem Arteriosklerose, für die Gefäßveränderungen verantwortlich. Seltener sind Aneurysmen auf Infektionen oder eine angeborene Bindegewebsschwäche zurückzuführen. Als Risikofaktoren gelten höheres Alter, Bluthochdruck und Rauchen. Die meisten Aneurysmen machen kaum bis keine Symptome und werden entweder gar nicht oder nur per Zufall – z. B. bei einer Ultraschalluntersuchung oder einem MRT – entdeckt. Große Aneurysmen können allerdings durch Druck auf die umliegenden Strukturen Symptome verursachen. Diese sind abhängig von der Lage der Gefäßaussackung und meistens eher unspezifischer Art wie Bauch- oder Rückenschmerzen bei einem Bauchaortenaneurysma, Schluckbeschwerden, Husten oder Atembeschwerden bei einem Aneurysma im Brustbereich. Aneurysmen im Kopfbereich verursachen eventuell Lähmungserscheinungen. Manchmal macht sich ein Aneurysma auch durch einen Gefäßverschluss (Embolie) in einem weiter entfernten Blutgefäß bemerkbar. Dazu kann es kommen, wenn sich in der Aussackung Thromben (Blutgerinnsel) bilden, die fortgeschwemmt werden und in einem Gefäß mit kleinem Durchmesser hängen bleiben und es verstopfen.

Ein geplatztes Aneurysma bedeutet höchste Lebensgefahr

Die eigentliche Gefahr und das gefürchtete Risiko, das Aneurysmen bergen, ist aber, dass sie – wenn der Gefäßinnendruck zu hoch wird – platzen. Aorten-aneurysmen können dann innerhalb kürzester Zeit zum Verbluten führen. Auch bei einem Aneurysma im Gehirn kann es zu einer Blutung, einer sogenannten Subarachnoidalblutung, kommen. In vielen Fällen führt das Platzen eines Aneurysma aber auch zu einem Schlaganfall (Apoplex). Ein geplatztes Aneurysma ist immer ein absoluter Notfall und muss sofort behandelt werden, um die Blutung zu stoppen. 

Abwarten und beobachten

Die Frage, was bei einem zufällig entdeckten Aneurysma zu tun ist, kann nicht so einfach und eindeutig beantwortet werden. Symptomlose, kleine Aussackungen werden in den meisten Fällen zunächst beobachtet. Gleichzeitig sollte versucht werden, Risikofaktoren (Bluthochdruck, Rauchen) zu reduzieren. Symptomatische oder sich vergrößernde Aneurysmen wird man – wenn das Rupturrisiko steigt und höher als das Opera-tionsrisiko wird – operativ entfernen. Dazu stehen je nach Lokalisation und Größe verschiedene Verfahren zur Verfügung. Bei einem Aortenaneurysma kann das betroffene Gefäßteilstück durch eine Gefäßprothese aus Kunststoff ersetzt werden. Dies erfordert aber einen offenen operativen Eingriff. Seit einigen Jahren besteht die Möglichkeit, die Wand des ausgebeulten Gefäßes minimalinvasiv mithilfe eines Katheters mit einem Drahtgitter (Stent) von innen her zu stützen. 

Immer öfter: minimalinvasiv statt offen 

Hirnaneurysmen werden entweder durch einen Clip abgeklemmt und abgetragen. Wenn das nicht möglich ist, kann man versuchen, die Gefäßwand zu „wrappen“, d. h., mit unterschiedlichen Materialien von außen her einzuwickeln, um so ein Einreißen zu verhindern. Daneben hat sich am Gehirn in den letzten Jahren auch eine minimalinvasive, endovaskuläre Therapieform etabliert, die keine Schädeleröffnung (Kraniotomie) mehr erfordert. Bei diesem Verfahren werden kleine Spiralen aus Platin (Coils) über einen Mikrokatheter im Aneurysma platziert. Sie fördern die Blutgerinnung in der Aussackung, sodass kein Blut mehr durch das Aneurysma fließen kann. In jedem Fall von Vorteil ist es – nicht nur für Aneurysmaträger –, Risikofaktoren zu meiden und vor allem einen erhöhten Blutdruck zu senken. 

 

Man unterscheidet drei Arten von Aneurysmen:

Aneurysma verum

Bei diesem „echten“ Aneurysma sind alle drei Wandschichten der Arterie (innere, mittlere und äußere Schicht) erweitert und beulen aus. 

Aneurysma spurium bzw. falsa

Bei diesem „falschen“ oder Pseudoaneurysma bildet sich nach einem Riss in der Gefäßwand – z. B. durch eine stumpfe oder scharfe Verletzung – ein (abgekapselter) Bluterguss.

Aneurysma dissecans

Bei diesem „gespaltenen“ Aneurysma ist die mittlere Gefäßwandschicht geschädigt, sodass dort eine Art Hohlraum entsteht. Wenn dort durch einen kleinen Defekt in der inneren Gefäßwand Blut eindringt, entsteht sozusagen ein Nebenarm. Mit zunehmender Blutmenge steigt der Druck im „Nebengefäß“ und es besteht die Gefahr, dass Blut durch die äußere Gefäßwand ins umliegende Gewebe fließt. Dramatisch kann die Situation werden, wenn der Nebenarm platzt und der Hauptblutfluss sich ins umliegende Gewebe ergießt. 

von Sigrid Eberle

aus ORTHOpress 3/16

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