Ellenbogenerkrankungen – Verletzung oder Überlastung

VonStefanie Zerres

Ellenbogenerkrankungen – Verletzung oder Überlastung

Der Ellenbogen verbindet den Unter- mit dem Oberarm und ermöglicht komplexe Armbewegungen. Im Gegensatz zu gewichttragenden Gelenken wie der Hüfte oder den Knien kommt es hier seltener zu einer abnutzungsbedingten Arthrose. Diese kann aber aufgrund von vorangegangenen Verletzungen durchaus auch am Ellenbogen auftreten. Den Großteil der Ellenbogenerkrankungen machen jedoch Reizzustände der Muskeln und Sehnen aus.

Die Anatomie des Ellenbogens

Das Ellenbogengelenk ist das Bindeglied zwischen dem Oberarm und dem sich aus Elle und Speiche zusammensetzenden Unterarm. Es besteht aus drei Teilgelenken: dem Oberarm-Ellen-Gelenk, dem Oberarm-Speichen-Gelenk und dem Ellen-Speichen-Gelenk. Dabei wirken mit einem Scharnier-, einem Kugel- und einem Zapfengelenk verschiedene Gelenkarten zusammen. Diese Verbindungen sind durch eine gemeinsame Gelenkkapsel, Armmuskeln, Sehnen und Bänder gefestigt. Nerven, die unter anderem die Hände versorgen, verlaufen entlang einer Art Rinne der Knochenstrukturen. Sie sind relativ ungeschützt, und dadurch kann es bei einem Stoß schnell zu kurzzeitigen Missempfindungen kommen, bekannt ist dies im deutschsprachigen Raum auch als der Musikknochen. Diese Gesamtkonstruktion erlaubt es uns, den Unterarm zu strecken, zu beugen und bis zu einem gewissen Grad zu drehen.

Frakturen und Luxationen

Stürze auf den ausgestreckten Arm oder direkt auf den Ellenbogen können eine solche Wucht haben, dass es zu verschiedenen Verletzungen am Ellenbogen kommen kann. Häufig handelt es sich dabei um Frakturen oder Luxationen. Beides kann außerdem zusätzlich mit Schädigungen der Bänder, Muskeln und Sehnen einhergehen.

Bei einer Verletzung kann es zu verschiedenen Frakturen kommen, z. B. im Bereich des Oberarmknochens oder an Speiche (Radius) oder Elle (Ulna) im Unterarm. Zudem können auch Knochenfragmente, wie z. B. am oberen Ende der Elle das sogenannte Olekranon oder auch das Radiusköpfchen am oberen Ende der Speiche, absplittern. Bei einfachen Brüchen kann konservativ behandelt werden, d. h. durch Ruhigstellung in der richtigen Position sollen die Bruchenden wieder zusammenheilen. Bei verschobenen oder komplexeren Brüchen wie Trümmerfrakturen ist in aller Regel eine chirurgische Reposition mit anschließender Stilllegung notwendig.

Infolge von Unfällen kann es aber auch zu Luxationen des Ellenbogengelenks kommen. Dabei kugelt es entweder vollständig aus oder ist verschoben. Betroffen ist davon entweder der Speichenkopf oder das Ellenende. Die Ausrenkung kann, je nach Unfallgeschehen, nach hinten oder außen erfolgen. Mit einer schwereren Luxation gehen meist Begleitverletzungen der Bänder oder Nerven einher. Um die natürliche Position wiederherzustellen, muss das Gelenk eingerenkt werden, was häufig aufgrund der Schmerzhaftigkeit unter Narkose erfolgt.

Tennis- und Golferellenbogen

Sowohl der Tennis- als auch der Golfer-ellenbogen entstehen durch eine zu starke ständige Reizung der Sehne am Beuger bzw. Strecker der Unterarmmuskulatur. Doch nicht nur Sportler können an diesen Beschwerden leiden. Generell handelt es sich um eine Überlastungserkrankung. Beim Tennisellenbogen, der medizinisch Epicondylitis radialis humeri genannt wird, handelt es sich um eine Reizung des Sehnenansatzes des Unterarmstreckermuskels. Der Schmerzbereich liegt hier an der Außenseite des Armes, wohingegen beim Golferellenbogen (Epicondylitis ulnaris humeri) die Sehne des Unterarmbeugemuskels betroffen ist, sodass es zu Schmerzen auf der Innenseite des Armes kommt.

In der Regel besteht die Therapie aus Schonung und eventueller Einnahme von schmerz- und entzündungslindernden Medikamenten. Spezielle Orthesen, wie Schienen oder Spangen, können helfen, die schmerzende Region zu entlasten. Zudem machen viele Patienten gute Erfahrungen mit speziellen Dehnübungen oder einer Stoßwellenbehandlung. Nur in seltenen Fällen, beispielsweise bei chronischen Krankheitsverläufen, können chirurgische Maßnahmen eine Option sein. Dazu stehen verschiedene Techniken zur Verfügung. In der Regel werden die Sehnenansätze durch eine Einkerbung entlastet. Außerdem kann in manchen Fällen eine Denervierung der schmerzleitenden Nerven erfolgversprechend sein. Die Betroffenen sollten sich zudem vor Augen führen, welche Bewegungen und Belastungen sie besonders häufig im Bereich des Ellenbogens ausführen. Diese können dann verbessert werden, z. B. durch Anpassungen am Arbeitsplatz oder – bei Sportlern – durch die Einübung weniger belastender Techniken.

Weitere Reizzustände 

Im Bereich des Ellenbogens verlaufen mehrere Strukturen mitunter auf einem engen Raum zusammen. Dadurch kann es leicht zu Reizungen und entsprechenden Folgen kommen. So stellt beispielsweise die sogenannte Supinatorloge einen Engpass dar, in dem es zu Nervenreizungen kommen kann. Diese sind schmerzhaft und können aufgrund des Gebietes, in dem sich der Nerv befindet, mit einem Tennisellenbogen verwechselt werden. Medikamente, Ruhigstellung sowie eine operative Erweiterung des Kanals können als Therapien in Betracht gezogen werden. Auch der Ellennerv verläuft durch einen Engpass, die sogenannte Ulnarisrinne, und kann dort bei starker Belastung und mechanischem Druck von außen gereizt werden.

Schleimbeutelentzündungen

Schleimbeutel sorgen in bewegungsreichen Körperregionen für entsprechende Schmierung. Bei zu starker Beanspruchung können sie sich entzünden, was eine Verdickung sowie Schmerzen auslöst. Entzündungshemmende Medikamente und Schonung können hierbei hilfreich sein. Außerdem kann der betroffene Schleimbeutel zur Entlastung punktiert werden. Nur in seltenen Fällen wird man den entzündeten Schleimbeutel operativ entfernen.

Die Arthrose des Ellenbogengelenkes – oft Folge früherer Verletzungen

Da das Ellenbogengelenk keinem Druck durch das Körpergewicht ausgesetzt ist, kommt es dort weniger häufig zu Arthrose als z. B. an der Hüfte oder den Knien. Dennoch tragen einige Personengruppen ein erhöhtes Risiko für einen Knorpelverschleiß an der Verbindung zwischen Unter- und Oberarm. Zum einen sind dies Sportler, die den Arm stark einseitig belasten, wie Speer- oder Diskuswerfer, oder Menschen, die berufsbedingt einer Überbelastung am Ellenbogen ausgesetzt sind. Zum anderen können frühere Verletzungen später eine Arthrose am Ellenbogen auslösen.

Physiotherapie, Schmerzmittel oder andere konservative Maßnahmen können, abhängig vom Arthrosestadium, häufig eine Beschwerdelinderung bringen. In weit fortgeschrittenen Fällen kann auch eine endoprothetische Versorgung in Betracht gezogen werden.

Andere Ursachen abklären

Rheumatiker leiden unter einer Autoimmunerkrankung, die sich in den Gelenken durch Entzündungen äußern kann. Auch das Ellenbogengelenk kann davon betroffen sein, dies ist jedoch seltener der Fall. Dennoch sollte dies bei entsprechenden Hinweisen abgeklärt werden.

Insbesondere in der Arm-Schulter-Region kann es zu ausstrahlenden Schmerzen kommen, beispielsweise wenn ein Nerv im Bereich der Halswirbelsäule gereizt wird oder eingeklemmt ist. Daher sind eine sorgfältige Diagnostik und die Abklärung anderer mögliche Ursachen für Schmerzen im Bereich des Ellenbogens wichtig, um die passende Therapiemaßnahme zu ergreifen. Zum Einsatz kommen dabei – neben der körperlichen Untersuchung – abhängig von der Schmerzsymptomatik, Bildgebung wie Röntgen, MRT, Sonografie oder Arthroskopie sowie Gelenkpunktionen oder auch neurologische Untersuchungen.

von Stefanie Zerres

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