Fersensporn – der Dorn durch Überlastung

VonUlrike Pickert

Fersensporn – der Dorn durch Überlastung

Als Schutzmechanismus kann es durch Überlastung an der Ferse zu Knochenanbauten kommen. Der dornartige Sporn, der an der hinteren Seite des Fersenbeins oder unter dem Fuß auftreten kann, ist den Betroffenen jedoch keine Hilfe: Er schmerzt und führt zu Entzündungen des Gewebes. Mit etwas Geduld ist dies aber konservativ gut behandelbar. 

Beansprucht sind unsere Füße im Grunde permanent, je nach beruflicher Tätigkeit und Freizeitaktivitäten auf unterschiedliche Art und Weise. Dies muss keine krankhaften Folgen haben. Kommen jedoch bestimmte Risikofaktoren hinzu, kann es zu Problemen kommen. So tragen beispielsweise Übergewicht, Fußfehlstellungen oder schlechtes Schuhwerk dazu bei, dass Sehnen und Faszien des Fußes gereizt werden. Auch Sportler, die falsch trainieren, gehören zu der Personengruppe, die häufig unter Fußproblemen leidet. Immer wieder auftretende Mikroverletzungen führen zu Entzündungen und können auch verursachen, dass sich durch Kalkablagerungen knöcherne Ausziehungen am Fuß bilden. Der sogenannte Fersensporn, auch Kalkaneussporn genannt, stellt dann zwar ein zusätzliches mechanisches Hindernis und einen Reizpunkt dar, ist aber nicht die hauptsächliche Ursache der Beschwerden. Je nach Lage kann er auch überhaupt keine Schmerzen auslösen und wird nur als Zufallsbefund ermittelt. Wenn er jedoch mit Schmerzen einhergeht, beschreiben die Betroffenen das Gefühl wie ein Gehen auf Dornen oder den Tritt in eine Glasscherbe. Häufig ist der Schmerz nach einer Ruhephase, z. B. am Morgen nach dem Aufstehen, verstärkt. 

Der Fersensporn befindet sich meist am Sehnenansatz. Dies kann an der Sehnenplatte unter dem Fuß, wobei dann von einem plantaren Fersensporn die Rede ist, vorkommen. Außerdem kann eine Spornbildung am Ansatz der Achillessehne, also am hinteren Fersenbein erfolgen, was als posteriorer Fersensporn bezeichnet wird.

Die Diagnose des Fersensporns lässt sich in der Regel recht einfach und eindeutig anhand der Symptome und einer klinischen Untersuchung feststellen. Dazu gehört unter anderem auch, dass der Arzt durch Abtasten des Fußes den typischen Schmerz auslöst. Bei einem Knochensporn unter der Fußsohle kann auch ein Funktionstest die Beschwerden provozieren und so den Verdacht erhärten: Ziehen die Patienten die Zehen hoch und dehnen so die Plantarfaszie, kommt es zu dem fersenspornspezifischen Schmerz, sofern sich die Knochenausziehung unter dem Fuß befindet. Konkret feststellen und lokalisieren lässt sich der Knochensporn mithilfe bildgebender Verfahren. Meist wird ein Röntgenbild angefertigt, auf dem die Veränderung zu sehen ist und eine Sonografie (Ultraschall) durchgeführt, um Gewebe wie Sehnen zu beurteilen.

Entlasten, Dehnen und Risikofaktoren verringern

Als Akutversorgung sollten die Patienten bei einem Fersensporn zunächst möglichst für Entlastung sorgen und z. B. Sport oder längere Wege zu Fuß unterlassen. Ein Fersensporn muss nur in seltenen Fällen chirurgisch versorgt werden, z. B. indem die betroffene Sehne gespalten wird, um die Spannung zu verringern. In aller Regel können aber nichtoperative Maßnahmen, sofern sie möglichst frühzeitig und konsequent ergriffen werden, zur Beschwerdefreiheit führen. Allerdings müssen die Betroffenen Geduld dabei haben, da die Therapie meist etwas Zeit in Anspruch nimmt. Sie ist aber effektiv in den Alltag einzubinden. Hierzu gehören:

• Schuheinlagen, Schuhzurichtungen und Taping: Genau passend zu den individuellen Beschwerden des Betroffenen können im Fachhandel entweder spezielle Einlagen erworben oder Veränderungen an den eigenen Schuhen vorgenommen werden. Beides zielt darauf ab, den schmerzenden Bereich weich zu betten und damit eine zusätzliche Reizung zu vermeiden. Auch Fersenkissen, die wie eine Einlage in dem Schuh getragen werden können, erzielen diesen Effekt. Das in den letzten Jahren populärer gewordene Taping kann bei korrekter Positionierung die Sehnenplatte stabilisieren und eine wiederkehrende Reizung reduzieren.

• Medikamente: Schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente, die in der Regel in Form von Tabletten eingenommen werden, kommen häufig in Kombination mit anderen (physikalischen) Maßnahmen zur Anwendung. Kortisoninjektionen direkt in das Schmerzareal hinein wurden früher häufig gemacht, sind aber mittlerweile umstritten. Kortison wirkt zwar entzündungshemmend, birgt aber die Gefahr, dass die Fettschicht der Fußsohle geschädigt wird. Diese Nebenwirkung soll nicht bestehen bei Injektionen von dem entspannenden Botulinumtoxin oder Wachstumsfaktoren.

• Dehnungsübungen: Dieselbe Dehnung, die bei der Untersuchung zum Funktionstest gehört, ist sowohl therapeutisch als auch präventiv bei einem Fersensporn sehr wichtig. Verschiedene Übungen im Rahmen von Krankengymnastik oder in Eigenregie (z. B. nach der Lehre der Spiraldynamik) können den Zug auf die Faszien und Sehnen reduzieren und fördern die Flexibilität des Fußes. 

• Röntgenreizbestrahlung und Stoßwellentherapie sind zusätzliche Möglichkeiten, Schmerzen und Entzündungen zu reduzieren. Während bei der Röntgenreizbestrahlung, die auch Orthovolt-Therapie genannt wird, mithilfe von Röntgenstrahlen gegen Entzündungen gewirkt wird, nutzt die Stoßwellentherapie einen Mechanismus, der eine Bewegung im tiefen Gewebe bewirkt. Die Behandlung mit Stoßwellen beim Fersensporn war lange Zeit eine Selbstzahlerleistung. Es wird aber aufgrund von neuen Studienergebnissen angestrebt, dass diese Therapie zukünftig auch von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet wird, wenn zuvor die konventionellen konservativen Maßnahmen keine Besserung gebracht haben. Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) hat beschlossen, dass die extrakorporale Stoßwellentherapie in den Katalog der Gesetzlichen Krankenversicherungen aufgenommen werden soll.

• Vermeiden von Über- und Fehlbelastungen: Wer einmal an einem Fersensporn erkrankt ist, der sollte die Risikofaktoren möglichst reduzieren, um ein Rezidiv zu vermeiden. Zu den möglichen Präventivmaßnahmen zählen eine Stärkung der Fußmuskulatur, Abbau von Übergewicht und gute, stoßdämpfende Schuhe. 

von Stefanie Zerres

aus ORTHOpress 3/18

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