Minimalinvasive oder offene OP

VonStefanie Zerres

Minimalinvasive oder offene OP

Heute ist es möglich, präziser, weniger zeitintensiv und schonender zu operieren als es noch vor einigen Jahrzehnten der Fall war. Gleichzeitig setzt sich immer mehr der Trend zum „Small is beautiful“ durch. Während früher die offene Operation mit relativ großen Schnitten vorherrschte, gewinnen inzwischen sogenannte minimalinvasive Operationsmethoden immer mehr an Bedeutung. Allerdings heißt dies noch lange nicht, dass „konventionelle“, offene OPs damit grundsätzlich passé wären. 

In der Bauchchirurgie nehmen minimalinvasive Operationsmethoden vor allem in Form der Laparoskopie (Bauchspiegelung) inzwischen einen wichtigen Platz ein. Dabei werden über kleine Schnitte mithilfe eines optischen Instruments (Endoskop) Eingriffe innerhalb der Bauchhöhle vorgenommen. Man spricht auch von der sogenannten Schlüssellochtechnik. Um eine bessere Sicht zu ermöglichen, wird die Bauchhöhle zuvor mit CO2 aufgeblasen. Typische Anwendungsgebiete für die Laparoskopie sind:

• Eingriffe am Magen
• Bariatrische Eingriffe, z. B. Magenbandoperationen
• Darmteilentfernungen
• Gallenblasenentfernungen
• Appendixentfernungen
• Gynäkologische Eingriffe wie z. B. die Entfernung von Eileiter und Eierstock, Gebärmutterentfernungen oder Sterilisationen
• Urologische Eingriffe wie Harnleiterplastiken oder radikale Prostataektomien

Die Vorzüge der Laparoskopie

Die Vorteile der Laparoskopie gegenüber einer offenen OP bestehen darin, dass die Schmerzen nach der Operation sowie das Infektionsrisiko geringer sind und der Patient sich schneller wieder erholt. Außerdem sind die Narben kleiner. Kommt es im Laufe einer laparoskopischen OP zu Komplikationen, muss man während des Eingriffs unter Umständen auf das offene Verfahren umstellen. Grundsätzlich ist das Aufblasen des Bauchraums immer mit gewissen Risiken verbunden. So kann unter Umständen der Darm verletzt werden oder sich das Zwerchfell verschieben. Wenn es zu starken Blutungen kommt, sind Verzögerungen bei der Blutstillung möglich.

Entscheidend ist die Schwere des Eingriffs

Ob eine laparoskopische Operation infrage kommt, hängt von der Schwere des zu erwartenden Eingriffs ab. So werden z. B. Gallenblasenentfernungen sehr häufig laparoskopisch und vor allem in besonders schweren Fällen, beispielsweise dann, wenn eine Entzündung vorliegt, mit offenem Bauchschnitt durchgeführt. Nierentumoren werden, wenn das betroffene Organ erhalten werden soll, vorwiegend laparoskopisch operiert. Muss eine komplette Niere entfernt werden, besteht die Möglichkeit, sowohl offen als auch laparoskopisch zu operieren. Liegt ein sehr großer Tumor vor, der in die Gefäße eingewachsen ist, liegen die Vorteile eher bei einer offenen OP. 

In der Darmchirurgie hat sich die Bauchspiegelung inzwischen zur Standardmethode für die Entfernung des entzündlichen Wurmfortsatzes (Appendix vermiformis) entwickelt. Darüber hinaus wird sie auch bei anderen Krankheitsbildern wie z. B. der sogenannten Sigma-Divertikulitis (entzündliche Ausstülpungen an der Schleimhaut des Sigma-Darms, eines Teil des Dickdarms) angewendet.

Die laparoskopische Methode wurde inzwischen zu einem Verfahren erweitert, das als “Notes” (Naturel Orifice Transluminal Endoscopic Surgery) bezeichnet wird. Dabei werden die OP-Instrumente über die natürlichen Körperöffnungen wie Mund, After, Vagina oder Harnröhre eingeführt. Nach beendigtem Eingriff verschließt man den Einschnitt mit Clips, Gewebeankern, Klammern oder einer Naht.

Eine spezielle Form der minimalinvasiven Operationstechnik ist die sogenannte da-Vinci-Chirurgie. Dabei handelt es sich um ein roboterunterstütztes Verfahren, das gegenüber der konventionellen Laparoskopie bessere Möglichkeiten zur Visualisierung und Steuerung bei anspruchsvolleren Eingriffen bietet. Auf diese Weise lassen sich auch komplexere Operationen am Unterleib wie Gebärmutterentfernungen der Myomektomien (Entfernungen von Gebärmuttergeschwulsten) durchführen, die ansonsten nur offen operiert werden könnten.

Bei gynäkologischen Eingriffen bietet sich in zahlreichen Fällen die vaginale Operationsmethode an. Die Operation durch die Scheide ist für die Frauen weniger belastend als ein offener Eingriff.

Am häufigsten werden Kniegelenke arthroskopiert

Auch aus der Gelenkchirurgie sind minimalinvasive Operationstechniken heute nicht mehr wegzudenken. So wird die Arthroskopie (Gelenkspiegelung) heute bei der Behandlung der unterschiedlichsten Gelenkerkrankungen und -schäden eingesetzt. Am häufigsten betroffen ist das Kniegelenk. Man kann mithilfe der Arthroskopie verschlissene Teile des Gelenkknorpels oder des Meniskus entfernen oder Ersatzteile bei Kreuzbandoperationen einsetzen. Nicht immer jedoch lässt sich der Nutzen solcher Behandlungen tatsächlich belegen. So wurde unlängst eine Studie im New England Journal of Medicine veröffentlicht, die den Nutzen der arthroskopischen Meniskusteilentfernung, des Standardverfahrens zur operativen Behandlung von Meniskusschäden, in Zweifel zieht. Die auf diese Weise erzielte Wirkung habe die Beschwerden der Patienten nach einem Jahr nicht stärker verringert als eine Scheinoperation.

Knorpelschäden am Kniegelenk, die auf ein Kompartiment beschränkt sind, lassen sich mithilfe einer sogenannten unicondylären Schlittenprothese minimalinvasiv versorgen. Eine solche Versorgung ist inzwischen auch bei bicondylären Schlittenprothesen möglich. 

Arthroskopie jetzt auch am Hüftgelenk

Inzwischen setzen sich minimalinvasive Operationsmethoden auch in der Hüftendoprothetik durch. Ob ein solches Verfahren sinnvoll ist, hängt von mehreren Faktoren ab. So bevorzugen Ärzte bei stark übergewichtigen Patienten eher eine offene Operation, da die Einsicht in den Operationsbereich durch zu viel Fettgewebe eingeschränkt wird.

Grundsätzlich ist bei einer Gelenkarthroskopie das Risiko einzuplanen, dass es häufiger zu Blutungen kommt. Zudem können, besonders wenn keine Drainage stattfindet, bleibende Blutergüsse entstehen. Ein weiterer möglicher Nachteil besteht darin, dass sich die Heilung der Einstichstellen verzögert.

Jede Operation ist für den Patienten ein belastender Eingriff. Welches Verfahren im Einzelfall gewählt wird, bedarf einer ausführlichen Klärung mit den behandelnden Ärzten. Dabei ist nicht nur das Verfahren selbst entscheidend, sondern auch die Frage, wie viel Erfahrung der behandelnde Chirurg auf dem entsprechenden Gebiet besitzt. 

Eine offene Bauchoperation bietet auch Vorteile

Die offene Operationsmethode bietet auch gewisse Vorteile. Zum einen entfallen die Folgeprobleme, die auf die Aufblähung des Bauchraums zurückzuführen sind, zum anderen können schwere Blutungen besser gestillt werden. Darüber hinaus erleichtert die Möglichkeit, die Organe mit der Hand zu betasten, es dem Chirurgen, die Situation einzuschätzen. 

Welche Möglichkeiten gibt es, Bandscheibenvorfälle zu operieren?

Bandscheibenvorfälle werden heutzutage in der Regel nur noch dann operiert, wenn sie mit Lähmungs- und Ausfallserscheinungen verbunden sind. Man unterscheidet zwischen endoskopischen Verfahren, bei denen ein schmales Rohr mit Optik und Lichtquelle über das Foramen intervertrebale (Austrittsloch, durch das die Nerven die Wirbelsäule verlassen) vorgeschoben wird, und offenen sowie mikrochirurgischen Operationsmethoden. Ob ein endoskopischer Eingriff möglich ist, hängt nicht zuletzt von der Zugänglichkeit der Austrittslöcher ab. 

von Klaus Bingler

aus 2/14

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