Psoriasis-Arthritis

VonKlaus Bingler

Psoriasis-Arthritis

Wenn die Gelenke mitbetroffen sind

Seit ein paar Wochen leidet Jakob Paulsen (28) unter Schmerzen in den Fingern der rechten Hand. Einen Stift zu halten, fällt ihm auf einmal schwer. Eines Morgens sind Ring- und Mittelfinger plötzlich dick und unbeweglich. Der Hausarzt verweist Herrn Paulsen an einen Rheumatologen, doch die Blutuntersuchung ergibt weder erhöhte Entzündungsparameter noch einen positiven Rheumafaktor.

Der Rheumatologe fragt den Patienten schließlich, ob er in letzter Zeit unter auffälligen Hautveränderungen leide. Überrascht bejaht Jakob Paulsen die Frage. In und rund um seinen Bauchnabel habe er einen schuppenden Hautausschlag. Als Jugendlicher habe er diesen häufiger gehabt. Mithilfe dieser Information kann der Arzt schließlich die richtige Diagnose stellen: Psoriasis-Arthritis. 

Die Psoriasis-Arthritis ist eine Gelenkentzündung, die in den meisten Fällen – aber nicht immer – mit den typischen Hautveränderungen einer Schuppenflechte (Psoriasis) einhergeht. Bei der Schuppenflechte handelt es sich um eine chronische Hauterkrankung, bei der es zu einem Hautschlag von unterschiedlichem Erscheinungsbild kommt. Die Schuppenflechte ist bei jedem Betroffenen anders ausgeprägt und reicht von vereinzelten geröteten und schuppenden Flecken bis hin zu großflächigen Arealen. Auch eitrige Pusteln sind möglich. Häufig betroffen sind Knie, Ellenbogen und Kopf, sowie Hautfalten wie die Analfalte. Weiterhin können die Finger- oder Fußnägel betroffen sein – diese verfärben und verformen sich und / oder bröckeln. Die Psoriasis verläuft oft schubweise und kann über einen längeren Zeitraum hinweg pausieren, bis sie dann wieder in Erscheinung tritt. 

Schmerzhafte Begleiterkrankung

Fünf bis 15 Prozent der Psoriatiker erkranken zusätzlich zu ihrer Schuppenflechte an einer Psoriasis-Arthritis. Neue Studien gehen sogar von einem Anteil von bis zu 20 Prozent aus. Häufig treten die Gelenkbeschwerden im Laufe der Zeit parallel zu den typischen Hauterscheinungen der Psoriasis auf. In seltenen Fällen kann die Psoriasis-Arthritis jedoch dem Haut-ausschlag vorangehen oder sogar ganz ohne Schuppenflechte auftreten. Bei der Psoriasis-Arthritis entzünden sich die Gelenke – hauptsächlich an den Hand- und Zehengelenken sowie am unteren Teil der Wirbelsäule, am Sprunggelenk oder am Knie. Infolgedessen kommt es zu Schmerzen, Schwellungen, Bewegungseinschränkungen und Morgensteifigkeit. Langfristig können sich die Gelenke verformen. Die Psoriasis-Arthritis zählt ebenfalls zu den chronischen Erkrankungen. Sie verläuft entweder kontinuierlich oder in Schüben. 

Eine schnelle Diagnose ist wichtig

Um einer Verformung der Gelenke möglichst vorzubeugen oder die Erkrankung vorübergehend zum Stillstand zu bringen, ist eine möglichst frühe Diagnose notwendig. Nur so kann schnellstmöglich eine entsprechende Behandlung eingeleitet werden. Um die Psoriasis-Arthritis von anderen rheumatischen Erkrankungen (z. B. rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew) abzugrenzen, benötigt der Arzt genaue Angaben zu der Art der Beschwerden und natürlich Angaben zu einer möglichen bestehenden Schuppenflechte. Mitunter bringen die Patienten ihre schmerzenden Gelenke gar nicht mit früheren oder bestehenden Hautproblemen in Verbindung. Zudem sind Entzündungsparameter und Rheumafaktoren meist unauffällig. Bei der Diagnose ebenso wichtig wie bei der anschließenden Behandlung ist eine fachübergreifende Sicht auf den Patienten. Hausarzt, Dermatologe und Rheumatologe können in Zusammenarbeit die richtige Diagnose stellen und eine entsprechende Behandlung einleiten und begleiten. 

Ursache unklar

Die Schuppenflechte (Psoriasis) und die Psoriasis-Arthritis zählen zu den sogenannten Autoimmunerkrankungen. Das bedeutet, dass das Immunsystem nicht mehr richtig funktioniert und körpereigene Strukturen – im Fall einer Psoriasis-Arthritis die Gelenke – angreift oder sich die Haut bei der Schuppenflechte viel zu schnell erneuert. Warum das Immunsystem nicht mehr richtig arbeitet, ist noch nicht geklärt. Sicher ist, dass die Veranlagung für die Erkrankungen vererbt wird. Das bedeutet, dass ein Kind, dessen Eltern an einer Psoriasis bzw. Psoriasis-Arthritis leiden, ein erhöhtes Risiko trägt, ebenfalls daran zu erkranken. Doch die Veranlagung allein führt nicht zwangsläufig zu einem Ausbruch. Damit eine Schuppenflechte bzw. eine Psoriasis-Arthritis ausbricht, bedarf es eines oder mehrerer Auslöser. Als mögliche Auslöser ziehen die Ärzte derzeit unter anderem folgende Faktoren in Betracht:

• Infektionen, wie z. B. eine Mandelentzündung

• die Einnahme bestimmter Medikamente

• Verletzungen der Haut oder Druckstellen

• Stress sowie psychische Probleme

• hormonelle Veränderungen

Welcher Schuppenflechte-Patient im Laufe der Zeit eine Psoriasis-Arthritis entwickelt und welcher nicht, lässt sich nicht vorhersagen. Einige Wissenschaftler vermuten einen Zusammenhang zwischen Schweregrad und Form der Psoriasis und dem Auftreten der Gelenkbeschwerden. Demnach erkranken z. B. Personen mit einer schweren Psoriasis sowie einer Kopf- oder Nagelbeteiligung eher an einer Psoriasis-Arthritis. Als gesichert gilt dieser Zusammenhang jedoch nicht. 

Die Behandlung der Psoriasis-Arthritis

Steht die Diagnose Psoriasis-Arthritis fest, gilt es, möglichst schnell mit einer effektiven Behandlung zu beginnen. Eine Psoriasis-Arthritis ist nicht heilbar. Ziel der Behandlung ist es, die Erkrankung in Schach zu halten und möglichst lange beschwerdefreie Intervalle zu erreichen. Dabei gibt es verschiedene Ansatzpunkte, um dem Krankheitsgeschehen beizukommen. Mithilfe unterschiedlicher Schmerzmittel wie z. B. nicht-steroidaler Antirheumatika (NSAR) lässt sich der Schmerz eindämmen. Zudem wirken diese Medikamente entzündungshemmend. Ebenfalls entzündungshemmend wirkt Kortison, welches häufig bei einem akuten Psoriasis-Arthritis-Schub eingesetzt wird. Als Basismedikamente definierte Präparate (z. B. Methotrexat, Sulfasalazin) sollen eine überschießende Immunreaktion unterdrücken und  somit einen erneuten Schub verhindern.  Sie müssen langfristig eingenommen werden. In einigen Fällen kommen sogenannte Biologika zum Einsatz, die ebenfalls in das Immunsystem eingreifen. Bei der Einnahme der genannten Medikamente können unerwünschte Nebenwirkungen auftreten, weshalb es sich empfiehlt, das Nutzen-Risiko-Verhältnis genau mit dem Arzt abzuwägen. 

Medikamente sind nicht alles  

Ergänzend zu einer medikamentösen Behandlung können bei einer Psoriasis-Arthritis auch die folgenden Therapien helfen, die Beschwerden zu lindern:

• Ergotherapie

• Krankengymnastik

• Elektrotherapie

• Balneotherapie (Bäder)

• Thermotherapie (Kälte- und Wärmebehandlung)

• Ultraschalltherapie 

Die Psoriasis-Arthritis ist nicht heilbar. Eine individuell abgestimmte Therapie, eine gesunde Lebensweise und eine positive Einstellung können jedoch helfen, die Erkrankung in den Griff zu bekommen.  

von Ulrike Pickert

Über den Autor

Klaus Bingler administrator