Wenn der Knochenstoffwechsel gestört ist

VonUlrike Pickert

Unsere Knochen befinden sich, auch im Erwachsenenalter, in einem ständigen Umbauprozess. Knochenauf- und -abbau stehen bei Gesunden in einem relativen Gleichgewicht. Bei Erkrankungen des Knochenstoffwechsels ist dieses Gleichgewicht gestört.

Im Prinzip sind zwei Zellarten für den Knochenstoffwechsel entscheidend: Osteoblasten und Osteoklasten. Während die Osteoblasten den Knochenaufbau bewirken, sind die Osteoklasten für den Knochenabbau verantwortlich. Bis zur Pubertät überwiegt der Aufbau – jenseits des 40. Lebensjahres der Abbau.

Osteoporose

Eine der bekanntesten Krankheiten, bei denen das Zusammenspiel zwischen Osteoblasten und Osteoklasten gestört ist, ist die Osteoporose, im Volksmund auch Knochenschwund genannt. Bei einer Osteoporose arbeiten die Osteoklasten wesentlich schneller als die Osteoblasten. Generell sind die Knochen älterer Menschen nicht mehr so stabil wie in jungen Jahren. Und sie heilen auch nicht mehr so schnell. Bei einer Osteoporose geht dieses Phänomen jedoch über das normale Maß hinaus und beginnt oft auch früher. Die Knochen von Osteoporosepatienten werden also schon frühzeitig immer fragiler und brechen schneller. Die genaue Ursache ist bis heute ungeklärt. Osteoporose wird jedoch u. a. mit Untergewicht, Rauchen, Bewegungsmangel und einem Hormonmangel (z. B. Östrogen, Testosteron) in Verbindung gebracht. Frauen nach den Wechseljahren sind besonders gefährdet. Tritt eine Osteoporose als Folge einer Grunderkrankung auf, so spricht man von einer sekundären Osteoporose. Dazu zählt auch ein durch die Einnahme bestimmter Medikamente ausgelöster Knochenschwund. Erkrankungen, die zu einer Osteoporose oder osteoporoseartigen Symptomen führen können, sind z. B. eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen (primärer Hyperparathyreoidismus (pHPT)) oder ein Vitamin-D-Mangel.

Rachitis

Damit der Knochen genügend Festigkeit erhält, benötigt er Kalzium und Phosphat. Vitamin D bedingt, dass aus Darm und Niere genügend Kalzium aufgenommen und eingebaut werden kann. Bei einer Rachitis ist der Stoffwechsel des wachsenden Knochens, also im Kindesalter, infolge einer zu geringen Kalzium- oder Phosphatversorgung gestört. Dadurch kommt es langfristig zu Verformungen der Knochen (Extremitäten, Schädel, Brustkorb). Ursache für eine Rachitis kann also entweder ein Vitamin-D-Mangel oder sehr viel seltener ein genetisch bedingter direkter Phosphatmangel sein. Unser Körper stellt Vitamin D hauptsächlich unter dem Einfluss von Sonnenlicht her, ein kleinerer Teil wird über die Nahrung aufgenommen. Wichtig ist also eine ausreichende Sonnenexposition, welche – gerade bei Kleinkindern – aufgrund des steigenden Hautkrebsrisikos und der damit verbundenen Prophylaxe (Sunblocker, UV-Kleidung etc.) nicht immer gegeben ist. Da die Kinderärzte jedoch eine generelle Vitamin-D-Prophylaxe empfehlen und eine ausgewogene Ernährung hierzulande in der Regel gewährleistet ist, ist die Vitamin-D-Mangel-Rachitis bei uns selten. Bei Erwachsenen wird eine Rachitis als Osteomalazie bezeichnet.

Hypophosphatasie

Die sogenannte Hypophosphatasie geht immer auf einen Gendefekt zurück. Durch diesen funktioniert ein spezielles Enzym, die alkalische Phosphatase, nicht mehr richtig, was zu einer unzureichenden Mineralisierung der Knochen und Zähne führt. Die seltene Erkrankung äußert sich in ganz unterschiedlichen Ausprägungen. Manchmal werden betroffene Kinder bereits tot und mit nicht mineralisierten Knochen geboren. Bei anderen Formen im Kindesalter kommt es zu starken Knochenverformungen, Schmerzen, Minderwuchs und einem frühzeitigen Verlust der Milchzähne. Mögliche weitere Symptome sind Verdauungsprobleme und mangelnder Appetit. Leichtere Formen können sich auch erst im Erwachsenenalter durch Knochenschmerzen, häufige Frakturen und Zahnprobleme bemerkbar machen.

Morbus Paget (Osteodystrophia deformans)

Bei dieser Erkrankung verläuft der Knochenauf- und -abbau an verschiedenen Stellen im Körper unkontrolliert. Morbus Paget tritt erst im Erwachsenen-alter auf, zumeist ab dem 40. Lebensjahr. Betroffene leiden unter Überwärmung und späterer Verformung bestimmter Knochenareale, z. B. am Schädel oder an den Extremitäten. In der Regel treten zusätzlich Schmerzen an den betroffenen Stellen sowie Muskelverspannungen aufgrund von Fehlhaltungen auf. In einigen Fällen verläuft die Erkrankung nahezu symptomlos und wird nur per Zufall entdeckt. Die genaue Ursache ist noch unbekannt, Viren und genetische Komponenten werden als Auslöser diskutiert.

von Ulrike Pickert

aus ORTHOpress 2/18

Fragen und Antworten

Wie funktioniert der Knochenstoffwechsel?

Unter dem Knochenstoffwechsel versteht man den Auf-, Um-, und Abbau von Knochensubstanz. Sogenannte Osteoblasten sind für den Knochenaufbau zuständig, während die sogenannten Osteoklasten den Knochenabbau verantworten.

Was bedeutet ein erhöhter Knochenstoffwechsel?

Ein gesteigerter Knochenstoffwechsel kann bei verschiedenen Erkrankungen wie Knochentumoren, Knochenmetastasen und entzündlichen Gelenkerkrankungen auftreten.

Was braucht man für gesunde Knochen?

Phosphat und Kalzium sind besonders wichtig für feste Knochen. Ebenso Vitamin D, welches dafür sorgt, dass Kalzium in ausreichender Menge vom Körper verwertet werden kann.

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