Mangelernährung und Osteoporose

VonStefanie Zerres

Ein gesunder und ausgeglichener Knochenstoffwechsel ist von zahlreichen Faktoren im Körper abhängig. Dazu gehören unter anderem der Hormonspiegel und die Versorgung mit bestimmten Nährstoffen. Eine Mangelernährung kann beides stören und dadurch die Ausbildung einer Osteoporose begünstigen. Außerdem ist bei vielen mangelernährten Menschen die Muskulatur schwach und kann dem Knochen nicht die entsprechenden Impulse zum Aufbau liefern.

Mangelernährung sollte in unserer westlichen Welt doch eigentlich kein Thema sein, müsste man meinen. Dennoch kann es durch Erkrankungen dazu kommen, dass dem Organismus nicht genügend Nährstoffe zugeführt werden. Dabei gibt es einerseits Erkrankungen, durch die eine Nahrungsaufnahme oder -verwertung beeinträchtigt ist wie z. B. bei Tumoren in der Speiseröhre oder dem Magen. Andererseits kann eine sogenannte quantitative Man-gelernährung bestehen, wenn nicht genügend Nahrung zugeführt wird, was bei Essstörungen wie Anorexie (Magersucht) und Bulimie (Ess-Brech-Sucht) der Fall sein kann. Nicht zwingend auf eine Krankheit zurückzuführen, aber dennoch für den Körper schädigend, ist eine mangelnde Ernährung im Alter. Als Richtwert für eine Mangelernährung bzw. für das damit häufig einhergehende Untergewicht wird oftmals der sogenannte Body-Mass-Index (BMI), der das Körpergewicht in Relation zur Körpergröße setzt, zurate gezogen. Doch der BMI ist nicht allein ausschlaggebend, sondern die Versorgung mit Nährstoffen. Diese kann auch bei normalgewichtigen Personen, die sich hauptsächlich von „ungesunden“ Nahrungsmittel ernähren, unzureichend sein. Dann spricht man auch von Fehlernährung.

Ab- und Aufbauprozesse in der Waagschale

Die Nährstoffversorgung hat auch einen großen Einfluss auf den Knochenstoffwechsel und kann bei Mangel zu einer Osteoporose beitragen. Bei dieser Erkrankung sind die Ab- und Aufbauprozesse durch die sogenannten Osteoklasten und Osteoblasten, die fortwährend ablaufen und im gesunden Körper ausgeglichen sein sollten, gestört. In der Folge verringert sich die Knochendichte, d. h., die Knochenbälkchen im Inneren
des Knochens werden dünner oder gehen zugrunde. 

Betroffene haben ein erhöhtes Frakturrisiko. In weit fortgeschrittenen Stadien kann schon ein vergleichbar sehr harmloses Geschehen zu einem Knochenbruch führen. So entsteht häufig der für die Osteoporose typische „Witwenbuckel“, wenn Wirbelkörper unvermittelt brechen oder förmlich in sich einsinken. Es ist vor allem eine Unterversorgung mit Kalzium und Vitamin D, die bei der Osteoporose eine entscheidende Rolle spielen kann.

Kalzium macht den Knochen hart, Vitamin D hilft beim Transport

Kalzium sorgt im Knochen für eine Mineralisierung, d. h. dafür, dass der Knochen eine entsprechende Härte hat. Über die Nahrung kann es durch Milchprodukte, bestimmte Samen oder Nüsse und beispielsweise auch Kräuter wie Petersilie aufgenommen werden. Doch allein das Kalzium über diese Wege zur Verfügung zu stellen, reicht nicht aus. Damit es zum einen über den Darm aufgenommen und zum anderen in den Knochen eingelagert werden kann, benötigt es Unterstützung unter anderem von Vitamin D. Dieses befindet sich nur in wenigen Lebensmitteln, z. B. in manchen Fischarten oder Avocados, sodass die Nahrungsaufnahme dafür nur eine untergeordnete Rolle spielt. Viel bedeutsamer ist die Produktion von Vitamin D über die Haut unter Einfluss von UV-B-Strahlen der Sonne. 

Und noch etwas gilt es bei der Ernährung zu beachten: Wer dem Körper über die Nahrung genügend Kalzium zur Verfügung stellt und zusätzlich Vitamin D im Freien „sammelt“, der sollte darauf achten, keine oder nur in geringen Maßen Stoffe zu sich zu nehmen, die als sogenannte „Knochenräuber“ gelten. Das sind beispielsweise phosphorhaltige Lebensmittel, wie Softdrinks oder zu viel Alkohol und Nikotin, denn diese Genussmittel bzw. Gifte entziehen dem Körper Kalzium.

Östrogen

Als weiterer wichtiger Unterstützer bei der Kalziumeinlagerung im Knochen gilt das weibliche Hormon Östrogen. Aus dem Grund sind von einer Osteoporose auch häufiger Frauen nach der Menopause betroffen, da dann der Östrogenspiegel sinkt. Doch auch in jüngeren Jahren kann krankheitsbedingt und durch Mangelernährung ein Östrogenmangel bestehen. Beispielsweise macht sich dieser bei Frauen und Mädchen, die an einer Essstörung leiden durch das Ausbleiben der Menstruation bemerkbar. Auch wenn man dann noch nichts von einer schlechteren Knochenqualität merkt, sollte diese bereits kontrolliert werden.

Muskeln

Manche Quellen besagen, das Risiko, bei Untergewicht eine Osteoporose zu entwickeln, bestehe weniger durch den Mangel an Kalzium als durch den an Eiweiß- und Energieträgern. Eine Rolle spielen sicher beide Faktoren, die ohnehin in der Regel bei Mangel-ernährung bestehen. Durch zu wenig Proteine kommt es zu einem Abbau von Muskelgewebe. Die Muskulatur gibt im gesunden Körper wichtige Impulse für den Knochenstoffwechsel und wenn ihre Druck- und Zugkräfte nachlassen, ist auch der Knochen gefährdet. 

Folgen oft erst später bemerkbar

Besonders wenn sie in jungen Jahren auftritt, wie z. B. durch eine Anorexie, kann die Mangelernährung ungeahnt problematisch sein, da die verminderte Knochendichte oft erst viel später auffällt. Über Jahre kann der Knochenabbau verlaufen, ohne dass er irgendwelche Beschwerden verursacht. Außerdem kann sich die Osteoporose auch erst viel später entwickeln, wenn der Risikofaktor der Mangelernährung bereits ausgeräumt ist. So sind Frauen, die in ihrer Jugend an einer Essstörung litten, auch bei späterem Normalgewicht gefährdeter, nach der Menopause eine Osteoporose zu entwickeln. Bezüglich der Anorexie gibt es Untersuchungen, die besagen, dass sich die Knochenstruktur bereits während der Erkrankung verändert, aber zunächst noch nicht die Knochendichte beeinträchtigt ist. In seltenen Fällen, bei schwerer Magersucht kann es bereits in dieser Zeit zu einer manifesten Osteoporose kommen.

Risikofaktoren verringern

Die wirkungsvollste Methode, das Risiko einer ernährungsbedingten Osteoporose geringer zu halten, ist Untergewicht zu vermeiden und auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung sowie ausreichend Bewegung zu achten. Besteht die Mangelernährung aufgrund einer Erkrankung, richtet sich die Therapie nach dieser. In manchen Fällen werden Vitamine und andere Nährstoffe in Form von Nahrungsergänzungsmitteln zugegeben, um den akuten Mangel auszugleichen. Eine spezielle Ernährungsberatung kann auch helfen, nicht mehr in der Mangelsituation zu verbleiben. All dies ist bereits bei jungen Menschen wichtig, damit sich die Knochenmasse aufbauen kann, von der sich ohnehin im Alter natürlicherweise ein Teil wieder abbauen wird.

von Stefanie Zerres aus ORTHOpress 4/15

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