Erkrankungen und Verletzungen der Rippen

VonUlrike Pickert

Unser Brustkorb besteht aus dem Brustbein und den 12 Rippenpaaren. Während die ersten 10 Rippen mit dem Brustbein verbunden sind, enden die 11. und 12. Rippe frei und werden daher auch als fliegende Rippen bezeichnet. Zwischen den Rippen verlaufen die sogenannten Zwischenrippen- oder Interkostalnerven. Rippenschmerzen können von den knöchernen und knorpeligen Anteilen oder den Nerven ausgehen, aber auch durch entzündliche oder andere Erkrankungen hervorgerufen werden. 

Eine Brustfell- oder Rippenfellentzündung (Pleuritis) ist eine ernst zu nehmende Erkrankung, die medizinisch versorgt werden muss. Als Rippenfell bezeichnet man die Haut, welche die Brustwand von innen auskleidet, das Lungenfell bedeckt die Lungenoberfläche. Der Zwischenraum zwischen den beiden Häuten wird Pleuraspalt genannt. Während sich das Rippenfell den Atembewegungen des Brustkorbs anpasst, folgt das Lungenfell aufgrund des im Pleuraspalt erzeugten Unterdrucks den Bewegungen des Rippenfells. Kommt es zu einer Rippenfellentzündung, ist neben dem Rippenfell meist auch das Lungenfell betroffen. Es gibt die sogenannte „trockene“ (Pleuritis sicca) und die dieser häufig folgende „feuchte“ Brustfell-entzündung (Pleuritis exsudativa), bei der sich der Pleuraspalt mit Flüssigkeit füllt. Der Erguss kann je nach Ursache eiweißreich oder -arm, blutig oder eitrig sein. Schmerzen entstehen ausschließlich im Rippenfell. Typisch für eine trockene Pleuritis sind stechende Schmerzen im Brustkorb. Meist sind sie einseitig und werden durch die Reibung verstärkt, die beim Atmen zwischen den beiden Häuten hervorgerufen wird. Häufig machen sie sich durch ein knarrendes oder reibendes Atemgeräusch bemerkbar. Die Schmerzen sind umso größer, je tiefer eingeatmet wird. Daher neigen die Betroffenen dazu, nur noch flach zu atmen. Bei einer „feuchten“ Brustfellentzündung weichen die Schmerzen einem Druckgefühl im Brustkorb, verbunden mit Atemnot.

Mögliche Ursachen für eine Pleuritis

• Bakterien oder Viren

• Pleuratumoren 

• andere Erkrankungen wie Lungenentzündungen, Tuberkulose, Lungenembolien, Bauchspeicheldrüsenentzündungen sowie rheumatische Erkrankungen und Autoimmunkrankheiten wie z. B. Lupus erythematodes

• Verletzungen oder Operationen im Bereich des Brustkorbs

Der Arzt kann meist bereits an der Körperhaltung des Patienten erkennen, dass mit der Atmung auf einer Lungenseite etwas nicht stimmt. Reibende Atemgeräusche lassen sich durch Auskultieren des Brustkorbs feststellen. Ob Flüssigkeit im Brustraum ist, kann durch Ultraschall oder Röntgen überprüft werden. Mithilfe von Laboruntersuchungen wird ermittelt, wie hoch die allgemeinen Entzündungswerte und welche Erreger für die Erkrankung verantwortlich sind. Unter Umständen kann auch ein MRT (Magnetresonanztomogramm) oder CT (Computertomogramm) zur Klärung hilfreich sein. Ob ein Tumor vorhanden ist, lässt sich durch eine Biopsie ermitteln.

Heilung bei ausreichender Ruhe

Damit eine Rippenfellentzündung ausheilen kann, ist Ruhe erforderlich. Welche Behandlung im Einzelfall infrage kommt, hängt von der Ursache der Erkrankung ab. Ist dies beispielsweise eine bakterielle Lungenentzündung, empfiehlt sich der Einsatz eines geeigneten Antibiotikums. Zur Linderung der Schmerzen bei einer trockenen Pleuritis werden Schmerzmittel und gegebenenfalls auch Husten dämpfende Präparate verabreicht. Ein Pleuraerguss lässt sich mithilfe einer sogenannten Thoraxdrainage beseitigen. Dabei wird die Flüssigkeit über einen Schlauch, der in den Pleura-spalt vorgeschoben wird, abgesaugt. Dieser Zugang ermöglicht es auch, die Pleurahöhle mit Kochsalzlösung und Antibiotika zu spülen. In der Regel heilt eine Rippenfellentzündung bei richtiger Therapie und ausreichender Bettruhe wieder aus. Wird die Krankheit jedoch verschleppt, können ernst zu nehmende Komplikationen auftreten wie z. B. ein Zusammenwachsen von Rippen- und Lungenfell. Dadurch kann die Atmung dauerhaft eingeschränkt werden.

Nervenschmerzen zwischen den Rippen: Interkostalneuralgie

Als Interkostalneuralgie bezeichnet man Nervenschmerzen zwischen den Rippen, die sich beim Atmen, möglicherweise aber auch durch Husten, Druck oder Bewegung verstärken. Begleitend kann es auch zu Muskelverspannungen, Gefühlsstörungen und Missempfindungen in den betroffenen Nervenregionen kommen. Eine Interkostalneuralgie ist immer die Folge einer zugrunde liegenden Erkrankung. Dazu gehören:

• Herpes Zoster (Gürtelrose)

• Erkrankungen von Rückenmark
und Nervenwurzelirritationen

• Verletzungen der Rippen

• Degenerative Erkrankungen der Wirbelsäule wie Osteochondrose (Knochen- und Knorpeldegeneration) oder Spondylitis (Wirbelsäulenentzündung)

• Postthorakotomie-Syndrom
(Beschwerden nach einer operativen Öffnung des Brustkorbes)

• Krankhafte Veränderungen an
den Rippen wie Periostitis (Knochenfellentzündung) 

• Krankheiten der Lunge wie
Tuberkulose oder Lungenentzündung

• Verhärtete Muskeln (Myogelosen)

In seltenen Fällen wird eine Interkos-talneuralgie durch eine angeborene Verengung der Hauptschlagader, Herz-erkrankungen, Magenbeschwerden, Erkrankungen von Leber oder Gallenblase oder Tumore im Bereich der Luftwege oder des Lungenfells hervorgerufen.

Bei der Diagnose muss die zugrunde liegende Erkrankung erfasst werden. Zunächst wird der Brustkorb auf druck-empfindliche Stellen hin abgetastet. Durch Röntgenbilder lassen sich Brüche, Fehlstellungen oder Knochenwucherungen feststellen. Um infektiöse Erkrankungen des Nervensystems zu erkennen, werden Blutuntersuchungen durchgeführt. Vor allem dann, wenn unklare Schmerzen und Gefühlsstörungen vorliegen, kann ein MRT der Brustwirbelsäule sinnvoll sein. 

Welche Behandlung bei einer Interkos-talneuralgie infrage kommt, hängt von der Grunderkrankung ab. Im Akutfall steht zunächst eine reine Schmerztherapie im Vordergrund. Dazu eignen sich nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) oder Muskelrelaxantien. Bei besonders starken Schmerzen kann die lokale Infiltration mit Schmerzmitteln hilfreich sein. Um die Druckbelastung auf den Nerv zu reduzieren und die verspannte Muskulatur zu lockern, werden physiotherapeutische Maßnahmen eingesetzt. In manchen Fällen kann es sich empfehlen, die Druckentlastung auf operativem Wege herbeizuführen.

Die meisten Rippenbrüche sind unkompliziert

Normalerweise ist der menschliche Brustkorb, auch wenn er durchaus flexibel und beweglich ist, sehr stabil. Zu einem Rippenbruch kommt es dementsprechend vor allem unter der Einwirkung starker Gewalt oder bei älteren Menschen, die unter Osteoporose leiden. Häufige Ursachen für Rippenbrüche sind Stürze auf Kanten, z. B. an Waschbecken oder Badewannen, Unfälle mit Auto und Fahrrad sowie sportbedingte Verletzungen. Die meisten Rippenbrüche sind einfacher, geschlossener Art. Das heißt, die Bruchstücke sind nicht gegeneinander verschoben. Von einem offenen Bruch spricht man, wenn ein Bruchende die Haut durchstößt. Als Rippenserienfraktur bezeichnet man einen Bruch dreier oder mehrerer übereinander gelegener Rippen auf derselben Körperseite. Treten an einer einzelnen Rippe zwei und mehr Brüche auf, sprechen Ärzte von einer Rippenstückfraktur. Von einem Pneumothorax (Luftbrust) spricht man, wenn Luft in den Pleuraraum gelangt. Dadurch wird die Ausdehnung eines oder mehrerer Lungenflügel und damit auch die Atmung eingeschränkt. Es handelt sich hier um einen medizinischen Notfall. Typische Beschwerden bei einem Rippenbruch sind Schmerzen, die sich beim tiefen Einatmen weiter verstärken. Manchmal ist ein Bluterguss über der Bruchstelle sichtbar. Bei einer Rippenstück- und Rippenserienfraktur kann es zu einer sogenannten inversen oder paradoxen Atmung kommen. Dabei zieht sich der Brustkorb im Bruchbereich, anders als bei der normalen Atembewegung, während des Einatmens nach innen und wölbt sich beim Ausatmen vor.

Neben der mündlichen Befragung und körperlichen Untersuchung des Patienten, bei welcher der Arzt die Brust auf schmerzempfindliche Stellen abtastet, spielt die Röntgenuntersuchung des Brustkorbs eine wichtige Rolle. Mithilfe eines CT lässt sich feststellen, ob ein Pneumothorax vorliegt.

Eine zu flache Atmung sollte unbedingt vermieden werden

In der Regel werden Rippenbrüche nicht mit einem Verband fixiert. In manchen Fällen kann allerdings ein Tape- oder Dachziegelverband sinnvoll sein. Entscheidend ist, die Schmerzen soweit zu verringern, dass der Patient ohne Probleme ein- und ausatmen und vor allem richtig abhusten kann. Dabei hilft ein konsequentes Atemtraining. Eine flache Schonatmung sollte unbedingt vermieden werden, da ansonsten die Gefahr einer Lungenentzündung droht. Häufig helfen bereits gängige Schmerzmittel wie NSAR weiter, in schwerwiegenderen Fällen werden zuweilen Opiate eingesetzt. Allerdings sollten diese nur eingeschränkt verwendet werden, da sie zugleich eine sedierende Wirkung haben und die Atmung einschränken. Gezielter ist die Wirkung einer Nervenblockade. Dabei wird ein lokales Betäubungsmittel an den Unterrand der betroffenen Rippe gespritzt. Auf diese Weise werden die Zwischenrippennerven betäubt, sodass für eine begrenzte Zeit Schmerzfreiheit erreicht wird. Eine weitere Option ist die sogenannte thorakale Periduralanästhesie. Sie wird vor allem bei starken Schmerzen, Rippenserienbrüchen und zweiseitigen Brüchen genutzt, indem Schmerzmittel oder örtliche Betäubungsmittel in den im Wirbelkanal befindlichen Periduralraum injiziert werden. Dadurch werden schmerzleitende Nervenfasern für eine gewisse Zeit gehemmt. Nur selten ist bei einer Rippenfraktur ein Klinikaufenthalt oder gar eine Operation notwendig. Normalerweise heilen Rippenbrüche innerhalb von zwei Monaten aus. Schwere körperliche Aktivitäten sollten in diesem Zeitraum vermieden werden.

von Klaus Bingler

aus ORTHOpress 3/18

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