Entzündliche Erkrankungen an Schulter und Arm

VonStefanie Zerres

Entzündungen können an Schulter und Arm abgesehen von Rheuma im Rahmen einer Erkrankung auftreten. Sie können aber auch das Ergebnis von Mikrotraumen durch Überlastung sein. 

Eine Entzündung stellt eine Abwehrreaktion des Körpers auf einen Störfaktor dar. Dazu können Bakterien gehören, gegen die das Immunsystem zu kämpfen hat. Durch eine erhöhte Durchblutung werden die entsprechenden Botenstoffe und Abwehrmechanismen zur Verfügung gestellt. Rötungen und Erwärmung des Gebietes sind mögliche äußere Anzeichen dafür. Aber auch Schmerzen in dem betroffenen Areal sind oftmals kennzeichnend für Entzündungen. Diese können im schlimmsten Falle chronisch werden, sofern die Ursachen der Entzündung nicht behoben werden, und dann auch weitere Folgen wie degenerative Veränderungen nach sich ziehen. Sind Sehnen beispielsweise permanent entzündet, verlieren sie an Elastizität und können schneller reißen. Entzündungen an Schleimbeuteln oder Sehnen können auch zu typischen Verkalkungen, wie z. B. einer sogenannten Kalkschulter, führen. 

Entzündliche Geschehen an Gelenken sind kennzeichnend für rheumatische Erkrankungen. Eine Fehlleitung des Immunsystems ist hier ursächlich. Meist kommt es dabei schubweise zu akuten Entzündungen, die nach und nach Gelenkschäden hinterlassen. Doch auch abseits von rheumatischen Erkrankungen kann es zu Entzündungen am Bewegungsapparat kommen. Sie sind häufig die Folge einer Überbeanspruchung und treten daher nicht selten an den Extremitäten wie z. B. den Armen auf. Liegt die Ursache für Schulterschmerzen in einer Entzündung, können verschiedene Teile des Gewebes davon betroffen sein. Eher seltener ist ein Befall mit Bakterien an Arm und Schulter. 

Gelenkschleimhautentzündung (Synovitis)

Die Gelenkschmiere sorgt für reibungsloses Gleiten der Gelenkpartner aneinander. Zusätzlich versorgt sie die Knorpelschicht mit Nährstoffen. Produziert wird die viskose Flüssigkeit von der Synovia (Gelenkschleimhaut). Dort kann es zu Entzündungen kommen, einer sogenannten Synovitis. Die Konsequenz ist eine erhöhte Produktion der Gelenkflüssigkeit, die sich dann im Gelenk staut. Ein so verursachter Gelenkerguss führt zu Schwellungen, Schmerzen und Beeinträchtigungen der Gelenkfunktion. Bringen konservative Maßnahmen wie Ruhigstellung, Kühlen und entzündungshemmende Medikamente (in Tablettenform oder als Injektion) langfristig keine Besserung, kann ein operativer Eingriff Abhilfe schaffen. Dieser erfolgt in der Regel arthroskopisch, also minimalinvasiv. Dabei wird die entzündete Schleimhaut entfernt. Sie wächst dann wieder nach. 

Schleimbeutelentzündung (Bursitis) 

Schleimbeutel haben eine ähnliche Funktion wie die Gelenkschleimhaut: Sie schaffen die Voraussetzung für Beweglichkeit und Gleitfähigkeit. Dafür enthalten und produzieren auch sie eine schmierende Flüssigkeit, die abgesondert werden kann. Die Schleimbeutel selbst sind im gesunden Zustand nicht vollständig gefüllt, flach und beweglich. Sie sind besonders an Stellen lokalisiert, wo Bewegung stattfindet: an Sehnen, Muskeln, Knochenvorsprüngen oder Gelenkübergängen etwa. Eben diese Beweglichkeit ist beeinträchtigt, sofern die Schleimbeutel entzündet sind und ihre Funktion nicht mehr richtig erfüllen können. Je nachdem, welcher der Schleimbeutel im Schulter-Arm-bereich betroffen ist, kommt es zu spezifischen Einschränkungen. Ein entzündeter, angeschwollener Schleimbeutel unter dem Schulterdach beispielsweise kann das Armheben erschweren, eine verdickte Bursa am Ellenbogen die Armbeugung beeinträchtigen. Außerdem kommt es zu Schmerzen und den typischen Entzündungssymptomen wie Erwärmung und erhöhte Gewebedurchblutung. Daher sind konservative Maßnahmen wie Schonung, Kühlung und entzündungshemmende edikation Mittel der Wahl. In manchen Fällen kann auch eine Stoßwellentherapie durchgeführt werden. 

Bringen konservative Therapien keine Beschwerdelinderung, können die betroffenen Schleimbeutel entweder punktiert werden, um ihren Umfang zu reduzieren, oder chirurgisch entfernt werden. Zu einer Schleimbeutelentzündung kann es auch infolge einer anderen Erkrankung kommen, z. B. durch eine Reizung, wie sie aufgrund der Enge bei einem Impingement-Syndrom oder bei einem Schaden der Rotatorenmanschette in der Schulter entsteht. 

Um langfristig stabile Besserungen zu bringen und neuen Entzündungen vorzubeugen, sollten bei all diesen Erkrankungen die verursachenden Umstände möglichst beseitigt werden. 

Weitere Entzündungen im Bereich der Schulter

Zu einer Gelenkentzündung kann es auch im Rahmen einer Arthrose, also eines abnutzungsbedingten Knorpelabriebs, kommen. Die Rede ist dann von einer entzündlich aktivierten Arthrose oder einer Arthritis. Diese ist zu unterscheiden von einer rheumatisch bedingten Gelenkentzündung, einer sogenannten rheumatoiden Arthritis. Bei dieser spielen sich die entzündlichen Veränderungen zunächst vorwiegend an den Weichteilen, wie der Gelenkschleimhaut, ab. Langfristig kann aber auch die rheumatoide Arthritis zu einer Zerstörung des ganzen Gelenks führen. An der Schulter kann es auch zu Sehnen-entzündungen wie an der Bizeps- oder Supraspinatussehne kommen, z. B. im Zuge eines Impingement-Syndroms.

Die Entzündung als Teil einer Erkrankung

Entzündungen sind kennzeichnend für die erste Phase einer Schultererkrankung namens Frozen Shoulder. Dabei kommt es im späteren Stadium zu einer starken Bewegungseinschränkung, was den Ursprung des Namens („gefroren“) erklärt. Meist sind die Gründe für eine Frozen Shoulder unbekannt und es liegt die primäre Form vor. 

Tennis- und Golferellenbogen – oder doch Mausarm? 

Sehnen befestigen die Muskulatur am Knochen. Das bedeutet, sie sind bei den Muskelkontraktionen immer mit in Bewegung. An Stellen, wo die Sehnen besonders viel Reibung erfahren und über Knochenvorsprünge gleiten müssen, verlaufen sie durch einen Bindegewebsschlauch. Diese Sehnenscheiden sind mit Gelenkflüssigkeit gefüllt, um das Gleiten der Sehne zu ermöglichen. Durch Überlastung kann die Sehnenscheide entzünden. Da dies meist neben Schmerzen auch mit Schwellungen einhergeht, ist die Bewegung der Sehne zudem erschwert. Besteht der Zustand länger, vermindert sich die Qualität des Gewebes von Sehne und Sehnenscheide. 

Zu einer Sehnenscheidenentzündung kann es prinzipiell überall am Körper kommen. Bestimmte Sehnen sind aufgrund der Belastungen mancher Menschen besonders gefährdet. Gemäß der typischen ursächlichen Belastungen und der Sehnenlokalisation werden einzelne Krankheitsbilder benannt. Eine sehr häufig, vor allem bei Frauen auftretende Sehnenscheidenentzündung ist die sogenannte Tendovaginitis steno-sans de Quervain, bei der die Beweglichkeit des Daumens eingeschränkt und schmerzhaft ist. 

Von einem „Mausarm“, medizinisch als Repetitive Strain Injury oder RSI-Syndrom bezeichnet, ist die Rede, wenn eine Sehnenscheidenentzündung am Handgelenk durch viel Computerarbeit (Computermaus) und damit einhergehende sich immer wieder wiederholende einförmige kleine Bewegungen hervorgerufen wird. 

Bei dem „Golferarm“ schmerzt die Innenseite des Ellenbogens, wo die betroffene Sehne des Beugemuskels vom Handgelenk ansetzt. Ist die Sehne, welche für die Streckung des Handgelenkes zuständig ist, entzündet, handelt es sich um einen sogenannten „Tennisellenbogen“. Der Schmerz ist dann hauptsächlich an der Außenseite des Ellenbogens zu spüren. Allerdings kann es an diesen Stellen auch aus anderen Gründen zur Entzündung kommen. So betrifft der Tennisarm in vielen Fällen auch Personen, die noch nie in ihrem Leben Tennis gespielt haben.

Auch bei diesen Erkrankungen wird in der Regel zunächst konservativ behandelt, was auch häufig zum Erfolg führt. Zu den üblichen Maßnahmen zählen beispielsweise Entlastung, teilweise auch mithilfe spezieller Schienen, Kühlung, Elektrotherapie, Physiotherapie und die Gabe entzündungshemmender Medikamente. Operativ kann der entzündeten Sehne Platz verschafft werden. Je nachdem, um welche Sehne es sich handelt, werden dafür verschiedene Verfahren angewendet. Beispielsweise kann der Sehnenkanal gespaltet oder Sehnenansätze durchtrennt werden. Auch Sehnenverlängerungen sind möglich. Häufig müssen Nerven in dem erkrankten Bereich mitbehandelt werden. 

von Stefanie Zerres aus ORTHOpress 4/18

 

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