Die Diagnose der Osteoporose

Dr. rer. nat. Fauzia Sadat-Hekmat

Wie bei vielen Krankheiten ist auch bei Osteoporose eine frühzeitige Erkennung sehr wichtig, um die Auswirkungen der Erkrankung möglichst gering zu halten. Eine Osteoporose kann um so erfolgreicher therapiert werden, je früher die Behandlung begonnen wird. Aus diesem Grund sollten Menschen, bei denen ein besonderes Risiko für Osteoporose besteht, auf frühe Symptome achten. Dumpfe Rückenschmerzen sind oft das erste Warnzeichen, weil sich der Verlust der Knochendichte an den Wirbelkörpern besonders deutlich auswirkt. Noch immer werden heute Menschen mit dumpfen Rückenschmerzen zu selten auf Osteoporose hin untersucht. Erschwerend kommt hinzu, dass bei einer langsam verlaufenden Abnahme der Knochendichte selten deutliche Schmerzen auftreten. Deshalb gehen die Betroffenen nicht oder erst sehr spät zum Arzt. Erst wenn sie einen Knochenbruch erleiden, wird ihre Erkrankung erkannt.

Am Anfang stehen viele Fragen

Es gibt heute verschiedene Möglichkeiten, eine Osteoporose zu diagnostizieren. Die meisten Osteoporosepatienten kommen wegen Rückenschmerzen oder Knochenbrüchen zum Arzt. Es ist wichtig, dass durch eine gründliche Befragung die Vorgeschichte und die Beschwerden der Patienten genau herausgefunden werden. So können schon im Vorfeld Verdachtsmomente der Osteoporose erfragt werden. Ebenso sollten die vielfältigen Erkrankungen, die eine Osteoporose begünstigen, bei der Aufnahme der Anamnese mit berücksichtigt werden. Die Fragen bzw. die Antworten können wegweisende Anhaltspunkte auf die Diagnose geben.

An die Anamnese schließt die körperliche Untersuchung an. Es sollten die allgemeine Beweglichkeit, die Gesamthaltung sowie der Muskelmantel geprüft werden. Es ist wichtig, die aktuelle Körpergröße und den Abstand zwischen Becken und Rippenbogen des Patienten zu messen. Notwendig ist auch die Testung der Nervenfunktion. Außerdem ist es bei einem Verdacht auf Osteoporose empfehlenswert, die Sehschärfe der Augen zu überprüfen. Eine nicht korrigierte Fehlsichtigkeit ist nämlich häufig der Grund für Stürze im Alter. Die Folgen: Oberschenkelhalsbrüche, die in höherem Alter leicht lebensbedrohend sein können.

Ohne Laborwerte keine Diagnose

Mit der Bestimmung von Laborwerten aus dem Blut sollen unter anderem auch Krankheiten, die zu einer Osteoporose führen können, erkannt werden. So werden Blutbestandteile, das Verdauungssystem und die Nierentätigkeit überprüft. Bei Verdacht auf Osteoporose wird die Bestimmung folgender Laborparameter empfohlen: Blutbild, BSG (Blutsenkungsgeschwindigkeit), Kalzium, Kreatinin, Phosphat, alkalische Phosphatase, Vitamin D-Metaboliten, Elektrophorose zur Feststellung der Immuntätigkeit, Leberwerte, Bestimmung von Parat-, Schilddrüsen- und Geschlechtshormonen. Wichtig sind auch die Bestimmung der Eiweißausscheidung und der Kalziumausscheidung im Urin, besser aber im 24-Stunden–Sammelurin.

Apparatemedizin sinnvoll eingesetzt

Mit einer Röntgenaufnahme wird eine Osteoporose nur dann erkannt, wenn die Knochendichte bereits um 30-40 Prozent vermindert ist oder sogar schon Brüche aufgetreten sind. Daher ist mit dieser Methode eine Früherkennung der Osteoporose nicht möglich. Röntgenuntersuchungen können aber bei Verdacht auf eine Osteoporose Zusatzinformationen liefern. Dabei sollte vor allem auf Deformationen insbesondere im Bereich der Brust- und der Lendenwirbel geachtet werden. Diese können z.B. durch Deckplatteneinbrüche die Form von so genannten Keil- oder Fischwirbeln annehmen. Das Röntgenbild kann aber auch einen Rahmenwirbel anzeigen, bei dem die äußeren Konturen des Wirbelkörpers stärker hervorgehoben sind, weil die inneren Anteile kräftig an Knochenmasse verloren haben. Eine auf dem Röntgenbild erkennbare Fraktur sollte stets als Alarmzeichen für Osteoporose betrachtet werden. 

Das wichtigste Kriterium: Knochendichtemessung

Die Knochendichtemessung (Osteodensitometrie) ist die diagnostische Methode bei Osteoporose. Bei diesem Verfahren wird der Knochenmineralgehalt bestimmt. Röntgenstrahlen durchdringen den Knochen und werden dabei abgeschwächt. Je dichter der Knochen, d.h. je größer die Knochenmasse ist, um so stärker ist die Abschwächung der Strahlung. Diese kann gemessen und mit Hilfe von Computern ausgewertet werden. Die gängigen Messmethoden der Osteodensitometrie bestimmen die Abweichung des Messwertes von der mittleren Knochendichte gesunder, junger Menschen (T-Wert). Der T-Wert drückt aus, wie sehr die gemessene Knochendichte vom Ideal-Wert des jungen Menschen abweicht. Nach dem Ausmaß dieser Abweichung vom Standard bestimmt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Schweregrad der Osteoporose. Eine therapiebedürftige Osteoporose liegt dann vor, wenn die Knochenmasse ungefähr 20 bis 35 Prozent unterhalb des Normwertes liegt (mehr als 2,5 Standardabweichungen [SD] unter der Norm). Sind bereits Knochenbrüche aufgetreten, spricht man von einer manifesten Osteoporose. Dichtewerte zwischen 1,0 bis 2,5 SD unterhalb der Norm (-1 bis –2,5 SD) werden als Osteopenie bezeichnet. Osteopenie bedeutet: geringe Knochenmasse, aber noch ohne klinische Erkennbarkeit. Diese Menschen sind nicht krank, sollten aber einem weiteren Knochenschwund vorbeugen. 

Die Knochendichte sollte unbedingt bestimmt werden, wenn entsprechende Beschwerden oder spezielle Risiken vorliegen, wie z.B. familiäre Belastung, spätes Einsetzen der Regel, frühe Menopause, Entfernung der Eierstöcke, unzureichende Kalzium- oder Vitamin D-Zufuhr, Langzeitbehandlung mit Cortison, körperliche Inaktivität und Untergewicht. Gemessen wird die Knochendichte üblicherweise im Bereich des Unterarmes, der Wirbelsäule und des Oberschenkelhalses, weil dies die wichtigsten Regionen sind, in denen im Falle einer Osteoporose Knochenbrüche drohen. Die Strahlenbelastung des Verfahrens ist sehr gering und gesundheitliche Auswirkungen sind daher nicht zu befürchten. Leider wird die Knochendichtemessung bei Osteoporose von den gesetzlichen Krankenkassen erst dann bezahlt, wenn schon mindestens ein Knochenbruch aufgetreten ist. 

Ergänzende Verfahren: Computertomographie und Ultraschall

Die Computertomographie (CT) ist eine weitere Möglichkeit, eine Osteoporose zu diagnostizieren. Sie kann der Knochendichtemessung vergleichbare Ergebnisse liefern, allerdings verbunden mit einer etwas höheren Strahlenbelastung für die Patienten. Daher ist sie für häufige Kontrollmessungen nicht so gut geeignet. Die Computertomographie erstellt ein Bild der aufgenommenen Körperschicht, indem es viele verschiedene Projektionen derselben Körperschicht mit Hilfe eines Computer zu einem einheitlichen Bild verarbeitet. Mit ihrer Hilfe können insbesondere Nachweise über diffuse Veränderungen in der Körperstruktur und andere Gewebsveränderungen erbracht werden. Sie dient in der Regel als Ergänzung anderer Untersuchungsmethoden wie z.B. der Röntgen- und der Ultraschalldiagnostik. 

Ein in letzter Zeit vermehrt eingesetztes Verfahren ist die Ultraschallmessung (Sonographie). Sie wird ausschließlich an peripheren Skelettstrukturen – also vor allem an den Fingern und an der Ferse – durchgeführt. Das Verfahren ist aber zur Zeit noch nicht ausreichend genug klinisch abgesichert, so dass es als einzige Methode zur Diagnose nicht ausreicht. Es wird aber in vielen Praxen zunehmend als Suchtest angeboten.

Abklärung in seltenen Fällen

Leiden sehr junge Menschen schon an einer Osteoporose oder stehen andere schwerwiegende Differenzialdiagnosen im Raum, wie z.B. der Verdacht auf bösartige Tumore, kann unter Umständen auch eine Knochenbiopsie, also die Entnahme einer Gewebeprobe, erforderlich werden. Sie erfolgt bei der Osteoporose am Beckenkamm oder im unteren Wirbelsäulenbereich. Durch die Knochenbiopsie kann festgestellt werden, ob der Patient einen Knochenstoffwechsel hat, bei dem Knochenauf- und -abbau eher langsam oder eher schnell ablaufen. Das ist für die Vorhersage des Frakturrisikos und für vorbeugende Maßnahmen sehr wichtig. 

Erst, wenn eine eindeutige Diagnose gestellt wurde, kann eine gezielte Behandlung erfolgen. Durch eine entsprechende Therapie ist es möglich, den Knochenabbau zu bremsen und vor allem die gefürchteten, gefährlichen Knochenbrüche zu vermeiden. 

 

aus ORTHOpress 2 | 2002

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