Bandverletzungen – Schulter, Knie, Sprunggelenk

VonKlaus Bingler

Bandverletzungen – Schulter, Knie, Sprunggelenk

Starke Bindegewebsstränge verbinden an den Gelenken einzelne Knochen miteinander. Diese Bänder stützen und verhindern, dass zu viel Bewegungsspielraum die Gelenkpartner aufeinanderstoßen und einander schaden lässt. Verletzungen der Bänder werden heute überwiegend konservativ behandelt, in schwereren Fällen auch operativ. Nach jeder therapeutischen Maßnahme kommt der Rehabilitationszeit eine wichtige Rolle zu, um die Gelenkfunktionalität wiederherzustellen und Instabilitäten mit entsprechenden Folgeschäden zu vermeiden.

Dabei verschwimmen häufig die Grenzen zwischen Therapie- und Rehabilitationsmaßnahmen, wenn rein konservativ behandelt wird. Strategien wie Muskelstärkung und Verbesserung sensomotorischer Fähigkeiten können sowohl nach einer Operation erfolgen, als auch gleich im Rahmen der konservativen Behandlung. Unbehandelt und ohne entsprechende Rehamaßnahmen kann es durch die Instabilität des Gelenks zu Fehlstellungen kommen, wie z. B. einem Knickfuß, wenn Bänder des Sprunggelenks geschädigt waren, oder später sogar zu einer Arthrose.

Abzugrenzen von den verletzungsbedingten Bandschäden und den entsprechenden Folgen für die Einheiten, die sie eigentlich stützen sollen, sind hormonell oder degenerativ bedingte Beeinträchtigungen der Bänder: So lockern sich bei einer Schwangerschaft – ausgelöst durch bestimmte hormonelle Botenstoffe – die Bänder am Becken. Reguliert sich die Lockerung danach nicht wieder, kann es z. B. zu Problemen im Bereich des Iliosakralgelenks kommen. Eine genetisch bedingte Kapselbandschwäche kann eine instabile Schulter begünstigen, und angeborene lockere Bänder im Rückenbereich können für ein Wirbelgleiten (mit)verantwortlich sein. Das hintere Längsband sowie das
sogenannte gelbe Band der Wirbelsäule können eine Spinalkanalstenose verursachen, wenn sie auslockern.

Zerrung, Dehnung oder gar ein Riss?

Zunächst einmal muss unterschieden werden, um welche Art der Verletzung es sich handelt. In Situationen, die den Bändern eine starke Überlastung zumuten, kann es zu Bänderzerrungen, -dehnungen oder -rissen kommen. Oft sind diese meist unfallbedingten Schäden zunächst schwer zu unterscheiden, die Übergänge können fließend sein. Symptomatisch kommt es bei Verletzungen der Bänder häufig zu starken Schmerzen, Hämatombildung und Schwellungen. Es ist ratsam, sofort die sogenannte PECH-Regel anzuwenden:

• Pausieren des eben noch durchgeführten Bewegungsablaufs,
• Eis (nie direkt auf der Haut anwenden) oder z. B. kalte Umschläge zur Kühlung nutzen,
• Kompression (das C in PECH geht auf das englische „compression“ zurück) und
• Hochlagern.

Am meisten Stabilität geht dem Gelenk verloren, wenn das Band komplett gerissen ist. (Es spielt aber auch immer eine große Rolle, um welches Band es sich handelt und ob andere Bänder den Verlust kompensieren können.) Bei einer Zerrung oder Dehnung hingegen bleibt das Gelenk relativ stabil. Auch wenn das Band nur an- und nicht völlig durch- oder vom Knochen abgerissen ist, wird das Gelenk meist noch ausreichend gestützt. Im Prinzip können alle Gelenke betroffen sein; an Sprunggelenk, Knie und Schulter kommt es aber am häufigsten zu Bandverletzungen. Die in der Regel durch Umknicken des Fußes erfolgende Schädigung am Sprunggelenk gehört zu den häufigsten Sportverletzungen.

Vielen Bandverletzungen geht ein typisches Unfallgeschehen voraus. Die Bänder des Sprunggelenks kommen beim Umknicken zu Schaden, die Kreuzbänder im Knie bei schnellen und plötzlichen Beinrotationen wie beim Fußball oder beim direkten Aufprall mit gebeugtem Knie, z. B. wenn bei einem Autounfall die gebeugten Beine gegen das Armaturenbrett schlagen. Besonders im Profiradsport kommt es immer wieder zu Bänderrissen im Schultergelenk, wenn die Radler mit hoher Geschwindigkeit auf den Schultergürtel stürzen.

Durch Röntgen können die Bänder nur indirekt beurteilt werden. Je nach Schwere des Unfalls kann damit aber geprüft werden, ob auch Knochenbrüche vorliegen. Bildgebende Verfahren, die zur Beurteilung der Weichteile, also auch der Bänder, hinzugezogen werden können, sind die Sonografie oder die Kernspintomografie. Verschiedene Funktionstests wie der sogenannte Schubladentest zeigen bei Bandverletzungen spezifische Instabilitäten auf.

Therapie meist konservativ

Die Behandlung von Bandverletzungen erfolgt vielfach nicht-operativ. Reine Schonung, also Stilllegungen im Bewegungsapparat, versucht man heute dabei so weit es geht zu vermeiden. Ziel ist es, den Muskelabbau so gering wie möglich zu halten. Moderne Orthesen zur Stabilisierung – nicht zur kompletten Stilllegung, wie es früher bei großflächigen Gipsverbänden der Fall war – lassen zwar Bewegung zu, aber nur so viel, wie es dem Heilungsprozess nicht schadet. Neben zu starkem Muskelabbau birgt eine vollständige Ruhigstellung auch das Risiko einer Narbenverklebung oder – besonders im Schultergelenk – der Einsteifung, was später zu Funktionsbeeinträchtigungen führen kann. Operativ wird in schwereren Fällen behandelt oder wenn ein hoher Anspruch an die Leistungsfähigkeit des Gelenks, z. B. bei Sportlern, besteht. Einfach „zusammennähen“ kann man ein gerissenes Band meist nicht und es wird körpereigenes oder anderes Ersatzmaterial zur Befestigung verwendet.

Die Rehabilitationsphase

Die Physiotherapie ist der wichtigste Pfeiler sowohl in der konservativen Therapie nach Bandverletzungen, als auch bei der Rehabilitation. Eine Reha nach der Operation gestaltet sich insofern etwas anders, als die operationsspezifischen Begebenheiten wie die Wundheilung mit berücksichtig werden müssen und ggf. auch heilungsfördernde Maßnahmen wie Lymphdrainagen o. ä. hinzugezogen werden. Unter Umständen kann die Rehabilitationsphase nach der chirurgischen Versorgung eines Bänderrisses etwas länger dauern. Ansonsten werden in beiden Fällen ähnliche Maßnahmen ergriffen, um die Stabilität und die Funktionalität des Gelenks wiederherzustellen. Passive Bewegungsschienen können besonders in der Anfangszeit hilfreich sein, um gelenkschonend und geführt zu trainieren, z. B. nach einem Kreuzbandriss. Je nach Gelenk kann es in einer späteren Phase hilfreich sein, auf einer instabilen Unterlage oder mit Vibrationsplatten Übungen durchzuführen. Das stärkt auch tiefere Muskelgruppen und verbessert die Koordination. Gleichgewichtsübungen und sensomotorisches Training werden häufig auch bei Bänderverletzungen des Sprunggelenks durchgeführt. All diese Maßnahmen gelten nicht nur der Wiederherstellung eines früheren Zustands, sondern auch der Prävention vor erneuten Bänderverletzungen. Sie sind im Übrigen auch bei angeboren schwachen Bändern (Bandlaxität) empfehlenswert, um die Instabilität des Gelenks durch ein starkes Muskelkorsett zu kompensieren. In manchen Fällen kann es als stabilisierende Vorbeugung auch sinnvoll sein, beim Sport eine Bandage um das betroffene Gelenk zu tragen.

 

Oberes Sprunggelenk


Mehrere Bänder stabilisieren das obere Sprunggelenk, das sich aus dem Ende des Unterschenkelknochens und dem Talus (Fußwurzelknochen) zusammensetzt. Betroffen von Bandverletzungen sind in den meisten Fällen durch Umknicken des Fußes die Außenbänder. Der Patient wird in der Regel eine gelenkstabilisierende Orthese tragen müssen, Drehungen des Gelenks vermeiden und entsprechende muskelstabilisierende Maßnahmen durchführen. Besonders bei Verletzungen der unteren Extremitäten kann es hilfreich sein, die Propriozeption, die Wahrnehmung der Bein- bzw. Fußstellung in diesem Fall, zu trainieren, um erneutes Umknicken zu vermeiden.

Kniegelenk

Das (komplexe) Kniegelenk wird durch seitliche Bänder und die sogenannten Kreuzbänder stabilisiert. Die sich kreuzenden Bänder sorgen für Halt und Stabilität von Ober- und Unterschenkel und sind bei Knieverletzungen am ehesten beeinträchtigt. Aufgrund seiner Lage ist es meist das vordere Kreuzband, das an- oder durchreißt. Bei einer Operation gibt es je nach Ausprägung mehrere Möglichkeiten, z. B. das Wiederannähen oder die Kreuzbandplastik. Zur Rehabilitation können auch sogenannte passive Bewegungsschienen eingesetzt werden, durch die das Gelenk und die Muskulatur geführt bewegt und gestärkt werden.

 

Schultereckgelenk

Bänderverletzungen im Schulterbereich erfolgen häufig am Schultereckgelenk durch Stürze auf dieses, z. B. beim Radsport. In dem Fall klappt das Schlüsselbein förmlich nach oben. Reichen stabilisierende und  physiotherapeutische – also konservative – Maßnahmen nicht aus, um die Funktionalität ausreichend  wiederherzustellen, können operative Verfahren eingeleitet werden. Hierbei werden verschiedene Stabilisierungsmaterialien wie Schrauben oder körpereigene Sehnenplastiken verwendet. Postoperativ sollte es eine Zeit lang vermieden werden, den betroffenen Arm über einen Winkel von 90 Grad hinaus anzuheben, bis die Heilung abgeschlossen ist. Oberes Sprunggelenk Kniegelenk Schultereckgelenk delt oder wenn ein hoher Anspruch an die Leistungsfähigkeit des Gelenks, z. B. bei Sportlern, besteht. Einfach „zusammennähen“ kann man ein gerissenes Band meist nicht und es wird körpereigenes oder anderes Ersatzmaterial zur Befestigung verwendet. Postoperativ sollte es eine Zeit lang vermieden werden, den betroffenen Arm über einen Winkel von 90 Grad hinaus anzuheben, bis die Heilung abgeschlossen ist.

von Stefanie Zerres

 

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