Gesunde Füße – schöne Füße

VonStefanie Zerres

Gesunde Füße – schöne Füße

Im Winter werden sie in dicken Socken und hohen Schuhen versteckt; erst mit den wärmenden Strahlen der Frühlingssonne kommen sie wieder langsam hervor, unsere Füße. Von ihrer Gesundheit hängt dabei einiges ab. Sie sollten daher die Pflege und auch den Raum bekommen, den sie verdienen. Wer nicht „gut zum Fuß“ ist, der ist irgendwann auch nicht mehr „gut zu Fuß“, so die Regel.

Aber was muss man tun, um seinen Füßen etwas Gutes zu tun? In jedem Fall gehören das richtige Schuhwerk und die entsprechende Fußhygiene dazu. Noch bis weit in die zweite Nachkriegsgeneration hinein waren Fußfehlstellungen wie Krallen- oder Hammerzehen weit verbreitet – Ursache war das zu lange Tragen eigentlich zu klein gewordener Schuhe und auch das Auftragen der Schuhe von Geschwistern. Gutes Schuhwerk war schon immer teuer, und mit der Größe nahm man es in den 1950er- und 1960er-Jahren deshalb oft nicht ganz so genau. Die Folgen zu kleiner Schuhe sind jedoch fatal, denn zu den unschönen Verformungen kommen Schmerzen und manchmal sogar ernsthafte Erkrankungen wie eine Gelenksarthrose hinzu.

Die häufigste Fußdeformation: Hallux valgus

Der Hallux valgus oder meist kurz „Hallux“ ist eine Abweichung der Großzehe im Grundgelenk nach außen, die meist beidseits und bei Spreizfüßen auftritt. Häufig betroffen sind Frauen, was auf das gegenüber Männern anlagebedingt schwächere Bindegewebe, aber auch auf das eingangs erwähnte jahrelange Tragen von letztlich zu kleinen, spitz zulaufenden Schuhen zurückzuführen ist. Der Hallux macht sich vor allem durch Schmerzen an den sogenannten Metatarsalköpfchen bemerkbar, wo es aufgrund des ständigen mechanischen Reizes zur Entzündung des darüber liegenden Schleimbeutels kommt. Zunächst können die von einem Hallux valgus hervorgerufenen Beschwerden durch Einlagen und weiches Schuhwerk gelindert werden, später ist jedoch manchmal eine Operation unabwendbar. Heute verfügt man über ausgereifte Operationstechniken, mit denen die Fußstatik verbessert und die eingetretenen Veränderungen am Fußskelett rückgängig gemacht werden können, sodass die ursprünglichen anatomischen Verhältnisse nach Möglichkeit wiederhergestellt werden.

Spreizfuß und Senkfuß

Viele Menschen leiden unter einem Spreizfuß, bei dem das Quergewölbe des Vorfußes zusammensinkt. Dadurch werden die Zehen fächerförmig aufgespreizt und die Belastung in die Mitte des Vorfußes auf den zweiten und dritten Mittelfußknochen verlagert. Zusätzlich zu den Schmerzen wird der Fuß breiter, sodass häufig nicht mehr jeder Schuh getragen werden kann. Der Spreizfuß tritt häufiger bei Frauen als bei Männern auf. Die Beschwerden ähneln denen des Hallux valgus (es entsteht eine schmerzhafte Last auf dem zweiten Mittelfußknochen).

Ein Senkfuß ist meist die Folge eines Spreizfußes –man spricht daher häufig auch von einem Senk/Spreizfuß. Dies rührt daher, dass ein Absinken des Quergewölbes fast zwangsläufig ebenso das Absinken des Längsgewölbes nach sich zieht. Liegt das innere Längsgewölbe schließlich auf dem Fußboden auf, so spricht man von einem „Plattfuß“. Eine ursächliche Therapie ist nicht möglich, allerdings können durch eine geschickte Einlagenversorgung und – ganz wichtig – eine Kräftigung der Fußmuskulatur (Barfußgehen!) viele Symptome aufgefangen werden. Senk- und Plattfüße korrelieren darüber hinaus vielfach auch mit Übergewicht; eine Reduktion kann hier viel zur Beschwerdefreiheit beitragen!

Bilderbuchfuß eher selten

Glücklicherweise sind nur wenige Fußfehlstellungen wirklich gravierend: Die meisten leichteren Fehlstellungen sind so häufig, dass eher der „Bilderbuchfuß“ die Ausnahme ist. Dennoch kann es nicht schaden, bei nächster Gelegenheit einmal zu überprüfen, ob man wirklich noch „gut zu Fuß“ ist: So können Folgeschäden am besten vermieden werden.

Eingriff nur bei zehn Prozent überhaupt nötig

Lediglich bei gut 10 Prozent aller Fußfehlstelungen ist streng genommen eine Operation medizinisch notwendig, um eine weitere Verschlechterung des Abrollverhaltens und Folgeschäden wie z. B. Arthrose abzuwenden oder zu minimieren. Eine operative Korrektur ist besonders dann angezeigt, wenn sich weitergehende Veränderungen ankündigen. Ein Anzeichen dafür kann z. B. die immer wiederkehrende Bildung von Hornhaut (Hyperkeratosis) sein, die oft fälschlich einfach für ein Hühnerauge gehalten wird.

Ästhetik vor Gesundheit?

Häufig sind es dennoch nicht die Schmerzen, sondern der ästhetisch unbefriedigende Zustand der Füße, der Betroffene über eine Operation nachdenken lässt. Über die OP aus rein kosmetischen Gründen sind die Chirurgen zumindest in Deutschland jedoch uneins. Während die einen sie ablehnen, führen die anderen ins Feld, dass ein solcher Eingriff zwar problematisch motiviert, aber dennoch zielführend sei. Die Wahrheit liegt vermutlich in der Mitte – ein ästhetisch ansprechend operierter Fuß wird heute in den meisten Fällen auch funktionell besser dastehen als vor dem Eingriff. Viel wichtiger ist die Frage, wie es nach der OP weitergeht. Wer sich operieren lässt, um fortan wieder jeden Tag spitz zulaufende modische Schuhe tragen zu können, wird vermutlich nicht den letzten Gang zum Fußchirurgen angetreten haben.

Entlastung für die Füße

Auch mit konservativen Methoden können Schmerzen, die durch Fehlstellungen oder Überlastungen entstehen, gelindert werden – zumindest bis zu einem gewissen Punkt. So kann z. B. bei einer starken Abweichung der Großzehe durch eine spezielle, meist nachts getragene Hallux-Schiene die Fehlstellung zumindest zeitweise verbessert werden. Die häufigsten zur Entlastung der Füße eingesetzten Hilfsmittel sind jedoch individuelle Schuhzurichtungen oder auch Einlegesohlen. Dabei unterscheidet man klassische Einlegesohlen, die die Belastung oder Form der Fußoberfläche an bestimmter Stelle verändern, von den propriozeptiven Sohlen, welche durch Druck auf bestimmte Punkte unter dem Fuß die aufsteigenden Muskelketten stimulieren und so eine bessere Haltung fördern sollen.

Grund für das Tragen von Einlagen ist meist ein schmerzhaftes Absinken des Quer- oder Längsgewölbes des Fußes, sodass dieser unter Umständen vollständig auf dem Boden aufliegt. Der Fertigung einer Einlegesohle geht meist eine Fußdruckmessung voraus, die heute oft mit einer Art Scanner vorgenommen wird. So können alle problematischen Bereiche sicher erkannt und berücksichtigt werden. Dabei wird heute selbst modischen Ansprüchen Rechnung getragen: So gibt es für den Sommer z. B. individuell geformte Flip-Flops, die sich optisch kaum von ihren herkömmlichen Pendants abheben.

Fußhygiene: besonders wichtig bei Diabetes!

Noch wichtiger als bei gesunden Menschen ist die richtige Pflege der Füße für Diabetiker: Eine der häufigsten Komplikationen bei Diabetes ist der sogenannte „Diabetische Fuß“, der besonders im Alter vielen Zuckerkranken zu schaffen macht. Fast die Hälfte aller über 70jährigen Diabetiker leidet daran. Ursache ist die durch den Diabetes ausgelöste Durchblutungsstörung, welche die Entstehung von Druckstellen und Entzündungen fördert und andererseits die Abheilung bestehender Wunden stark beeinträchtigt. Durch die gleichzeitig bestehende Nervenschädigung bleibt eine solche Wunde nicht selten unbemerkt und kann sich innerhalb kürzester Zeit auf den gesamten Fuß ausbreiten – eine Komplikation, der in Deutschland jährlich immer noch mehrere zehntausend Füße zum Opfer fallen.

Fuß- und Nagelpilz: Lästig, aber nicht aussichtslos

Auch ansonsten völlig gesunde Menschen können jedoch von einer unangenehmen Erkrankung heimgesucht werden: Die Rede ist vom Fußpilz, im angloamerikanischen Sprachraum aufgrund der Verbreitung durch Sportschuhe und Turnhallenböden als „Athletenfuß“ bezeichnet. Bis zu 75 Prozent der Bevölkerung, so schätzt man, machen irgendwann im Leben Bekanntschaft mit Fuß- oder Nagelpilz. Ohne entsprechende Gegenwehr dringen die überall lauernden Pilzsporen schnell in die feuchte und aufgeraute Haut ein und breiten sich in alle Richtungen aus. Abhilfe schaffen dann Antimykotika (als Lotion oder Creme aus der Apotheke). Dabei kann man sich mit wenigen Vorsichtsmaßnahmen gut gegen den Eindringling wappnen: Meist reicht es schon, die Schuhe täglich zu wechseln, bei der Fußwäsche die Zehenzwischenräume gut zu trocknen und in öffentlichen Duschen und Bädern immer Badeschlappen zu tragen.

von Lukas Grembermann

aus ORTHOpress 2/15

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