Hallux valgus

Wie Füße wieder in Gang gebracht werden

Die nicht-invasiven Therapieformen beim Hallux rigidus, dem schmerzhaften Großzehengrundgelenk, bzw. Hallux limitus, dem bewegungseingeschränkten Großzehengrundgelenk

Erkrankungen an den Füßen bzw. an den Zehengelenken nehmen immer mehr zu – auch bereits in jungen Jahren. So komplex das Gebilde Fuß, das komplizierte Zusammenspiel seiner zahlreichen Strukturen, des Fußskeletts, seiner gelenkigen Verbindungen, der Mus­keln und Sehnen, ist, so vielfältig sind auch die möglichen Störungen. Denn kommt es in diesem „Gesamtkunstwerk“ zu Beeinträchtigungen der normalen Fußfunktion, die durch Quer- und Längsgewölbe und die annähernd parallele Anordnung der Zehen bzw. Mittelfußknochen, der sog. Strahlen, geprägt ist, so werden – zumindest langfristig – auch die anderen Komponenten und damit die Funktion des gesamten Fußes in Mitleidenschaft gezogen. Als statisch-dynamisches Fundament nicht nur einer aufrechten Körperhaltung, sondern auch des aufrechten Gangs des Menschen ist die gesunde Fußform verantwortlich für einen natürlichen Bewegungsablauf. Vor allem dem großen Zeh kommt hier eine große Bedeutung in seiner „Vorreiterstellung“ zu. Er nämlich treibt den Gang nach vorne.

Nicht zuletzt deshalb gehört das schmerzhafte Großzehengrundgelenk nach Überzeugung des Berliner Orthopäden Dr. Jürgen Wied möglichst frühzeitig in Behandlung. Bei den meisten Patienten, die in Wieds Schöneberger Praxis vorstellig werden, handelt es sich um Vorfußprobleme. Dr. Wied: „Die zunehmenden Erfahrungen und Kenntnisse auf dem Gebiet der Fußchirurgie haben Fußspezialisten stets nach neuen und immer patientenschonenderen Behandlungsoptionen für diese verbreiteten Erkrankungen suchen lassen. Seit einigen Jahren kennt man hier spezielle  fußchirurgische Eingriffe nach modernsten Operationsmethoden, die sich in Deutschland aber erst allmählich durchzusetzen beginnen.“ Bei diesen aus den USA stammenden Verfahren handelt es sich um gelenkerhaltende Maßnahmen: Dabei werden die natürlichen Verhältnisse im Fuß umfassend rekonstruiert, ohne dass Gelenke und damit die Funktion aufgeopfert werden müssen, um die heftigen Schmerzen abzustellen. Trotz der beachtlichen Erfolge, die mittels dieser OP-Methoden erreicht werden können, stellen sie, so Dr. Wied, natürlich immer noch die „ultima Ratio“ im Behandlungsspektrum dar. Für einen solchen Eingriff kommen etwa 10–20% der Patienten in Frage. Die Mehrzahl also lässt sich – vorausgesetzt, die Behandlung setzt rechtzeitig ein – durch entsprechende konservative bzw. physikalische Maßnahmen therapieren. Angesichts der komplexen Verhältnisse im Fuß ist dazu allerdings eine umfassende Behandlungsstrategie erforderlich, bei welcher sowohl die zentralen Grundlagen der modernen Schmerztherapie als auch die spezifischen funktionellen Zusammenhänge im Fuß Berücksichtigung finden – damit sich die Patienten nicht bereits bei der Suche nach einer geeigneten Therapie die Füße wundlaufen. 

Um beim schmerzhaften Großzehengrundgelenk, dem Hallux rigidus, die für den jeweiligen Patienten Erfolg versprechende therapeutische Maßnahme bzw. eine spezifische Methoden-Kombination aus dem Gesamtkonzept einleiten zu können, sei, so Dr. Wied, eine fundierte Diagnose unerlässlich. Die Gründe für den Hallux rigidus nämlich sind äußerst zahlreich, und je nach Ursache ist eine gezielte Behandlungsstrategie und nicht allein eine nur symptomorientierte Schmerztherapie erforderlich.

Neben sog. idiopathischen Formen des Hallux rigidus, bei welchen der Grund nicht eindeutig bestimmbar ist, kann das schmerzhafte Großzehengrundgelenk posttraumatisch, also unfallbedingt auftreten, durch eine Stoffwechselerkrankung, wie etwa Gicht, verursacht bzw. begünstigt oder Folge eines „Over­use“, einer Überbeanspruchung z.B. beim Ballett, wiederholter Mikrotraumen (z.B. beim Fußfall) oder auch neurologischer Erkrankungen (Spastiken) sein.

Zur exakten und differenzierten Befunderhebung ist eine gründliche manuelle Untersuchung erforderlich. Als apparative Voruntersuchungen kommen Röntgen, ggf. Ultraschall (vor allem bei Verdacht auf Gelenkzys­ten) sowie MRT zum Einsatz. Auch kann man sich hier, so Dr. Wied , einer speziellen Ganganalyse mittels der sog. Elektronischen Pedobarografie bedienen, die alles andere als „gang und gäbe“ ist. Sie nämlich erlaubt es, die tatsächlichen Belas­tungsverhältnisse an der Fußsohle durch hunderte objektive Messdaten zu bestimmen.

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Auf dieser Basis baut eine umfangreiche Therapiepalette auf, die den Patienten sozusagen zu Füßen gelegt wird. Der Schwerpunkt liegt hier ganz überwiegend bei der konservativen Therapie; Gichtpatienten etwa werden entsprechende Medikamente zur Senkung der erhöhten Harnsäure im Blut verabreicht. Bei der Injektionstherapie werden – je nach Befund – Hyaluronsäure und Knorpelprotektiva, in seltenen Fällen Kortison ins betroffene Gelenk injiziert. Die Hyaluronsäure, sozusagen eine „Flüssigprothese“ fürs Gelenk, ist eine neuartige biomechanische Substanz, die im (gesunden) Gelenk bzw. der Gelenkschmiere selbst vorkommt und in der Arthrosetherapie des Knies etwa hinsichtlich Schmerzreduktion und Mobilisierung bereits sehr gute Resultate für sich verbuchen kann. Im Rahmen der physikalischen Therapiemaßnahmen kommen, so Dr. Wied, neben orthopädischen „Klassikern“ wie etwa entsprechenden Schuhzurichtungen (z.B. Sohlenver­steifung, Abrollhilfe) und Kältebehandlung auch der Laser sowie die pulsierende Signaltherapie (PST) zum Einsatz, die in der modernen Schmerztherapie wegen ihrer Erfolge immer mehr Beachtung finden. Welche Maßnahme nun in welchem Fall tatsächlich hilft, bleibt in die Entscheidung des Spezialisten gestellt. Für den Patienten jedenfalls steht im Vordergrund: Die Erleichterung folgt auf den Fuß …

Dank der Fortschritte in der Medizin ist die moderne Lasertherapie in der Hand des geübten Therapeuten eine hervorragende Möglichkeit zur gewebeschonenden und punktgenauen Schmerzbekämpfung. Auch der pulsierenden Signaltherapie (PST) kommt hier eine zunehmende Bedeutung zu. Unerwünschte Nebenwirkungen des den Zellstoffwechsel auf verschiedenen Ebenen aktivierenden Verfahrens sind trotz eingehender Studien noch keine bekannt.

von Manon Leistner

Ein Archivbeitrag* aus ORTHOpress 3 | 2000
*Archivbeiträge spiegeln den Stand zur Zeit der Erstveröffentlichung wieder. Die aktuelle Einschätzung des Sachverhalts kann durch Erfahrungszuwachs, allgemeinen Fortschritt und zwischenzeitlich gewonnene Erkenntnisse abweichen.

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