Wunschtraum vieler Menschen: Nie im Leben herausnehmbaren Zahnersatz benötigen

Moderne Zahnimplantologie macht es möglich

Für viele Menschen – besonders jüngere – ist der Gedanke, einmal auf ein klapperndes Gebiss angewiesen zu sein, ein Alptraum. Schlecht sitzende Zahnprothesen sind das Sinnbild für Alter und Einschränkung der Lebensqualität. Auch die meisten Menschen, die schon Prothesen tragen, würden lieber heute als morgen ihren Zustand ändern. Der Jungbrunnen wurde zwar noch nicht gefunden, aber Dank moderner Verfahren der Zahnchirurgie können fehlende Zähne oder ganze Gebisse jetzt fest im Kiefer verankert werden, so dass herausnehmbare Prothesen der Vergangenheit angehören könnten. Diese sogenannten Zahnimplantate sind in Ästhetik und Funktion nicht von echten Zähnen zu unterscheiden. 

Dr. Martin Schneider, Kölner Zahnarzt und Oralchirurg erklärt, wie das funktionieren kann: „Bei Implantaten wird nicht nur der sichtbare Anteil der Zähne ersetzt, sondern es wird auch sozusagen eine neue Wurzel im Kiefer verankert. Dies hat gegenüber den Prothesen, die der Schleimhaut und dem Knochen flächig aufliegen, entscheidende Vorteile. Zum einen bleibt die physiologische Belastung des Kiefers erhalten, weil die Kräfte beim Kauen genau wie bei eigenen Zähnen auf den Kieferknochen übertragen werden. Dadurch kommt es nicht zum Abbau im knöchernen Bereich. Implantatträger können demzufolge auch alles essen, selbst herzhafte Bisse in Schwarzbrot oder Äpfel sind problemlos möglich. Auch Sprechen, Lachen oder Küssen unterliegen keinerlei Beschränkungen. Zum anderen bleiben auch die Nachbarzähne vollständig erhalten, brauchen nicht beigeschliffen zu werden und werden auch nicht als Stützen für Teilprothesen missbraucht. Selbstverständlich müssen Zahnimplantate genau wie natürliche Zähne perfekt gepflegt und mindestens alle sechs Monate untersucht werden.“ 

Einsatz in zwei Schritten

Nicht nur einzelne Zähne können mit Implantaten ersetzt werden. Auch komplette Gebisse – sowohl im Unter- wie im Oberkiefer – können mit Implantaten aufgebaut werden. Dafür werden im Unterkiefer mindestens vier und im Oberkiefer mindestens sechs Implantate benötigt. Manchmal – wenn optimale Bedingungen vorliegen – können mit einem besonderen System sofort belastbare Dauerimplantate in den Unterkiefer eingepflanzt werden. Dies ist aber auf Einzelfälle beschränkt. Normalerweise verläuft der Einsatz in zwei Schritten. In einer ersten Operation wird die „Zahnwurzel“ aus Titan in den Knochen eingeschraubt. Sie muss einheilen und praktisch völlig in den Knochen integriert werden. Bei dem zweiten, kleineren Eingriff wird die Schleimhaut über dem Implantat mit einem kleinen Schnitt wieder eröffnet und der zahntragende Stift in die nun fest in den Knochen eingewachsene Titanwurzel eingesetzt. Während die erste Operation zwischen einer halben und sechs Stunden dauert, kann der zweite Eingriff in örtlicher Betäubung stattfinden. 

Das Problem bei dieser Methode liegt darin, dass die Implantate bei ihrer Einheilung in den Knochen keinerlei Belastungen ausgesetzt sein dürfen und in dieser Zeit auch keine Prothesen getragen werden können. Je konsequenter die Ruhigstellung gelingt, desto besser heilt das Implantat ein. Die Folge: Bis zur vollständigen Einheilung dürfen die Patienten nur flüssige Nahrung zu sich nehmen. Es ist klar, dass nur wenige Menschen dies auf sich nehmen können und wollen. Eine solche Leidenszeit seiner Patienten ist auch für Dr. Schneider nicht akzeptabel gewesen. Sie muss es auch künftig nicht mehr geben. 

Übergangslösungen schaffen Lebensqualität

Dr. Schneider hat in seiner Praxis den optimalen Kompromiss zwischen belastungsfreier Einheilphase für das Implantat und erhaltener Lebensqualität für seine Patienten gefunden. Die Lösung sind Hilfsimplantate, die sehr viel feiner und graziler als die Dauerimplantate sind. Sie werden gleichzeitig mit den Dauerimplantaten eingesetzt und können direkt belastet werden, das heißt, auf ihnen werden sofort festsitzende Zähne oder Prothesen befestigt. Die Patienten gehen also nach der Operation mit einem kompletten, funktionierenden Gebiss nach Hause. Die Implantate können nun in Ruhe einheilen und der Patient kann sein normales Leben weiter führen. Nach drei bzw. sechs Monaten, wenn die Endversorgung erfolgt, entfernt Dr. Schneider die Hilfsimplantate wieder. Zur Zeit gibt es leider erst wenige Praxen, in denen Patienten diese Möglichkeit angeboten wird. 

Implantate auch für Problempatienten geeignet

„Zu Beginn wird natürlich zunächst ein aufklärendes Gespräch geführt und festgelegt, welche Voruntersuchungen erforderlich sind“, erläutert Dr. Schneider die Vorgehensweise. Neben der Erhebung des Zahnstatus legt er großen Wert auf die Untersuchung des Allgemeinzustandes. Dies umfasst immer auch die Abklärung eventueller internistischer Vorerkrankungen. Bei Patienten mit Diabetes nimmt Dr. Schneider Kontakt mit dem Hausarzt auf, um festzustellen, wie die Einstellung der Zuckerkrankheit ist, denn schlecht eingestellte Diabetiker haben eine verzögerte oder gar gestörte Wundheilung. Deswegen sollten vor und nach einer Zahnimplantation die Blutzuckerwerte möglichst im Normbereich liegen. Wenn das der Fall ist, können auch Diabetiker unbedenklich mit Implantaten versorgt werden. Sie sind sogar eine Gruppe, die besonders von dieser Methode profitiert. Denn Diabetiker haben ein erhöhtes Parodontoserisiko und verlieren die eigenen Zähne oft schon in jungen Jahren. 

Allgemein kann man sagen, dass es nur ganz wenige Ausschlussgründe bei der Versorgung mit Implantaten gibt. Dazu zählt eine hochdosierte Cortisoneinnahme. Unter dieser Therapie kann die Wundheilung so verzögert sein, dass operative Eingriffe erst nach Abschluss der Behandlung erfolgen sollten. Auch Patienten unter Chemotherapie oder Tumorbestrahlungen im Kieferbereich sollten eine vorgesehene Implantateinsetzung erst einige Zeit nach Abschluss der Behandlung durchführen lassen. Dann sind Implantationen jedoch bedenkenlos möglich. 

Patienten, die Mittel zur Gerinnungshemmung oder Blutverdünnung, wie z.B. Marcumar oder ASS nehmen, sind vor operativen Eingriffen oft verunsichert. Auch bei ihnen können Implantate – nach entsprechender Vorbereitung – meist problemlos eingesetzt werden, stellt Dr. Schneider klar. Voraussetzung sei allerdings eine enge Zusammenarbeit mit dem betreuenden Hausarzt. 

Implantate, eine Investition fürs Leben

Bei Osteoporose haben Zahnimplantate wesentliche Vorteile gegenüber einer Versorgung mit Prothesen. Der Verlust an Knochenmasse ist ja umso geringer, je natürlicher ein Knochen belastet wird. Implantate übertragen den Kaudruck wie eigene Zähne auf den Knochen und können so dem weiteren Knochenverlust vorbeugen. Studien haben ergeben, dass auch bei bestehender Osteoporose Implantate fest im Knochen verwachsen und über viele Jahre stabil bleiben. Langfristige Lösungen zu schaffen, ist sowieso ein Hauptanliegen von Dr. Schneider. Die Implantation z.B. eines einzelnen Zahnes bei einem jungen Menschen erfolgt so, dass gegebenenfalls später Ergänzungen problemlos möglich sind. „Bei meinen Planungen frage ich mich immer, wie das wohl in 10 oder 15 Jahren aussehen wird,“ sagt er. Damit diese High-Tech-Medizin erfolgreich angewendet werden kann, müssen neben einer soliden Ausbildung, eine jahrelange Spezialisierung und die ausgezeichnete Kooperation mit dem Zahntechniker zusammenkommen. 

Ein so hoher Standard hat natürlich auch seinen Preis. Setzt man je Implantat inklusive der Krone einen Betrag von 5000 DM an, so ergeben sich unter Umständen schon beträchtliche Summen. Sie können aber praktisch auf die gesamte restliche Lebenszeit umgelegt werden und relativieren sich dadurch doch erheblich. Trotz der vielen Vorzüge dieses Verfahrens, werden die Kosten dennoch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Die Privatkassen übernehmen aber die Kosten entsprechend dem Versicherungsstatus der Patienten.

 

ORTHOpress 4 | 2001

Alle Beiträge dienen lediglich der Information und ersetzen keinesfalls die Inanspruchnahme eines Arztes*in. Falls nicht anders angegeben, spiegeln sie den Stand zur Zeit der Erstveröffentlichung wider. Die aktuelle Einschätzung des Sachverhalts kann durch Erfahrungszuwachs, allgemeinen Fortschritt und zwischenzeitlich gewonnene Erkenntnisse abweichen. 

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