Spinalstenose beim älteren Menschen

VonStefanie Zerres

Spinalstenose beim älteren Menschen

Schmerzen in den Beinen, Gangunsicherheit und Schwächegefühle im Alter werden meist mit einem allgemein schlechter werdenden Gesundheitszustand oder einfach nachlassender Muskelkraft in Verbindung gebracht. Dabei wird eine der nahe liegendsten Ursachen oft außer Acht gelassen: Die Spinalkanalstenose. Man schätzt, dass rund 7 bis10 Prozent aller Menschen im höheren Lebensalter darunter leiden.

Degenerative Veränderungen der Wirbelsäule gehören zu den häufigsten Alterserscheinungen überhaupt. Aber nicht immer sind es die Bandscheiben – auch knöcherne Veränderungen können starke Beschwerden auslösen, z. B. dann, wenn sie Nerven einengen und so Gefühlsstörungen, Schmerzen oder gar Lähmungserscheinungen auslösen. Besonders an der stark belasteten Lendenwirbelsäule kommt es mit dem Verschleiß zu Engstellen. Dabei ist das klassische Symptom die sogenannte Schaufensterkrankheit: Betroffene können nur eine immer geringer werdende Gehstrecke zurücklegen, bevor sie aufgrund starker Schmerzen eine Zwangspause einlegen müssen. Die Beschwerden sind damit ganz ähnlich wie bei starken Durchblutungsstörungen (im Volksmund „Raucherbein“ genannt). Nicht immer tritt eine Spinalkanalstenose jedoch an der Lendenwirbelsäule auf – auch Brust- oder Halswirbelsäule können betroffen sein. Die Bedrängung der Nerven äußert sich dann ganz anders. Das Beschwerdebild ist bei Engstellen an den weiter oben gelegenen Abschnitten der Wirbelsäule eher das einer Myelopathie: Bewegungen werden fahriger und unsicherer und es können Missempfindungen wie ein Kältegefühl, Taubheit oder Sensibilitätsstörungen an Beinen und Rumpf auftreten. Ist die Halswirbelsäule betroffen, so kann es zu den besagten Missempfindungen auch an Armen und Händen kommen, einhergehend mit dem Verlust von Kraft und Feinmotorik. Treten die Symptome zunächst nur sporadisch auf, so bleiben sie bei weiterem Fortschreiten der Erkrankung meist dauerhaft bestehen.

Die Beschwerden kommen schleichend

Anders als bei einem Bandscheibenvorfall, der durch eine plötzliche Bedrängung der Nerven die Schmerzen „von jetzt auf gleich“ auslöst, entwickeln sich bei einer Spinalkanalstenose die Beschwerden meist über einen langen Zeitraum – in der Regel geben Betroffene daher an, schon sehr lange darunter zu leiden und können sich kaum daran erinnern, wann es eigentlich angefangen hat. Dabei können auch andere Erkrankungen die Beschwerden einer Spinalkanalstenose auslösen, weshalb eine Differenzialdiagnose sehr wichtig ist. Ein deutliches Indiz für das Vorliegen einer Spinalkanalstenose ist jedoch, wenn sich die Beschwerden des Patienten beim Vornüberbeugen oder Hinsetzen deutlich bessern. Dies liegt daran, dass beim Neigen der Wirbelsäule nach vorn der für die Nerven zur Verfügung stehende Raum größer wird, sodass der unangenehme Druck darauf abnimmt. Gleichermaßen können die Beschwerden durch eine Überstreckung der Wirbelsäule nach hinten provoziert werden.

Wichtig ist der neurologische Befund

Neurologisch lässt sich eine Spinalkanalstenose heute gut nachweisen, etwa durch eine Messung der Nervenleitgeschwindigkeit. Ist die Stenose bereits so weit fortgeschritten, dass Messungen Ausfälle zeigen, so sollte unbedingt eine weitere Diagnostik mit bildgebenden Verfahren erfolgen. Zunächst kommen hier eine Kernspintomografie (MRT) oder auch eine Röntgenfunktionsaufnahme zum Einsatz. In schwierig zu beurteilenden Fällen oder vor einem operativen Eingriff kann auch ein CT durchgeführt werden. Nur selten ist eine Funktionsmyelografie notwendig, eine CT-Untersuchung mit Kontrastmittel, bei welcher Aufnahmen der Wirbelsäule in mehreren Beugestellungen angefertigt werden. 

Konservativ oder operativ? 

Wie bei vielen orthopädischen Erkrankungen wird man erst einmal mit einer konservativen Behandlung versuchen, das Beschwerdebild zu verbessern. Dazu gehört auch der konsequente Muskelaufbau, insbesondere der sogenannten tiefen Rückenmuskulatur. Häufig ist es nämlich die Instabilität der Wirbelsäule, welche immer wieder zu Einklemmungen der Nerven führt. Gelingt es, das Muskelkorsett ausreichend zu kräftigen, so können die Schmerzen oft stark gelindert werden. In Kombination mit einer maßvollen Schmerzmittelgabe kann dies als Behandlung durchaus ausreichend sein. Jedoch sprechen nicht alle Formen der Spinalkanalstenose darauf an. Besonders bei Stenosen der Brust- und Halswirbelsäule, bei denen der Untergang des Rückenmarks droht, kommen Patienten häufig nicht um eine operative Dekompression herum – die Nervenwurzeln der Lendenwirbelsäule können sich dagegen eher erholen. Der druckentlastende Eingriff selbst ist dabei nicht mehr so schwierig und komplikationsbehaftet wie früher: Heute stehen eine Reihe mikrochirurgischer und endoskopischer Techniken zur Verfügung, mit denen der Spinalkanal geweitet und knöcherne Anbauten abgetragen werden können. Nur wenn zusätzlich noch eine starke Instabilität hinzukommt, müssen unter Umständen Wirbel untereinander versteift werden, um die schmerzhafte Beweglichkeit zu unterbinden. In fast jedem Stadium gibt es heute aber Möglichkeiten, den Patienten die Schmerzen zu nehmen und ihre Lebensqualität zurückzugewinnen.

von Arne Wondracek aus ORTHOpress 4/15

Fragen und Antworten

Wie kommt es zu einer Spinalkanalstenose?

Es kann angeboren zu Verengungen des Spinalkanals kommen aber auch aufgrund von degenerativen Veränderungen an der Wirbelsäule.

Welche Beschwerden macht eine Spinalkanalstenose?

Durch eine Spinalkanalstenose kann es zu Schmerzen in den Beinen, zu einer Gangunsicherheit und zu Schwächegefühlen kommen.

Was tun bei Spinalkanalstenose?

Je nach Schwere und Grunderkrankung der Spinalkanalstenose kann diese konservativ oder chirurgisch behandelt werden. Bei letzterem handelt es sich um einen druckentlastenden Eingriff.

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