Traumatische Frakturen der Brust- und Lendenwirbelsäule

VonUlrike Pickert

Traumatische Frakturen der Brust- und Lendenwirbelsäule

Es bedarf einer stärkeren Kraft, damit es zu Brüchen im Brust- und Lendenwirbelbereich kommt, sofern keine Vorschädigungen bestehen. Daher sind solche Verletzungen in der Regel auch einem Unfallgeschehen, wie beispielsweise einem Sturz aus größerer Höhe, geschuldet.

Zu Brüchen der knöchernen Wirbelsäulenanteile kommt es insbesondere bei Personen, die an Osteoporose erkrankt sind, weil dabei die Knochenqualität vermindert ist. Vergleichbar geringe Kräfte genügen dann, damit es zu einer Fraktur kommt. Auch bei Wirbelkörpern, die aufgrund von Tumoren in ihrer Stabilität beeinträchtigt sind, besteht das Risiko, dass sie schneller brechen. Bei gesunden Knochenverhältnissen sind es sogenannte Stauchungs-, Hyperextensions- oder Hyperflexionstraumata, also unfallbedingte, extreme Bewegungen in unphysiologische Richtungen, die zu einer Wirbelfraktur führen. Man unterscheidet diese Brüche nach der Art der Verletzung (Klassifikation nach Magerl): Kompression (Typ A), Distraktion (Typ B) und Rotation (Typ C). Diese Typen werden weiterhin nach Art des Bruches unterschieden, z. B. ob es sich um eine Spaltung oder Berstung des Wirbels handelt. Am häufigsten kommt es in den Übergängen zwischen den mobileren und stabileren einzelnen Krümmungen an Brust- und Lendenwirbelsäule zu Frakturen.

Folgeschäden verhindern

Wirbelbrüche gehen mit Schmerzen und Bewegungseinschränkungen einher und sollten einer entsprechenden Behandlung zugeführt werden, um Folgeschäden wie z. B. Fehlstellungen oder Instabilitäten der Wirbelsäule zu vermeiden. Da es sich häufig auch um Mehrfachverletzungen, z. B. bei Unfällen, handeln kann, müssen bei der Behandlung Begleitverletzungen immer mitberücksichtigt werden. Dies gilt insbesondere, wenn es zu Nervenbeeinträchtigungen gekommen ist. Im schlimmsten Fall kann es bei traumatischen Frakturen der Brust- und Lendenwirbelsäule zu Schädigungen des Rückenmarks, das in einem von den Wirbeln gebildeten Kanal liegt, und dann zu Querschnittslähmungen kommen.

Konservativ behandelbar oder operationspflichtig

Ob eine Fraktur der Brust- und Lendenwirbelsäule konservativ behandelt werden kann oder ein chirurgisches Eingreifen notwendig ist, hängt hauptsächlich damit zusammen, ob der Bruch als stabil oder nicht-stabil einzuschätzen ist. Von einer stabilen Wirbelfraktur wird gesprochen, wenn es neben der Stauchung oder Kompression nicht zu weiteren Schäden wie von Bändern sowie größeren Bandscheibenverletzungen gekommen ist. Solche Frakturen der Brust- und Lendenwirbelsäule können ohne eine Operation behandelt werden. Die Knochenheilung kann durch Schonung und gegebenenfalls Ruhigstellung des betroffenen Wirbelabschnittes unterstützt werden. Außerdem werden nach Bedarf Schmerzmedikamente verabreicht.

Bei nicht-stabilen Brüchen sind mehrere Einheiten wie Bänder verletzt und es besteht eine Instabilität des Wirbelsäulensegmentes. Hier ist vor allem die Gefahr zu bannen, dass Knochenfragmente das umgebende Gewebe und insbesondere das Rückenmark schädigen. Ziel ist es dabei aber auch, dass die Patienten möglichst adäquat wieder zu ihrer Bewegungs- und Belastungsfähigkeit zurückkommen. Außerdem gehen solche Frakturen häufig mit begleitenden Schäden wie an Bändern und Bandscheiben oder Verschiebungen der Wirbelsäulenstatik und Instabilitäten einher, sodass komplexe Verletzungsmuster vorliegen können. Daher wird in diesen Fällen operiert und die betroffenen Wirbelsegmente werden stabilisiert, damit sie möglichst physiologisch wieder zusammenwachsen können. Die sogenannte Kyphoplastie wird häufig bei osteoporotisch bedingten Brüchen durchgeführt, kann aber auch eingesetzt werden, wenn es sich um traumatisch bedingte oder Frakturen aufgrund von Tumoren handelt. Dabei wird Knochenzement zur Stabilisierung in den geschädigten Wirbel gebracht.

Zurück zum Alltag

Wie sich die Rehabilitationsphase nach dem Trauma gestaltet und wann sie beginnen sollte, ist im individuellen Fall unterschiedlich. Während einerseits für ein sehr baldiges Beginnen plädiert wird, raten andere Stellen dazu, die Rehabilitation nach sechs Wochen zu beginnen. Zusammen mit einer angepassten Schmerztherapie, die vor möglichen Schmerzchronifizierungen schützen soll, werden physio- und ergotherapeutische Maßnahmen sowie in manchen Fällen physikalische Anwendungen oder eine medizinische Trainingstherapie (in einer späteren Phase der Rehabilitation) angewendet.

von Stefanie Zerres

aus ORTHOpress 2/18

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