Innovative Ansätze moderner Medizin – im Sinne des Patienten

Über ein Modell zur Verzahnung ambulanter und stationärer Einrichtungen

ORTHOpress berichtete in mehreren Ausgaben über das Leistungsspektrum des Zentrums für Wirbelsäulenerkrankungen in Berlin. In den vergangenen Jahren hat sich dort ein leistungsfähiges Zentrum zur Behandlung von Patienten mit Beschwerden an der Hals- und Lendenwirbelsäule entwickelt.

Insbesondere bei Erkrankungen, deren Ursachen nicht auf der Hand liegen, beginnt für die Patienten oft eine Odyssee von Arzt zu Arzt. Da es sich häufig auch um fortgeleitete Schmerzen handelt, deren Entstehungsort ganz woanders liegt, werden die Patienten sogar manchmal gar nicht richtig ernst genommen.

Die Grundidee des Zentrums für Wirbelsäulenerkrankungen, das in der Klinik “Helle Mitte” GmbH firmiert ist, besteht darin, aus einer Hand und unter einem Dach eine möglichst optimale Diagnostik aus fachübergreifender Zusammenarbeit zu realisieren und den Patienten in den Entscheidungsprozeß für ein individuelles Therapieprogramm mit einzubeziehen.

Beim ersten Termin in der Klinik werden die Vorbefunde gesichtet und analysiert. Der ärztliche Leiter entscheidet dann aufgrund dieser Befunde und der Klinik des Patienten, welche zusätzliche Diagnostik medizinisch notwendig, patientenschonend und wirtschaftlich vertretbar angeordnet wird. Um in den Entscheidungsprozeß auch Ärzte anderer Fachrichtungen einzubeziehen, wurde auf Kooperationsbasis ein Netz von Fachärzten gebildet, die jeweils zu festgelegten Zeiten den Patienten bzw. seine Befunde beurteilen.

An der interdisziplinären Zusammenarbeit bei Wirbelsäulenpatienten sind Ärzte aus den Fachrichtungen:

• Neurochirugie

• Neurologie

• Physikalische und rehabilitative Medizin

• Muskelfunktionsdiagnostik

• Gefäßchirurgie etc.

beteiligt.

Alle Fachärzte befinden sich in einem Ärztezentrum und sind im ständigen ärztlichen Konsilium. Meistens werden in einem Schmerzforum direkt mit dem Patienten zusammen die Befunde ausgewertet. Bereits beim Zweittermin hat der Patient dann ein umfassendes Bild seines individuellen Leidens und erhält aus einer Hand sein individuelles Therapiekonzept, welches von konservativen Therapien über minimal invasive Verfahren bis hin zu operativen Leistungen im Lenden- und Halswirbelbereich reichen kann.

Die positiven Erfahrungen des Zentrums für Wirbelsäulenerkrankungen werden inzwischen für die Tätigkeit der gesamten Klinik “Helle Mitte” genutzt. Durch die enge Kooperation mit den Fachärzten des Hauses, aber auch anderen ambulant niedergelassenen Kollegen konnte das Modell der Verzahnung von ambulanten und stationären Einrichtungen ausgebaut werden. So umfasst das Leistungsspektrum der Klinik heute auch Operationen der Fachgebiete Chirurgie und kosmetische Chirurgie, Gefäßchirurgie, Urologie, Orthopädie, und HNO.

Niedergelassene Kooperationsärzte erhalten die Möglichkeit, den OP- Komplex der Klinik zu nutzen und stationäre Eingriffe durchzuführen. Der Vorteil für den Patienten besteht unter anderem darin, dass der Arzt seines Vertrauens nicht nur die Diagnostik durchführt und die Indikation für einen operativen Eingriff stellt, sondern die Operation auch selbst durchführt. Der Patient bleibt “in einer Hand” und wird postoperativ durch die Klinik versorgt.

Nach ähnlichem Muster entstehen in Berlin derzeit weitere Bauvorhaben, die eine engere Verzahnung von ambulanten und stationären Einrichtungen beabsichtigen. Dies liegt auch im Interesse der Krankenkassen, da es das Ziel ist, die Kosten zu senken. Leider haben Innovationen wie dieses Modell aber auch Widersacher. Eine auf privater Basis finanzierte Klinik hat immer noch Schwierigkeiten bei der Versorgung von gesetzlich versicherten Patienten. Dies ist um so unverständlicher, da eine Kostenersparnis durch die Bündelung der Diagnostik und die Verkürzung der stationären Verweildauer insgesamt nachweisbar ist.

 

ORTHOpress 4 | 2001

Alle Beiträge dienen lediglich der Information und ersetzen keinesfalls die Inanspruchnahme eines Arztes*in. Falls nicht anders angegeben, spiegeln sie den Stand zur Zeit der Erstveröffentlichung wider. Die aktuelle Einschätzung des Sachverhalts kann durch Erfahrungszuwachs, allgemeinen Fortschritt und zwischenzeitlich gewonnene Erkenntnisse abweichen.