Fettabsaugung

Körper nach Maß

Nicht hungern, keine langwierigen Schlankheitskuren – kurz in die Klinik und weg sind sie, die lästigen Fettpölsterchen. Ärzte versprechen, den Stoff, aus dem die Molligen sind, schnell zum Schmelzen zu bringen – mit Hilfe der sog. Liposuktion: der Fettabsaugung. Orthopress sprach in Köln mit dem Plastischen Chirurgen Dr. A. Ziah Taufig über die wichtigsten Aspekte dieser Methode.

Herr Dr. Taufig, warum zum Arzt, wo doch Sport und Diät auch helfen? Ist Fettabsaugen nicht ein Over-Kill gegen Fettpölsterchen?

Gegenfrage: Was tun, wenn Sport und Diät einfach nicht helfen? Das erleben viele Frauen täglich. Weder mit Sport noch Diät noch mit kosmetischen Behandlungen verschwinden diese leidigen Fettpolster. Es kann auch nicht funktionieren. Denn häufig sind Fettansammlungen im Bereich der Oberschenkel, im Taillen- und Hüftbereich genetisch bedingt. Diäten wirken unspezifisch, das heißt, oft nehmen Frauen gerade dort ab, wo sie es eigentlich nicht wollen. Am Busen zum Beispiel. Doch auch wenn es gelingt, die Problemzonen zum Schmelzen zu bringen, ist das häufig nur von kurzem Erfolg. Durch die Fettabsaugung lassen sich diese unerwünschten Fettzellen schnell und dauerhaft entfernen.

Wie sieht die Methode konkret aus?

Kleinere Fettabsaugungen können ohne Narkose durchgeführt werden. Größere Eingriffe – beispielsweise im Bein-/Bauchbereich – werden im Beisein eines Anästhesisten ambulant im Halbschlaf vorgenommen. Mit Hilfe feinster Kanülen wird in zuvor markierte Zonen eine Lösung eingebracht, die sich während einer halbstündigen Einwirkzeit gleichmäßig im Gewebe verteilt und dort die Fettzellen aus ihrem Verbund löst. Anschließend werden diese dann fachmännisch abgesaugt. Auf Grund eines Schmerzmittels, das der Lösung beigegeben ist, hat die Patientin dabei kaum Schmerzen. Nach dem Eingriff, in den ersten zwei bis drei Tagen, kann das schon etwas zwicken, aber auch dann sind die Schmerzen gut zu ertragen – vergleichbar mit Muskelkater oder dem dumpfen Gefühl blauer Flecken. – Durch die gleichmäßige Absaugung aus allen Gewebeschichten lässt sich vermeiden, dass sich durch die Liposuktion Dellen bilden. Es entsteht wieder eine harmonische Körpersilhouette, die vorher gestört war.

Wie viele Problemzonen lassen sich bei einem Termin behandeln?

Das ist individuell vom Untersuchungsbefund abhängig. Es hängt ab vom Alter, dem Allgemeinzustand der Patienten und nicht zuletzt von der Menge des abzusaugenden Körperfetts. Jedoch sollte man bei einem Termin in jedem Fall symmetrisch beide Körperhälften behandeln.

Was müssen die Patienten nach der Behandlung beachten?

Nach der Operation müssen für etwa vier Wochen Miederhosen oder Kompressionsstrümpfe getragen werden, damit sich die Körperlinie harmonisch entwickelt.

Wann halten Sie als Mediziner diesen Eingriff für gerechtfertigt?

Immer dann, wenn der Patient massiv unter seinen Fettpolstern leidet. Das kann schon zum Ende der Pubertät sein. In den meisten Fällen treten die Wünsche nach einer Fettabsaugung allerdings später auf, im Alter zwischen 30 und 40 Jahren, wenn der Körper rundlicher wird und nicht mehr auf Diäten anspricht. Aber deutlich möchte ich betonen: Die Fettabsaugung ist nicht angesagt, wenn Übergewicht auf Grund übermäßigen Essens vorliegt. Die Liposuktion eignet sich keinesfalls als Diät mit dem Skalpell!

Wo kann man einen solchen Eingriff vornehmen lassen?

Leider wird die Fettabsaugung auch von Nicht-Chirurgen durchgeführt – mit oft katastrophalen Ergebnissen. Interessierte Patienten können sich bei der Suche nach einem qualifizierten Facharzt eine entsprechende Mitgliederliste der Vereinigung der Deutschen Plastischen Chirurgen in Berlin zuschicken lassen.

Was kostet eine Behandlung?

Ambulante Absaugungen – etwa ein Doppelkinn oder an den Oberarmen – kosten abhängig vom Körperareal zwischen 2.000 und 3.000 Mark, größere Operationen – etwa an Hüften und Oberschenkeln – zwischen 5.000 und 10.000 Mark.

Wie sieht die Nachbehandlung aus?

In der Regel können die Patienten sechs Stunden nach dem Eingriff abgeholt und nach Hause gebracht werden. Sollten Probleme auftauchen, können sich die Patienten Tag und Nacht über eine dafür eingerichtete Hotline melden. Wie bei jeder Operation kann es danach zu Blut­ergüssen und Infektionen kommen, aber das Infektionsrisiko ist gering, da die Patienten prophylaktisch mit Antibiotikum behandelt werden. In den ersten Tagen erhalten sie zudem eine Anti-Thrombose-Spritze; außerdem wird ein Verbandswechsel vorgenommen. Seriöse Ärzte werden zudem immer darauf hinweisen, dass ein kontrolliertes Essverhalten, d.h. eine normale, ausgewogene Ernährung, nötig ist, damit man an den abgesaugten Arealen nicht wieder zunimmt. – Worüber die Patienten immer erstaunt sind: Wenn sie nach der Operation die abgesaugte Fettmenge gezeigt bekommen.

Herr Dr. Taufig, vielen Dank für das interessante Gespräch!

von Manon Leistner

Ein Archivbeitrag* aus ORTHOpress 3 | 2000
*Archivbeiträge spiegeln den Stand zur Zeit der Erstveröffentlichung wieder. Die aktuelle Einschätzung des Sachverhalts kann durch Erfahrungszuwachs, allgemeinen Fortschritt und zwischenzeitlich gewonnene Erkenntnisse abweichen.