Was ist Morbus Parkinson? 

Ursache, Symptome und Behandlung:

Das Krankheitsbild wurde zuerst von dem englischen Landarzt James Parkinson 1817 beschrieben. Die Parkinson’sche Krankheit betrifft 1,5-2,5% der über 70jährigen. In Deutschland schätzt man ca. 250.000 Parkinson-Erkrankte. Der Morbus Parkinson ist eine degenerative Erkrankung des Gehirns und gehört zu den neurologischen Erkrankungen. Durch die zunehmende Überalterung der Menschen ist mit einem deutlichen Anstieg der Erkrankung zu rechnen. 

Ursache aller Parkinsonerkrankungen ist der Mangel an Dopamin. Dopamin ist ein sogenannter Botenstoff oder Neurotransmitter; er übermittelt die Befehle des Nervensystems an die Muskulatur. Die höchste Konzentration dieses Stoffes findet sich in einer Nervenzellenansammlung im Hirnstamm, welche Substantia nigra (schwarze Substanz) genannt wird. Bei Parkinson-Erkrankten ist dieser Gehirnbereich erheblich blasser, und es zeigt sich in der Regel, dass gegenüber einem gesunden Menschen die Konzentration von Dopamin um nahezu 90 Prozent geringer ist.

Was steckt hinter der Erkrankung?

Bei 80 bis 90 Prozent aller Fälle sind die Ursachen des Dopaminmangels unbekannt und nicht zu erklären. Diese Form der Erkrankung wird als idiopathisches Parkinson-Syndrom bezeichnet. Diskutiert werden genetische Komponenten sowie Umwelteinflüsse und Nahrungsmittel als Auslöser. Ein eindeutiger Nachweis wurde bis jetzt aber nicht erbracht. Bei 10 bis 20 Prozent sind Vorerkrankungen als Ursache des Dopaminmangels erkennbar bzw. nachweisbar, so kann ein Parkinson nach einer Hirnhautentzündung bzw. Kopf- und Hirnverletzungen, Schlaganfall, Hirntumoren oder auch Schädigungen in bestimmten Bereichen des Zentralen Nervensystems ausgelöst werden. Auch bestimmte Medikamente können vorübergehend Parkinson-Symptome auslösen. Hier werden aber die Dopamin produzierenden Zellen nicht zerstört, sondern nur in ihrer Funktion zeitweilig eingeschränkt. Bestimmte toxische Substanzen und auch Drogen können ebenfalls die Substantia nigra beschädigen. 

Krankheitssymptome:

Die Hauptsymptome des Morbus Parkinson sind Akinese oder Bradykinese (Bewegungsverlangsamung), Rigor (Versteifung der Muskulatur), Tremor (Zittern in Ruhe) und Haltungsinstabilität (Gleichgewichtsstörungen mit Sturzgefahr). 

Die Parkinson’sche Erkrankung entwickelt sich langsam und führt dazu, dass das Schmerz nach und nach auftritt und über die Jahre hinweg zunimmt. Nicht unbedingt alle Patienten müssen auch unter allen Symptomen leiden. Die Stärke bzw. die Schwäche der Symptome ist bei jedem Patient unterschiedlich ausgeprägt.

 

Akinese oder Bradykinese:

Die Störungen der Bewegungsabläufe werden als Bradykinese (anfängliche Verlangsamung) oder Akinese (vollständiger Ausfall) bezeichnet. Die Bewegungsverlangsamung betrifft nicht nur Arme und Beine, sondern auch Gesicht und Zunge. Die Patienten haben einen verschobenen Körperschwerpunkt; sie können leicht stolpern und fallen. Besonders schwierig wird für die Betroffenen die Koordination mehrerer Bewegungen. Oft sind Mimik und Gestik gestört. 

Rigor:

Als Rigor bezeichnet man eine erhöhte und andauernde Versteifung des beugenden wie des streckenden Muskels. Das heißt, dass die Extremität nicht oder sehr mühsam bewegt werden kann. Der Patient empfindet den Rigor als Versteifung. Die Muskulatur kann nicht mehr völlig entspannt werden, daher sind die Gelenke überlastet. Als Folge treten oft Schmerzen in der Schulter, dem Rücken und in der Hüfte auf. Nicht selten kommt es bei Betroffenen zum sogenannten ”Zahnradphänomen”. Hierbei erfolgen die Bewegungen ruckartig, weil der  Muskel sich nur stückweise und ungleichmäßig bewegt.

Tremor:

Das bekannteste und auffälligste Krankheitsbild bei M. Parkinson ist das Zittern. In der Anfangsphase der Erkrankung handelt es sich um einen Ruhetremor. Dies ist ein rhythmisches Hin und Herbewegung einer Extremität. Sie tritt jeweils auf, wenn die betroffene Extremität entspannt ist. Meist kommt es schon in einer frühen Phase der Erkrankung zu einem Fingertremor in Ruhe. Bei Ausführung einer Bewegung nimmt das Zittern ab oder es verschwindet ganz. Fast immer nimmt das Zittern durch emotionale Aufregung zu, wobei die Intensität des Tremors täglich oder innerhalb eines Tages schwanken kann.

Haltungsinstabilität:

Bei Parkinson-Erkrankten sind die unwillkürlichen Bewegungen gestört. Die Arme sind in den Ellenbogen angewinkelt. Neben der Beugung im Hüftgelenk sind auch die Zehen häufig gekrallt, so dass es für Betroffene sehr schwer ist, eine aufrechte Haltung beizubehalten.

Nicht-motorische Störungen:

Neben motorischen Störungen können auch verschiedenene nicht-motorische Störungen als Begleiterscheinungen auftreten. Hierzu gehören:

Psychische Störungen:

z. B. Wahrnehmungsstörungen, Demenz, Angststörungen und Depression.
Starke Befindlichkeitsstörungen werden zu den ausgeprägtesten psychischen Veränderungen gezählt und sind sehr häufig frühzeitig zu beobachten.

Vegetative Störungen:

wie z. B. Herzkreislaufstörungen, Magen-Darmstörungen, Verstopfung, starker Harndrang, Atemstörungen, sexuelle Funktionsstörungen, Temperaturregulationsstörungen, übermäßiges Schwitzen oder verstärkter Speichelfluss, erhöhte Talgsekretion besonders im Bereich der Stirn, Kau- und Schluckstörungen. 

Diagnostik und Therapie:

Für eine erfolgreiche Therapie ist eine ausreichende Aufklärung und Beratung des Patienten notwendig. Die Diagnose erfolgt meist mittels neurologischer Untersuchungen, durch bildgebende Verfahren (CT , MRT), und klinische Tests (Graphie-Test, Pendeltest). Bis zur richtigen Diagnosestellung vergehen so manchmal anderthalb bis zwei Jahre.

Die Parkinson’sche Krankheit kann leider bis heute nicht ursächlich therapiert werden. Alle Maßnahmen zur Behandlung lindern nur die Symptome und verbessern deutlich die Lebensqualität der Patienten. Zur Behandlung sollten mehrere Therapiemöglichkeiten miteinander kombiniert werden, um einen größtmöglichen Effekt zu erreichen. Folgende Therapiemöglichkeiten stehen heute zur Verfügung:

  • medikamentöse Behandlung
  • Krankengymnastik
  • Logopädie
  • Ergotherapie
  • psychosoziale Betreuung
  • operative Behandlung 

Zur Behandlung motorischer Symptome ist die medikamentöse symptomatische Therapie unverzichtbar. Parkinson-Medikamente sind dabei zwar seit über hundert Jahren bekannt, der entscheidende Durchbruch wurde jedoch erst mit L-Dopa in den 60er Jahren erreicht. Die medikamentöse Behandlung hat zum Ziel, den Mangel an Dopamin auszugleichen. Dabei wird aber unglücklicherweise nicht nur die Dopaminkonzentration im Gehirn beeinflusst: Die Wirkung erreicht auch andere natürliche ”Einsatzgebiete”. Das ist der Grund dafür, dass die medikamentöse Therapie bei Parkinson oft von Nebenwirkungen begleitet wird. Diese können durch eine langsame und individuelle Medikation und Dosierung aber in vielen Fällen vermieden oder zumindest abgemildert werden.

Krankengymnastik ist wichtig:

Krankengymnastik ist die Grundlage jeder Parkinson-Therapie. In der Regel wird eine Behandlung ohne Krankengymnastik als unvollständig betrachtet. Die verbliebene Beweglichkeit der betroffenen Muskel- und Gelenkpartien sollte durch Krankengymnastik so lange wie möglich erhalten werden. Dabei sollte aber unbedingt darauf geachtet werden, dass sich der Patient nicht überanstrengt. Am wirkungsvollsten sind daher vielfältige abwechslungsreiche Bewegungsübungen.

Durch die Ergotherapie wird der Erhalt der alltäglichen Bewegungsabläufe sichergestellt. Sie hilft dabei, dass z. B. Nahrungsaufnahme, An-und Auskleiden sowie ausreichende Körperhygiene so lange wie möglich selbständig durchgeführt werden können. 

Auch eine logopädische Therapie kann sinnvoll sein, um die Kommunikationsfähigkeit so lange wie möglich aufrecht erhalten.

Insbesondere aber die psychosoziale Betreuung ist bei Parkinson-Patienten sehr wichtig und unerlässlich. Sie sollte bei allen therapeutischen Maßnahmen mit eingeschlossen werden. Parkinson-Erkrankte neigen zu depressiven Verstimmungen und Angstgefühlen, die schnell zu sozialem Rückzug und letztendlich zur Isolation führen können. Dies kann den Leidensdruck stark erhöhen; bei der psychosozialen Betreuung spielt die Selbsthilfegruppe deshalb eine wichtige Rolle. 

Die Bedeutung von Operationen nimmt zwar zu, aber sind sie immer noch eine Ausnahme und werden nur in Einzelfällen durchgeführt. Beim diesem so genannten stereotaktischen Eingriff werden gezielt die Hirnzellen zerstört, die unkontrolliert in der Substantia nigra wirksam sind. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, über das winzige Elektroden bestimmte Bereiche im Gehirn anzuregen, um den Tremor zu bekämpfen und zumindest eine teilweise Kontrolle über die Bewegungen wiederzuerlangen. Bei dieser Operation werden die Zellen jedoch nicht zerstört; die Elektroden können jederzeit wieder entfernt werden.

Ausblick für die Zukunft:

Die Prognose des Morbus Parkinson ist heutzutage sehr gut. Während noch vor etwas mehr als einem Jahrzehnt die Lebenserwartung nach Diagnosestellung im Mittel nicht mehr als noch etwa 15 Jahre betrug, haben die Patienten heute eine normale Lebenserwartung. Dies liegt hauptsächlich daran, dass durch die in den letzten Jahren entwickelten modernen Medikamente die Ausprägung wesentlicher Symptome des Parkinson-Syndroms um mehr als ein Jahrzehnt nach hinten verschoben werden kann. Dazu zählt z.B. der Einsatz so genannter Anticholinergika, mit denen die Ausschüttung bestimmter Botenstoffe verhindert werden soll. Sie wirken hauptsächlich gegen das Zittern und bekämpfen so das für viele wesentlichste Merkmal der Erkrankung. Insbesondere bei durch Umweltgifte ausgelösten Parkinson-Symptomen sind sie gut wirksam. Auch wenn eine Heilung der Krankheit weiterhin nicht in Sicht ist, so ist inzwischen wenigstens ein menschenwürdiges Leben mit der Krankheit für viele Betroffene möglich.    

 

aus ORTHOpress 1 | 2002

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