Stechende Schmerzen im Knie: Läuferknie, Bakerzyste, Morbus Ahlbäck

VonUlrike Pickert

Stechende Schmerzen im Knie: Läuferknie, Bakerzyste, Morbus Ahlbäck

Unsere Knie sind bei jedem Schritt einer enormen Belastung ausgesetzt. Beim Joggen können das immerhin bis zu 300 Kilogramm sein. Langfristig ist eine solch hohe Beanspruchung einer der Gründe dafür, dass das größte Gelenk unseres Körpers nicht immer von Beschwerden verschont bleibt. Schmerzen im Knie können ziehend, reißend oder pochend sein. Manchmal haben sie stechenden Charakter. 

Stechende Knieschmerzen treten häufig in Verbindung mit einem sogenannten Läuferknie auf. Darunter versteht man einen durch Überlastung hervorgerufenen Reizzustand an der Außenseite des Kniegelenks, der während des Laufens entsteht. Die Ursache für das Läuferknie besteht in der Regel darin, dass eine Sehnenplatte, die von der Hüfte kommt und über Oberschenkel und Knie bis zur Außenseite des Schienbeinkopfes verläuft – der sogenannte Tractus iliotibialis –, sich immer wieder über den Außenrand des Kniegelenks verschiebt. Bei einer ständigen Über- oder Fehlbelastung wird die Sehnenplatte so sehr gereizt, dass es oft zu chronischen Beschwerden kommt. Meist ist eine stark verkürzte Muskulatur im Hüftbereich für die erhöhten Spannungen verantwortlich. Darüber hinaus können auch Fehlstellungen der Beinachse wie vor allem O-Beine oder Fußfehlformen eine Rolle spielen. 

Bei Schmerzen sofort mit dem Laufen aufhören

Treten die Schmerzen auf, sollte man seinen Lauf sofort beenden und auf keinen Fall in den Schmerz „hineinlaufen“. Zwecks akuter Linderung empfiehlt es sich, den schmerzhaften Bereich zu kühlen und mit einer entzündungshemmenden Salbe einzureiben. Bei einem chronischen Läuferknie kommt es darauf an, die Ursache zu erkennen, um gezielt gegensteuern zu können. Ein erfahrener Arzt oder Sportmediziner kann sich in vielen Fällen bereits durch eine gründliche Anamnese und eine körperliche Untersuchung ausreichende Klarheit über die Schädigung verschaffen. Um andere Erkrankungen wie eine Ermüdungsfraktur oder einen Knorpelschaden auszuschließen, können im Zweifelsfall Röntgenaufnahmen, Ultraschall- oder Kernspinuntersuchungen rforderlich werden. Bei der Therapie geht es in der Regel darum, die Spannung im Tractus iliotibialis zu reduzieren, indem die verkürzten Muskeln an der Hüftaußenseite, die sogenannten Abduktoren, gedehnt werden. Dies geschieht durch intensive Übungen, die mehrmals am Tag selbstständig durchgeführt werden. Unterstützend wirken eine gezielte Physiotherapie und Krankengymnastik. Darüber hinaus können physikalische Maßnahmen, die der Anregung des Stoffwechsels dienen, wie z. B. einige Minuten dauernde Eisreibungen, sinnvoll sein. Nur in schwerwiegenden Fällen müssen entzündungshemmende Medikamente verabreicht werden. Sind die Beschwerden abgeklungen, ist es meist nach etwa zwei Wochen möglich, wieder mit einem leichten Training zu beginnen. Über- und Fehlbelastungen müssen dabei unbedingt vermieden werden. Sinnvoll sind Stretchübungen vor und nach der sportlichen Aktivität, aber auch Kräftigungs- und Stabilisierungsübungen. Möglicherweise hilfreich ist ein Kinesio-Tape im Bereich des Tractus iliotibialis.

Mangelnde Durchblutung führt zur Zerstörung von Knochen

Neben den Muskeln können auch die Knochen für Kniebeschwerden verantwortlich sein. Dies ist z. B. beim Morbus Ahlbäck der Fall. Darunter versteht man ein nicht infektiös bedingtes Absterben des Knochens (Knochennekrose) im unteren Bereich des Oberschenkels. Dieses Segment des Oberschenkels, das aus zwei Ausstülpungen besteht, die gemeinsam mit dem Schienbein den als Femorotibialgelenk bezeichneten Teil des Kniegelenks bilden, wird auch als Femurkondylus bezeichnet. Verantwortlich für diese Knochennekrose, an der vor allem Frauen ab 60 Jahren leiden, ist meist eine verminderte Durchblutung in diesem Knochenbereich. Im Laufe der Zeit wird der Knochen unter der Gelenkfläche brüchig, sodass die Knorpelfläche einbricht und das normale Gleiten der Gelenkflächen nicht mehr möglich ist. Worin genau die Ursache für die Durchblutungsstörungen in jedem Einzelfall besteht, kann nicht immer geklärt werden. Ein möglicher Auslöser sind unfallbedingte Verletzungen kleiner Blutgefäße, die dazu führen, dass das Knochengewebe nicht mehr richtig mit Nährstoffen versorgt wird. Darüber hinaus können auch die langjährige Einnahme von kortisonhaltigen Substanzen sowie Alkohol- und Nikotinkonsum eine Rolle spielen. Untersuchungen haben gezeigt, dass Patienten mit angeborenen Durchblutungsstörungen besonders häufig an Morbus Ahlbäck erkranken. Dies könnte einen Hinweis auf einen möglichen ursächlichen Zusammenhang liefern. Daneben wird auch der Bluterkrankheit ein gewisser Einfluss auf die Krankheitsbildung zugeschrieben. Eine weitere Ursache für die Bildung einer Knochennekrose sind Überlastungen im Kniegelenk, die durch Fehlstellungen wie O-Beine hervorgerufen werden.

Andere Erkrankungen müssen ausgeschlossen werden

Eine Knochennekrose im Kniegelenk kann sich im Laufe der Zeit durch die unterschiedlichsten Symptome bemerkbar machen. Manchmal treten die Schmerzen bei Belastung, manchmal im Ruhezustand auf. Häufig kommt es zu Schwellungen. Ein wichtiges Signal sind plötzlich auftretende Knieschmerzen, ohne dass es vorher zu einer unfallbedingten Verletzung gekommen wäre. In der Regel werden sie durch Wassereinlagerungen im Kniegelenk verursacht. Bei der Diagnostik kommt es zunächst darauf an, andere Erkrankungen als Grund für die Beschwerden auszuschalten. So lässt sich z. B. durch eine Knochendichtemessung ausschließen, ob eine Osteoporose als Krankheitsursache vorliegt. Krankhafte Knochenveränderungen lassen sich erst im fortgeschrittenen Stadium durch Röntgenaufnahmen erkennen. Ein wichtiger Hinweis sind Sklerosierungen, also Verstärkungen des Knochens an der Grenze zwischen krankem und gesundem Gewebe. Eine frühzeitige Diagnose wird durch eine Kernspintomografie (MRT) ermöglicht. Dadurch lassen sich die typischen Knochenödeme sichtbar machen. In manchen Fällen kann eine Kniearthroskopie (Kniespiegelung) sinnvoll sein, um zu einer genauen Einschätzung der Schädigung zu gelangen.

In gravierenden Fällen hilft oft nur eine Knieendoprothese

Die Behandlung zielt zunächst darauf ab, die Regenerationsfähigkeit des nekrotischen Knochens zu verbessern und die natürlichen Heilungsprozesse zu stimulieren. Konservative Therapiemethoden sind umso wirksamer, je früher sie eingesetzt werden. Dazu zählen neben Schuhzurichtungen und schmerz- und entzündungshemmenden Medikamenten auch physikalische Methoden wie die hyperbare Sauerstofftherapie oder die Stoßwellentherapie. Zu den operativen Eingriffsmethoden zählen:

• Umstellungsosteotomien: Reicht eine Schuhzurichtung nicht aus, versucht man, durch eine Korrektur der Beinachse den Druck auf das Kniegelenk zu reduzieren.

• Markraumdekompression: Die Entlastung des Knocheninneren durch Entnahme von geschädigtem Gewebe gilt im Frühstadium der Erkrankung als erfolgversprechend. 

• Pridiebohrung: Wenn es bereits zu Knorpelschäden gekommen ist, wird die subchondrale Knochenoberfläche angebohrt. So können Stammzellen aus dem Knochen in den Gelenkspalt einwandern, was zur Bildung eines Blutkuchens und in der Folge zur Entstehung eines narbigen Knorpelersatzgewebes. Mittlerweile gibt es Verfahren, mit denen sich Knorpel, der außerhalb des Körpers angezüchtet wird, in den Defekt einbringen lässt, oder matrixgestützte Verfahren, welche die Regeneration des Knorpels anregen. 

• Auffüllung der Osteonekrose mit autologem Knochenersatz (Spongioplastik): Dieses Verfahren ist eine Option für das fortgeschrittene Krankheitsstadium. Das Transplantat wird meist aus dem Beckenkamm gewonnen.

In schwerwiegenden Fällen hilft oft allein eine Knieendoprothese weiter. Je nach Bedarf kann eine einteilige (unikondyläre) oder beidseitige (bikondyläre) Schlittenprothese eingesetzt werden. In zahlreichen Fällen bietet sich so ein Ausweg, um eine gute Versorgung der Patienten zu ermöglichen.

Zu viel Flüssigkeit führt zu Ausstülpungen in der Kniekehle

Wenn es zu Schmerzen in der Kniekehle kommt, hat dies seinen Grund häufig in einer Bakerzyste, einer mit Flüssigkeit gefüllten Aussackung. Diese bildet sich – meist bei Patienten mittleren oder fortgeschrittenen Alters –, wenn der Körper nach einem Knieschaden versucht, diesen auszugleichen, indem er verstärkt Gelenkflüssigkeit produziert. Wird der Druck zu hoch, gibt das Gewebe in der Gelenkkapsel nach und es bildet sich ein mit Flüssigkeit gefüllter Raum, eben eine Zyste. Meist lässt sich diese als Schwellung in der Kniekehle ertasten. Typische Symptome sind wiederkehrende Schmerzen in der Kniekehle und im rückwärtigen oberen Wadenbereich. Neben der körperlichen Untersuchung dienen bildgebende Verfahren wie eine Ultraschalluntersuchung oder eine MRT dazu, das Ausmaß der Zyste zu erkennen.

Ziel der Behandlung ist es, Schwellung und Schmerzen in der Kniekehle dauerhaft zum Verschwinden zu bringen. Dazu können entzündungshemmende Medikamente eingesetzt werden. Manchmal ist es auch möglich, den Inhalt der Bakerzyste mit einer Spritze herauszusaugen. Die verbleibende Hülle wird dann anschließend mit Kortison ausgespült. Wenn sich die Zyste trotz konservativer Behandlung langfristig nicht zurückbildet, muss sie operativ entfernt werden. Manchmal bildet sich eine Bakerzyste auch spontan wieder zurück. Vorbeugen kann man ihr nur, wenn man das Knie vor zu großen Belastungen schützt.

von Klaus Bingler

aus ORTHOpress 4/16

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