Wachstumsschmerzen

VonKlaus Bingler

Nächtliche Schmerzen in den Gliedmaßen können bei Kindern durch das Wachstum hervorgerufen werden. Da dies auch Symptome schwerwiegenderer Erkrankungen sein können, sollten sie im Zweifel abgeklärt werden.

 Wachsen ist eigentlich nicht schmerzhaft, so heißt es. Die Existenz sogenannter Wachstumsschmerzen ist wissenschaftlich nicht eindeutig belegt. Sie können nämlich weder im Labor, noch durch Bildgebung nachgewiesen werden. Außerdem leiden nicht alle Kinder und Jugendliche darunter. Und dennoch: Wenn Kinder aus dem Schlaf erwachen und ihren Eltern vom Ziehen und Drücken überwiegend in den Beinen, seltener in den Armen, berichten, ist die Ursache in den meis-ten Fällen einfach nur das Wachstum. Da vor allem während des Schlafens Wachstumshormone ausgeschüttet werden, ist das Phänomen Wachstumsschmerz ganz überwiegend ein nächtliches. Am Tag – sowohl vor als auch nach der betreffenden Nacht – geht es den Kindern gut. Meist sind vier- bis sechsjährige, manchmal bis zehnjährige und ältere Kinder betroffen.

Mögliche Ursachen

Auslösende oder verstärkende Faktoren für Wachstumsschmerzen sind nicht eindeutig auszumachen. Beobachtungen zufolge können die Beschwerden besonders nach einem körperlich sehr aktiven Tag auftreten oder wenn die Kinder sich vermehrt in Fehlhaltungen befinden. Ebenfalls scheinen Kinder in Konfliktsituationen oder bei Kummer häufiger unter den Beschwerden zu leiden, sodass psychosoziale Faktoren eine Rolle spielen können. In der Regel kommt es aber ohne vorhersehbare Gründe dazu. 

Zu der Frage, welche Abläufe im Körper so schmerzhaft sind, gibt es verschiedene Vermutungen. So beispielsweise, dass es sich um einen Spannungsschmerz an der Knochenhaut handelt. Dieser entstehe, wenn der Knochen besonders schnell wachse und die
umgebenden Weichteile angespannt werden. Außerdem könne der wachsende Knochen ermüden und damit das Leiden auslösen.

Was helfen kann – vor allem Trösten 

Die Kinder zu trösten, sie zu massieren und ihnen Wärme und Geborgenheit während der Schmerzphase zu geben, hilft oft schon sehr. Eltern können  außerdem ausprobieren, b em ind Wärme oder Kälte guttut, dies empfinden alle anders. Bei starken Schmerzen können auch kindgerechte Schmerzmittel, zum Beispiel in Zäpfchenform hin und wieder verabreicht werden. Für die Eltern ist es sehr  wichtig zu wissen, dass die Schmerzursache harmlos und die Prognose sehr gut ist.

Ausschlussdiagnostik

Da sie nicht eindeutig erwiesen sind, ist der Befund „Wachstumsschmerzen“ nach medizinischer Untersuchung eine Ausschlussdiagnose. Wenn die Beschwerden besonders häufig auftreten und von den als typisch zu betrachtenden Symptomen der Wachstumsbeschwerden, beispielsweise indem sie immer an derselben Stelle zu spüren sind, abweichen, sollten im Rahmen einer Ausschlussdiagnostik andere Erkrankungen mit ähnlicher oder gleicher Symptomatik ausgeschlossen werden. Im Gegensatz zu den Wachstumsschmerzen önnen eispielsweise Frakturen, Tumore, Rheuma, Hüftschnupfen oder Infektionen durch verschiedene diagnostische Verfahren wie  Blutanalysen oder Computertomografie ermittelt werden. Zudem gehen diese Krankheiten oft auch mit weiteren Anzeichen einher, wie etwa Gelenksteifigkeit  oder Fieber.

von Stefanie Zerres

Orthopress 2/19

 

 

Fragen und Antworten

Was passiert bei Wachstumsschmerzen?

Von Wachstumsschmerzen spricht man, wenn Kinder unter kurzzeitig anhaltenden, meist nachts auftretenden Schmerzen leiden. Meist sind sie in den Beinen lokaklisiert und hören von selbst wieder auf.

Was kann man tun bei Wachstumsschmerzen?

Handelt es sich um harmlose Wachstumsschmerzen, können Sie die Beschwerden Ihres Kindes lediglich lindern. Ein Wärmflasche auf der schmerzenden Stelle, ein warmes Bad und vor allem viel Zuwendendung können hilfreich sein.

Wie lange kann man Wachstumsschmerzen haben?

Insgesamt dauert eine Wachstumsschmerzphase etwa zwei Wochen. Anschließend hat man in der Rege für ein halbes Jahr Ruhe.

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