Venenerkrankungen

VonKlaus Bingler

Gestörter Blutfluss in den Beinen

Besonders in den unteren Extremitäten kann es zu Erkrankungen der Adern kommen, die das Blut zum Herzen zurückbefördern sollen. 

Sauerstoffangereichertes Blut wird vom Herz durch die Arterien in den Körper gepumpt. Zurück zu Herz und Lunge gelangt das verbrauchte Blut über die häufig parallel liegenden Venen. Den Venen in den unteren Extremitäten kommt dabei eine besonders anspruchsvolle Aufgabe zu: Sie müssen das Blut entgegen der Schwerkraft nach oben befördern. Ermöglicht wird das durch die Kraft der Beinmuskulatur und die Venenklappen, die eine Art Rückschlagventil sind und den Rückfluss nach unten verhindern. Venenerkrankungen werden in akute (zum Beispiel Entzündungen) und chronische (zum Beispiel Krampfadern) unterteilt.

Besenreiser – meist harmlos

In vielen Fällen kommen Besenreiser alleine vor und sind dann – wenn überhaupt – ein optisches Problem. Feine Gefäße scheinen dunkelblau und gekräuselt unter der Haut hervor. Besenreiser können aber auch ein Begleitsymptom von Krampfadern und einer Veneninsuffizienz sein. Eine Sonderform stellen stauungsbedingte Besenreiser dar. Sie befinden sich halbkreisförmig in der Nähe des Innenknöchels und können unbehandelt zu einem offenen Bein (Ulcus cruris) werden. Entfernt werden können Besenreiser bei Bedarf durch Verödung mittels Laser- oder Lichttechnik von außen oder mithilfe injizierter Mittel von innen. 

Krampfadern – beobachten und eingreifen, wenn nötig

Auch Varizen, sogenannte Krampf-adern, können rein optisch stören und ansonsten symptomlos verlaufen. Kommen jedoch Beschwerden wie schwere und schmerzende Beine hinzu, haben die Veränderungen Krankheitswert. Zu den Verdickungen und Erweiterungen der Adern kommt es, wenn die Venenklappen nicht mehr richtig funktionieren. Dann staut sich das Blut und übt Druck auf die Gefäße aus. Zur genauen Beurteilung werden in der Regel Ultraschalluntersuchun-gen, die sogenannte Farbduplexsonografie, durchgeführt. Damit können auch tiefer liegende Varizen, die nicht gut sicht- und tastbar sind, beurteilt werden. Konservative Möglichkeiten, die Beschwerden zu lindern, bietet die Kompressionstherapie mittels spezieller Strümpfe. Soll eine Krampfader entfernt werden, stehen verschiedene minimalinvasive Methoden zur Verfügung, bei denen entweder die veränderte Ader herausgezogen (Stripping) oder von innen mittels Verödung oder Verklebung verschlossen wird.

Venenthrombose

Beinvenen sind recht häufig der Ort, an dem eine Thrombose auftritt. Dabei ist die Vene durch ein Blutgerinnsel verstopft. Das Bein schmerzt und ist geschwollen. Bei Verdacht auf eine Thrombose sollte ein Arzt aufgesucht werden, da die Gefahr einer Embolie besteht, wenn nämlich ein Teil des Gerinnsels abgetrennt mit dem Blutstrom weitergeschwemmt wird und ein anderes Gefäß, zum Beispiel in der Lunge, verstopft. Auch Folgen wie eine dauerhafte Venenschädigung und das postthrombotische Syndrom gilt es zu verhindern. Bei einer sogenannten Thrombolyse werden Medikamente verabreicht, die das Blut-gerinnsel, den Thrombus, auflösen sollen. Sie wird allerdings heute nur noch selten durchgeführt. Meist werden Medikamente zur Gerinnungshemmung verabreicht, damit sich das Gerinnsel nicht weiter vergrößert. 

Entzündete Venen

Meist ist eine Venenentzündung (Phlebitis) eine Begleiterkrankung anderer Leiden, wie einer Krampfadererkrankung oder einer Beinvenenthrombose. Es können aber auch Krankheitserreger in die Ader eingedrungen sein, beispielsweise durch einen Katheter. Es kommt zu Schmerzen, Rötungen und Schwellungen. Behandelt werden kann mit entzündungshemmenden Salben oder Tabletten. 

von Stefanie Zerres aus ORTHOpress 2/19

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