Krampfadern: Weltweit neue Hi-Tech-Behandlung

Neue minimalinvasive Behandlungsmethode hinterläßt kosmetisch optimale Ergebnisse – die Zeit der unansehnlich vernarbten Unterschenkel ist unwiederruflich vorbei

Die Venen sind ein wichtiger Bestandteil unseres Gefäßsystems. Sie führen das Blut, mit welchem die Arterien unseren Körper versorgen, wieder zurück zum Herzen. Ein natürliches Ventilsystem – die Venenklappen – sorgt dabei dafür, dass z.B. in den Beinen kein Rückstau auftreten kann. Bei Menschen mit Bindegewebsschwäche kann es jedoch zu einer Erweiterung der Venen kommen. Diese macht sich dann unangenehm bemerkbar, wenn sie so weit fortgeschritten ist, dass die Venenklappen ihre Ventilfunktion nicht mehr aufrechterhalten können. Die Folge ist eine Blutansammlung in den Venen, die sich vergrößern und «varikös» werden, so der medizinische Fachausdruck für die unansehnlichen, verhärteten Krampfadern, die in den Augen vieler einen kosmetischen Makel darstellen. Aber auch wenn es vielfach so gesehen wird: Krampfadern sind nicht nur ein kosmetisches Problem. Wenn die natürliche Pumpfunktion unserer Venen nicht mehr optimal funktioniert, leidet auch die Gesundheit darunter. Schwere, schmerzende Beine sind die Folge. Man geht heute davon aus, dass mindestens 25% der Frauen und 15% der Männer in ihrem Leben unter Krampfadern leiden werden. Wer seine Krampfadern wieder los werden will, hat letzlich keine Alternative zur Operation. Bisher kein kleiner Eingriff, wie die Kölner Fachärzte für Chirurgie der Klinik beethoven 5.13, Dr. Jürgen Wagenknecht und Dr. Friederike Bach wissen. Orthopress sprach mit ihnen über eine neue Methode zur Operation von Krampfadern, der «Transilluminierten motorgetriebenen Phlebektomie».

Frau Dr. Bach, Herr Dr. Wagenknecht, die Entfernung von Krampfadern ist in der Regel eine relativ lang dauernde und auch schmerzhafte Operation. Woran liegt das?

Viele Patienten haben den Eindruck, man könne nach einem kleinen Schnitt die Krampfadern “ziehen”. Dies ist jedoch nur selten der Fall. Tatsächlich sind meist viele kleine Schnitte erforderlich, um jeweils ein mehr oder weniger langes Teilstück der Krampfader zu entfernen. Nicht wenige Patienten sind daher mit dem kosmetischen Erfolg des Eingriffs nicht wirklich zufrieden.

Aber es gibt doch auch die Möglichkeit, Krampfadern per Laser zu veröden. Ist dies nicht sehr viel schonender für den Patienten?

Die Laserverödung wird im wesentlichen nur bei der Behandlung der so genannten Besenreiser angewandt; dass sind kleinste Adern in der Haut, die sich erweitert haben und mit Blut gefüllt sind und deshalb durch die Haut als hellrote Gefäßbäumchen oder dunkelblaue Äderchen sichtbar sind. Besenreiser selbst sind zwar meist nur ein kosmetisches Problem, können aber auch auf eine ernsthafte Venenschwäche hinweisen.

Wie funktioniert nun die «Transilluminierte motorgetriebene Phlebektomie», und welche Vorteile bringt sie für den Patienten?

Bei diesem Verfahren wird zunächst der zu behandelnde Bereich angezeichnet. Dies ist notwendig, da die Ausdehnung der Krampfadern unter Belastung (also im Stehen) am besten sichtbar wird. Über einen kleinen Schnitt wird danach endoskopisch eine Lichtquelle unter den Krampfadern platziert. Diese ermöglicht dem operierenden Arzt eine wesentlich bessere Sicht auf die zu entfernenden Venen. Dann wird über eine weitere Öffnung ein so genannter Resektor an die Krampfadern herangeführt. Dies ist ein Gerät, mit welchem das krankhafte Gewebe schonend entfernt und gleichzeitig abgesaugt werden kann. Damit können nun unter optimaler Sicht die Krampfadern beseitigt werden.

Der besondere Vorteil dieser Vorgehensweise liegt dabei in der geringen Traumatisierung: Während bei der herkömmlichen Krampfaderentfernung immer viele Schnitte benötigt werden, um die Venen aufzusuchen, benötigt man bei der «Transilluminierten motorgetriebenen Phlebektomie» lediglich einen Zugang für den Resektor und einen für die Lichtquelle, beide jeweils nicht größer als nur etwa 5 mm.

Wie lange dauert der Eingriff, und kann er unter örtlicher Betäubung durchgeführt werden? 

Die Operation erfolgt unter einer so genannten Tumeszenz-Lokalanästhesie; das bedeutet, dass mit der Betäubung vorübergehend eine leichte Schwellung im Operationsgebiet verursacht wird. Damit sinkt die Gefahr von Hautblutungen und Blutergüssen während und nach dem Eingriff. Die Dauer der Operation ist natürlich abhängig von Anzahl und Größe der zu beseitigenden Krampfadern. In jedem Fall dauert aber ein herkömmlicher Eingriff länger: Nicht nur erfordert die Art der Operation selbst mehr Zeit, auch ist die Versorgung der vielen kleinen Schnitte aufwendiger.

Wie sieht die Nachsorge aus? Muss der Patient spezielle Kompressionsstrümpfe tragen?

Nach dem Eingriff wird ein Kompressionsverband angelegt, der mindestens 48 Stunden lang getragen werden sollte. Dadurch wird die Gefahr von Einblutungen vermieden. Die Tumeszenz-Lokalanästhesie kann unter Umständen zu einer vorübergehenden Taubheit im Behandlungsgebiet führen. Erfahrungsgemäß verschwinden diese Nebenwirkungen jedoch innerhalb von kurzer Zeit.

Sollte man seine Krampfadern auch dann behandeln lassen, wenn sie nicht als kosmetisch störend empfunden werden? Ist es nicht besser, jeden Eingriff nach Möglichkeit zu vermeiden? 

Das kommt natürlich auf die Schwere der Erkrankung an. Wenn Befindlichkeitsstörungen wie etwa ein Brennen oder auch allgemein “schwere Beine” auftreten, dann kann eine Operation auf jeden Fall Linderung bringen.

Bei der Operation werden ja Adern entfernt. Wirkt sich das nicht negativ auf die Durchblutung aus?

Nein. Bereits kurz nach der Operation übernehmen kleinere, benachbarte Beinvenen die Aufgabe der entfernten Varizen. Nach und nach dehnen sich diese so aus, dass die frühere Funktion zu 100% wieder hergestellt wird. Die Angst, durch das Entfernen der Krampfadern könne es zu verminderter Durchblutung der Beine kommen, ist daher unbegründet.

Viele Patienten haben bereits zwei- oder dreimal ihre Krampfadern operieren lassen. Woran liegt das? Kann eine Krampfaderbehandlung überhaupt auf Dauer erfolgreich sein?

Auch diese Gefahr ist mit der «Transilluminierten motorgetriebenen Phlebektomie» erheblich geringer geworden, da der Operateur durch die Ausleuchtung leicht alle – auch kleinere und von außen noch kaum sichtbare – Krampfadern erkennen und beseitigen kann. In der Vergangenheit konnten oft nicht alle Krampfadern restlos beseitigt werden, so dass nach kurzer Zeit wieder die Symptome auftraten. Generell ist es aber natürlich so, dass die Bildung von Krampfadern auf einer Bindegewebsschwäche beruht. Diese bleibt bestehen, auch wenn die Krampfadern erfolgreich entfernt wurden. In der Regel sind die Patienten jedoch für viele Jahre beschwerdefrei.

Frau Dr. Bach, Herr Dr. Wagenknecht, herzlichen Dank für das Gespräch!   

 

ORTHOpress 4 | 2001

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