Problemzone Halswirbelsäule

VonKlaus Bingler

Die Halswirbelsäule (HWS) ist der beweglichste Teil der Wirbelsäule. Sie besteht aus sieben Wirbeln und verbindet unseren Schädel mit dem Rumpf. Außerdem beherbergt sie zahlreiche Rückenmarksnerven und Blutgefäße, welche der Versorgung von Kopf, Schultern und Gliedmaßen dienen. Die starken Belastungen, denen sie ausgesetzt ist, machen die Halswirbelsäule anfällig für zahlreiche Probleme und Beschwerden.

Schmerzen, die vom Hals ausgehend Kopf, Schultern und/oder Arme betreffen, werden unter dem Begriff HWS-Syndrom zusammengefasst. Die möglichen Ursachen dafür sind äußerst vielfältiger Art. Unmittelbare Auslöser sind häufig Muskelverspannungen im Nacken, oft hervorgerufen durch Fehlhaltungen, beispielsweise bei der Arbeit am Computer. Aber auch psychische Faktoren wie Stress und Überlastung spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Der Volksmund spricht daher zu Recht davon, dass uns Probleme, die besonders hartnäckig sind, „im Nacken sitzen“. Besonders unangenehm für die Betroffenen wird es, wenn sich zwei Wirbelkörper im Nacken verschieben. Dann kommt es zu einer akuten Blockierung. Die Folgen sind eine eingeschränkte Beweglichkeit und meist auch starke Schmerzen. Manchmal jedoch ist die Ursache für Nackenprobleme sehr banaler Natur und besteht möglicherweise einfach nur darin, dass man zu lange in kalter Zugluft gesessen hat. Weitere Faktoren, die einen Einfluss auf die Entstehung von HWS-
Symptomen ausüben können, sind entzündliche rheumatische Prozesse und degenerative Veränderungen. Beispielhaft hingewiesen sei hier auf das Facettensyndrom, eine Erkrankung der kleinen Wirbelgelenke, oder die sogenannten Osteophyten, kleinere Knochenvorsprünge, die sich an den Wirbelrändern bilden. Krankhafte Veränderungen an der Wirbelsäule, die zu Nackenschmerzen führen, können sowohl erworben als auch angeboren sein. Einzelne Wirbelkörper, Wirbelbögen oder Wirbelfortsätze etwa können in ihrer Form verändert sein. So ist bei manchen Menschen zum Beispiel der erste Halswirbel, der Atlas, mit dem Hinterhauptbein verwachsen. Der medizinische Ausdruck dafür lautet Atlasassimilation. Bisweilen sind Bandscheibenvorfälle Ursache eines HWS-Syndroms. Manchmal steht dieses auch in Verbindung mit Kieferproblemen, unter Umständen auch mit einer Hirnhautentzündung oder Knochentumoren. 

Zu den Symptomen, die bei einem HWS-Syndrom auftreten können, gehören:

• Druck- und Klopfschmerzen im Nacken- und Schulterbereich, die sich bei Bewegungen des Kopfes verstärken und bis in die Arme ausstrahlen können

• Verspannte Muskeln in Nacken und Schulter

• Empfindungsstörungen in Nacken, Schulter oder Armen – in Form von Kribbeln oder Taubheitsgefühlen, im Extremfall bis hin zu Lähmungen in Armen und Fingern

• Kopfschmerzen, insbesondere am Hinterkopf 

• Schwindel und Übelkeit

• Schlafstörungen

• Schluckbeschwerden

• Hörstörungen, insbesondere Tinnitus, in extremen Fällen bis hin zur Taubheit

Die Suche nach der Ursache

Dauert ein HWS-Syndrom mehrere Wochen an und bleibt unbehandelt, droht die Gefahr, dass es chronisch wird und die Betroffenen sich, um Schmerzen zu vermeiden, eine dauerhafte Fehlhaltung angewöhnen. Deshalb ist es ratsam, rechtzeitig einen Arzt aufzusuchen, um die Symptome abzuklären. Zu Beginn der Diagnose führt der behandelnde Arzt ein Anamnese-Gespräch mit dem Patienten. Dabei gilt es zu klären, wie lange die Beschwerden bereits bestehen, wie langsam oder schnell sie sich entwickelt haben oder ob der Patient möglicherweise vor Kurzem einen Unfall erlitten hat. Im Rahmen der anschließenden körperlichen Untersuchung überprüft der Arzt die Beweglichkeit von Nacken, Schultern und Armen. Außerdem testet er die Muskulatur auf Verspannungen, Verhärtungen und druckempfindliche Bereiche hin. Ziel ist es, herauszufinden, welcher Art die Beschwerden sind und wo ihre Ursache liegt. Bei Bedarf wird die Diagnose durch bildgebende Verfahren wie Röntgen oder Magnetresonanztomografie ergänzt. 

Manualtherapeutische Maßnahmen können oft viel bewirken

In sehr vielen Fällen lässt sich ein HWS-Syndrom durch manualtherapeutische und andere Maßnahmen wirksam behandeln. Dabei können folgende Methoden zur Anwendung kommen:

• Wärmeanwendungen zur Entspannung der Muskulatur

• Diverse Massagetechniken

• Krankengymnastik, um die Muskulatur zu kräftigen

• Manuelle Therapieformen zur Mobilisation der einzelnen Wirbel-gelenke; eine Spezialform ist die sogenannte Vitametik, bei der gezielte nervalreflektorische Impulse an einer bestimmten Stelle der Halsmuskulatur ausgelöst werden.

• Osteopathie

• Bei Bedarf Kiefergelenks-behandlungen

Kurzfristig hilfreich sein kann auch eine medikamentöse Therapie. Schmerzlindernde Arzneimittel (Analgetika) dienen der Milderung der schmerzhaften Symptome. Bei Bedarf bringen Anti-rheumatika oder muskelentspannende Wirkstoffe, sogenannte Relaxanzien, Erleichterung. Liegt den Beschwerden eine andere Erkrankung wie zum Beispiel ein Tumor zugrunde, so steht deren Behandlung im Vordergrund.

Nackenschmerzen als Notfall

Plötzlich auftretende starke Schmerzen im Nacken können unter Umständen ein Anzeichen für einen Herzinfarkt oder eine akute Erkrankung der Hauptschlagader, ein sogenanntes akutes Aortensyndrom, sein. Insbesondere dann, wenn die Beschwerden mit heftigem Schwindel, hohem Fieber oder Benommenheit einhergehen, sollte umgehend der Notarzt informiert werden.

Schleudertrauma und Folgen

Häufig treten Beschwerden im Halswirbelbereich im Zusammenhang mit einem Schleudertrauma auf, einer typischen Folge von Auffahrunfällen. Dabei wird der Kopf einer plötzlichen Beschleunigung ausgesetzt und ruckartig überstreckt, bevor er anschließend wieder abgebremst wird. Die dadurch verursachten Schmerzen – meist im Nacken und Hinterkopf – machen sich häufig erst eine gewisse Zeit nach dem Unfallgeschehen bemerkbar. Durch die starken Verspannungen der Muskulatur wird zudem meist die Beweglichkeit der Halswirbelsäule eingeschränkt.

Vorbeugen ist immer besser als Heilen

Um einem HWS-Syndrom vorzubeugen, sollte man sich um einen kräftigen Rücken und eine aufrechte Körperhaltung bemühen. Zu diesem Zweck kann der Besuch einer Rückenschule sinnvoll sein. Es gibt zahlreiche Übungen, mit denen man seine Rückenmuskulatur, sei es in einem Kurs oder zu Hause, trainieren kann. 

von Klaus Bingler

 

 

Fragen und Antworten

Kann ein HWS-Syndrom Schwindel auslösen?

Wenn Verspannungen in der Halswirbelsäule auftreten, kann dies die Funktion der Hirnnerven beeinflussen. Die Folgen können Schwindel und Tinnitus sein.

Was versteht man unter Nackensteifheit?

Als Meningismus bezeichnet man eine schmerzhafte Nackensteifigkeit, die vor allem als Folge von Erkrankungen der Hirnhäute entsteht. Schmerzen und Verspannungen der Nackenmuskulatur verhindern, dass die Betroffenen ihren Kopf aktiv zur Brust beugen können.

Wie macht sich ein Schleudertrauma bemerkbar?

Nachdem das auslösende Ereignis eingetreten ist, dauert es in der Regel einige Stunden, bis sich die ersten Beschwerden bemerkbar machen. Dazu gehören typischerweise zunehmende Kopf- und Nackenschmerzen und starke Muskelverspannungen im Nacken.

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