Kyphoplastie – Hoffnung bei Wirbelkörperbrüchen

Osteoporose ist ein Krankheitsbild, welches weltweit für viele Schmerzen verantwortlich ist. Und obwohl die medikamentöse Therapie ständig weiterentwickelt wird, gilt: Vorsorgen ist besser als heilen.

Patienten mit bestehender Osteoporose sind insbesondere bei scheinbar harmlosen Unfällen stark gefährdet. Schon das etwas zu harte Platznehmen auf einem Stuhl oder ein plötzliches Beugen des Körpers können zum gefürchteten Wirbelbruch führen. So wurden in Europa allein im Jahr 2000 23,7 Millionen Wirbelkörperbrüche registriert! Die bisherige Behandlung besteht aus Bettruhe, Schmerztherapie und ggf. dem Einsatz eines speziellen Mieders. Letztendlich bringt diese Therapie neben vergleichsweise hohen Kosten die bekannten Risiken einer längeren Bettruhe bei den meistens älteren Patienten mit sich (Thrombose, Lungenentzündung). Sie bedeutet aber auch eine längere Schmerzphase, in welcher die Aktivität des Patienten extrem eingeschränkt ist. Außerdem droht durch das Zusammensintern (Einsacken) des gebrochenen Wirbels eine deutliche Verkrümmung der Wirbelsäule, weiß der Neurochirurg Dr. Patrick Simons von der Kölner MediaPark Klinik: „Eine Versteifungsoperation durch Verschrauben mehrerer Wirbelkörper, wie sie bei anderen Brüchen möglich ist, oder auch der Einsatz von Prothesen ist hier nur wenig erfolgversprechend. Chirurgen sprechen von ‚Schrauben in nassem Brot‘.“ 

Um der Wirbelsäule die Stabilität wiederzugeben, wurden daher in der Vergangenheit bereits mehrere Techniken ausprobiert, die meisten davon aber wieder verworfen. Dr. Simons: „In den Neunzigerjahren wurde in Frankreich eine Therapie entwickelt, bei der über dünne Sonden die Knochensplitter des eingebrochenen Wirbels mit Knochenzement ‚verklebt’ wurden. Die Gefahr bei dieser Behandlung lag jedoch in dem hohen Druck, der notwendig war, um den Zement einzubringen: Es bestand die Gefahr, dass der Knochenzement in den Nervenkanal eindrang.“

Die US-amerikanische Firma Kyphon hat nun eine neue Technik, die »Kyphoplastie« entwickelt. Hier wird in Vollnarkose über zwei Kanülen ein Ballon in den eingebrochenen und zusammengesackten Wirbel gebracht. Durch das Aufblasen des Ballons entsteht eine Art von Hohlraum, um den die Knochensplitter eine feste Wand bilden. Gleichzeitig wird der Wirbel wieder aufgerichtet, so dass die Wirbelsäule ihre Form wieder erlangt. In dem Hohlraum kann jetzt ohne wesentlichen Druck mit Knochenzement der Wirbel gefestigt werden und so seine ursprüngliche Stabilität größtenteils wieder erlangen.

Und diese Technik hat nicht nur medizinische Vorteile, erläutert Dr. Simons, der als einer der ersten Ärzte in Deutschland speziell für den Einsatz dieser neuen Technik geschult wurde: „Mit der Kyphoplastie kann der durchschnittliche Aufenthalt im Krankenhaus bei Wirbelkörperfrakturen von 17 auf 3 Tage reduziert werden. Das Tragen eines Mieders entfällt gänzlich. Trotz hoher Materialkosten von € 3500 spart die Versicherung pro Patient mindestens € 1500!“

 

aus ORTHOpress 2 | 2002

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