Künstlicher Gelenkersatz ist keine Frage des Alters

Maximale Expertise in der ATOS Orthoparc Klinik

 

Für den Ersatz von Hüft- und Kniegelenken, z. B. aufgrund einer Arthrose, gibt es heutzutage Standardverfahren, die trotz individueller Besonderheiten schnellen und langlebigen Gelenkersatz versprechen. Aber welche Rolle spielt das Alter eines Patienten für die endoprothetische Versorgung? Dr. Ahmet Ercan, Chefarzt für Endoprothetik an der ATOS Orthoparc Klinik in Köln, hat bereits Tausende Operationen dieser Art durchgeführt.

Herr Dr. Ercan, wie gehen Sie in der Diagnostik vor, wenn jemand mit Hüft- oder Knieschmerzen zu Ihnen kommt?

Dr. Ercan: Das Vorgehen ist immer individuell, einerseits gibt es die Belange der sehr jungen Patienten, andererseits die der sehr alten Patienten. Grundsätzlich ist die Zielsetzung bei beiden gleich: Der Rückgewinn von Lebensqualität, dafür gibt es kein Mindest- oder Maximalalter. Man kann einem 50-jährigen Menschen mit großen Schmerzen und massiven Einschränkungen nicht sagen, dass er zu jung für eine Endoprothese sei und lieber noch 10 Jahre warten solle. Ebenso kann man einem 85-jährigen Menschen, der ansonsten körperlich fit und gesund ist, den Gelenkersatz nicht einfach verweigern. Der Leidensdruck und der Verlust der Lebensqualität ist entscheidend. Wichtig ist die kritische Diskussion der Operationsindikation.

Was für eine Rolle spielt das Alter für den Eingriff?

Dr. Ercan: Je nach Alter müssen verschiedene Risikofaktoren berücksichtigt werden. In jungen Jahren wird versucht, die Bandbreite an konservativen Therapiemöglichkeiten auszuschöpfen, im Alter muss das bestehende Risiko durch die Narkose einkalkuliert werden. Letztlich ist es immer eine Einzelfallentscheidung. Die heutigen Operations-Verfahren wie z. B. die minimalinvasive ASI-Technik sind weniger belastend für die Patienten.

Was sind die häufigsten Ursachen für Arthrose in Hüfte und Knie?

Dr. Ercan: Jüngere Menschen haben öfter Begleitanomalien wie eine Dysplasie oder Nekrose (Durchblutungsstörung), im Alter sind es meist allgemeine Verschleißerscheinungen oder zum Teil Knochenbrüche. Es kommt immer auf die individuelle Ausprägung der körperlichen Einschränkungen an. Der eine Patient hat bereits mit leichter Arthrose starke Schmerzen und ist deutlich in seiner Lebensqualität eingeschränkt, während der andere Patient selbst mit starken Abnutzungserscheinungen kaum Beschwerden angibt. Natürlich müssen die angegebenen Schmerzen mit den klinischen Untersuchungsbefunden und der diagnostischen Bildgebung übereinstimmen. Wenn Beschwerdebild und Untersuchungsergebnisse nicht übereinstimmen, muss die Diagnose hinterfragt werden.

Welche konservativen Möglichkeiten gibt es und wie viel Zeit lässt sich dadurch gewinnen?

Dr. Ercan: Es gibt einige Möglichkeiten der konservativen Behandlung, angefangen mit gezielter Krankengymnastik zur Stärkung der gelenkumgebenden Muskulatur, orthopädische Hilfsmittel, also Bandagen und Orthesen zur Entlastung der betroffenen Gelenkanteile, aber auch medikamentöse Therapie mit verschiedenen Schmerzmitteln oder oralen Chondroprotektiva. Weitere Möglichkeiten sind intraartikuläre Injektionen von Glukokortikoiden, Hya­luronsäure oder auch PRP, also eine Eigenblutbehandlung. Allgemein lässt sich aber sagen: Je weiter fortgeschritten die Arthrose ist, desto weniger effektiv sind konservative Mittel und desto weniger Zeit lässt sich mit ihnen gewinnen. Bei einer Grad-4-Arthrose wird eine Hyaluronsäureinjektion nicht mehr so viel helfen. Nichtsdestotrotz ist eine Operation immer das letzte Mittel der Wahl, da sie unumkehrbar ist.

Wie geht es nach dem Eingriff für den Patienten weiter?

Dr. Ercan: Genauso wichtig wie die OP selbst ist die Nachbehandlung und Nachversorgung. In den ersten Wochen nach dem Einsatz des neuen Kunstgelenks müssen die Patienten intensiv den Gebrauch üben, insbesondere beim Kniegelenkersatz. Das ist am Anfang viel Arbeit, aber nur so kann der Patient das Gelenk gut nutzen und lange Zeit damit zufrieden sein.

Die Standzeit, also die Zeit, die ein künstliches Gelenk im Körper hält, ist mit durchschnittlich 15 – 20 Jahren sehr gut. Man muss aber auch hier das Alter der Patienten bedenken: Je jünger ein Patient ist, desto kürzer ist im Durchschnitt die Standzeit. Das liegt zumeist daran, dass jüngere Patienten das Gelenk intensiver nutzen, dadurch mehr Abrieb erzeugen und das Gelenk sich daher schneller lockern kann. Dennoch erlauben wir unseren Patienten auch Sport zu treiben. Eine Endoprothese soll Lebensqualität einbringen und genutzt werden. Wenn die Patienten beispielsweise vor dem Eingriff sicher Ski fahren konnten, dann dürfen Sie das auch nach dem Eingriff tun.

Herr Dr. Ercan, vielen Dank für das in­teressante Gespräch.

Prof. Dr. med. Joachim Schmidt und Dr. med. Ahmet Ercan

ATOS Orthoparc Klinik GmbH
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