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Keine Angst vor der Wirbelsäulenchirurgie

VonMalte van den Berg

Darstellung eines Bandscheibenvorfalls, welcher mit dem transforaminalen ­(TESSYS ®) oder interlaminären ­(iLESSYS ®) Zugang operiert werden kann.

An der Wirbelsäule können eine Vielzahl von Krankheiten entstehen. Somit ist es nicht überraschend, dass fast jeder zweite Erwachsene im Laufe seines Lebens über Beschwerden an der Wirbelsäule klagt. Sei es ein Bandscheibenvorfall speziell bei jüngeren Personen oder eine Verengung des Spinalkanals (Spinalkanalstenose) aufgrund von Band- und Knochenwucherungen an den Wirbelkörpern oder deren Gelenken, welche sich vor allem bei älteren Patienten bilden, sowie auch Wirbelgleiten oder starke Wirbelsäulenkrümmung. Vor allem mit fortschreitendem Alter und damit einhergehenden degenerativen Prozessen kommen Wirbelsäulen-erkrankungen immer häufiger vor.

Speziell entwickelte Systeme für die Halswirbelsäulenchirurgie ermöglichen die Behandlung dieses Bereichs von vorne (CESSYS ® ventral) oder hinten (CESSYS ® dorsal).

Wenn Beschwerden wiederkehrend oder gar dauerhaft auftreten, werden zunächst konservative Therapiemethoden wie zum Beispiel Physiotherapie, Schmerzmittel, epidurale Injektionen von Steroiden oder selektive Nervenwurzelblockaden angewendet. Scheitern all diese Behandlungen, ist eine Operation die Methode der Wahl.

Patienten verbinden chirurgische Eingriffe an der Wirbelsäule häufig mit einer riskanten und invasiven Operation und haben oft auch Bedenken, diesen Schritt zu gehen. Operationsbedingte Gründe können die Narkosekomplikationen sowie Angst vor Verletzung der Nerven oder dem Kontrollverlust von Körperfunktionen oder Gehvermögen sein. Weitere Faktoren sind die zurückbleibenden Narben oder eine lange Regenerationszeit. Doch wie ist der Stand der heutigen Wirbelsäulenchirurgie? Wie sicher und effizient sind Operationen? Kann durch einen chirurgischen Eingriff die Lebensqualität gesteigert werden?

Neben den offenen oder mikroskopisch durchgeführten Methoden steht den Chi-rurgen auch die endoskopische Wirbelsäulenchirurgie zur Verfügung. Bei der Operation mit dem Endoskop erreicht der Chirurg die Erkrankung des schmerzgenerierenden Bereichs durch einen kleinen Hautschnitt mit minimaler Belastung des umgebenden Gewebes, um die Operationsstelle zugänglich zu machen.

Heute kann die gesamte Wirbelsäule endoskopisch operiert werden. Dafür steht eine Reihe von Systemen für die verschiedenen Anwendungen und anatomisch unterschiedlichen Strukturen bereit. Durch angepasste Länge und Durchmesser sind alle Instrumente optimiert. Es wurden verschiedene Zugangsmöglichkeiten entwickelt. Somit ist es möglich, die Vielzahl an Erkrankungen zu therapieren. Mit dem transforaminalen Zugang (TESSYS ®) wird die Erkrankung von der Seite behandelt. Der interlaminäre Zugang (iLESSYS ®) wird genutzt, wenn die Erkrankung am besten rückseitig operiert werden muss. -TESSYS ® und iLESSYS ® werden hauptsächlich für die Lenden- und Brustwirbelsäule angewendet. Für die Therapie der Halswirbelsäule wurden Methoden entwickelt, welche den Zugang von vorne oder hinten erlauben (CESSYS ®)

Der Chirurg kann durch das Endoskop mehr als 30-fach vergrößert kleinste Strukturen erkennen, wodurch die Erkrankung besser gesichtet und behandelbar ist. Gesundes Gewebe bleibt erhalten und bewegungsrelevante Strukturen wie zum Beispiel das Rückenmark bleiben unberührt. Eine Spülung ermöglicht eine konstante Sicht und spült loses Gewebe weg. Durch die minimalinvasive Methode ist das Risiko für Infektionen nahezu ausgeschlossen und Blutungen treten selten auf. Nach der Operation verbleibt somit lediglich eine kleine Narbe. 

Mit dem Endoskop kann der Chirurg kleinste anatomische Strukturen identifizieren.

Der endoskopisch durchgeführte Eingriff bedarf nicht zwingend einer Vollnarkose, sondern kann mittels Lokalanästhesie und Schlafnarkose durchgeführt werden. Dies ist besonders für ältere Patienten oder Patienten mit Begleiterkrankungen von Vorteil. Somit können Narkoserisiken minimiert werden. Aufgrund der geringen körperlichen Belastung für den Patienten liegt die Dauer des stationären Aufenthalts im Krankenhaus nur bei wenigen Tagen. Die Patienten erholen sich schnell und können schon nach kurzer Zeit wieder in den Alltag zurückkehren.

Immer mehr Studien unterstützen die Vergleichbarkeit oder gar Überlegenheit der endoskopischen Wirbelsäulenchirurgie im Hinblick auf Effizienz, Sicherheit und Lebensqualität gegenüber alternativen chirurgischen Methoden. Des Weiteren belegen Studien, dass eine zeitnahe chirurgische Behandlung bei vielen Indikatoren von Vorteil ist, um speziell Folgeschäden durch die Wirbelsäulenerkrankung gering zu halten.

Diese endoskopischen Wirbelsäulenmethoden entsprechen dem aktuellen Stand der Technik und sind in vielen Ländern etabliert. Die minimale Belastung durch die Operation verhilft dem Patienten zur zügigen Rückkehr in den Alltag sowie zu einem schmerzfreien Leben mit verbesserter Lebensqualität. Der kleine Eingriff hat also eine große Wirkung mit geringem Risiko. Damit kann sehr gut die Angst des Patienten vor einer Wirbelsäulenoperation genommen werden.

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Referenzen:
Muthu S, Ramakrishnan E, Chellamuthu G. Is Endoscopic Discectomy the Next Gold Standard in the Management of Lumbar Disc Disease? Systematic Review and Superiority Analysis. Global Spine J. 2021;11(7):1104-1120. doi:10.1177/2192568220948814.

Petr O, Glodny B, Brawanski K, et al. Immediate Versus Delayed Surgical Treatment of Lumbar Disc Herniation for Acute Motor Deficits: The Impact of Surgical Timing on Functional Outcome. Spine (Phila Pa 1976). 2019;44(7):454-463. doi:10.1097/BRS.0000000000002295.

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