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Kniegelenk mit Maß

VonA.

Kniegelenk mit Maß

Natürliche Funktion durch die richtige Beinachse

Der Ersatz eines Kniegelenks ist heute ein Standardeingriff: Mit deutschlandweit gut 200.000 Operationen im Jahr schließt er immer weiter zu den Hüftgelenken auf. Doch der Unterschied in der Patientenzufriedenheit ist hoch: Bis zu einem Fünftel der Patienten haben nach der Operation noch mit Schmerzen oder Funktionseinschränkungen zu kämpfen, sagt Dr. med. Rainer Weber, Chefarzt Orthopädie, Unfallchirurgie und Endoprothetik in der Helios St. Elisabeth Klinik Oberhausen.

Herr Dr. Weber, warum sind viele Patienten nach der Knie-OP nicht zufrieden?

Dr. Weber: Beim Ersatz eines Hüftgelenks bleibt die Geometrie im Wesentlichen gleich. Wie auch vorher liegt das Kugelgelenk sicher in der Pfanne und wird von einem starken Muskelkorsett umschlossen. Außer bei der Korrektur starker Deformitäten ergibt sich eine gute Rekonstruktion. Beim Kniegelenk ist das anders. Aus der Position und Ausrichtung der Endoprothese kann sich eine stark veränderte Geometrie und damit ein völlig anderes Ganggefühl ergeben. Deshalb muss man alles im Blick haben. Die Kniechirurgie darf nicht nur knochenbezogen sein, sondern bedarf der Einbeziehung und Akzeptanz der Weichteile, wie Knorpel und Muskeln. Die ungewohnte Krafteinleitung und häufig auch ein damit verbundenes Fremdkörpergefühl führen dann bei vielen Patienten zu einer Unzufriedenheit mit dem neuen Gelenk.

Warum ist die Einstellung der Bein-achse so wichtig?

Dr. Weber: Wie auch bei unserem natürlichen Gelenk sorgt eine gleichmäßige Belastung der Kondylen – also der „Kufen“ des Kniegelenks – dafür, dass nicht eine Seite wesentlich schneller verschleißt als die andere. Um das zu erreichen, muss die Beinachse möglichst gerade verlaufen. Bei einem Patienten mit deutlicher Fehlstellung muss sie daher mehr oder weniger stark korrigiert werden, damit die Prothese möglichst lange hält und nicht sofort wieder auf einer Seite abgerieben wird. 

Wie wird die Beinachse korrigiert?

Dr. Weber: Die Ausrichtung der Prothese ist heute das wichtigste Instrument, um eine mechanisch möglichst orthograde Belastung der Prothese und damit auch der Grenzschicht zwischen Knochen und Prothese zu erreichen. Bei sehr starken Fehlstellungen kann darüber hinaus gleichzeitig mit dem Einbau der Prothese eine Umstellungsosteotomie vorgenommen werden. Bei diesem Eingriff werden gelenknah kleine Knochenkeile aus Ober- oder Unterschenkel entnommen, sodass die Beinachse nachher im Idealfall 0 Grad – also 90 Grad zur Prothese – beträgt. Eine Umstellungsosteotomie findet heute jedoch nur noch eher selten statt, etwa nach traumatischen Ereignissen oder Frakturen.

Wie stark darf die Abweichung von der Ideallinie beim Einbau der Prothese sein?

Dr. Weber: Es hat sich gezeigt, dass die Haltbarkeit der Prothese stark abnimmt, wenn sie außerhalb eines Rahmens von ± 3 Grad Abweichung von der Ideallinie liegt. Glücklicherweise können wir heute durch die Navigation während der OP eine so hohe Genauigkeit bei der Implantation erreichen, dass wir sehr nahe an die ideale Beinachse herankommen. In der jüngeren Vergangenheit waren daher – getrieben von den Möglichkeiten der modernen Computertechnik – viele Chirurgen der Meinung, die ideale Beinachse ohne Wenn und Aber erreichen zu müssen. Inzwischen wissen wir aber, dass viele Patienten davon profitieren, wenn sie eine kleine Abweichung vom Idealwert in Kauf nehmen.

Warum ist das so?

Dr. Weber: Viele unserer Patienten leben bereits seit Jahrzehnten oder sogar von Geburt an mit leichten O- oder X-Beinen. Die gesamte Kinematik des Gelenks, also Bandspannung, Sehnen und Muskeln, ist auf dieses „System“ hin ausgerichtet. Oftmals können wir daher ein besseres Ergebnis erreichen, wenn wir es bei einer funktionell tolerablen Fehlstellung von 2 bis 3 Grad belassen. Inwieweit die erzwungene Ausrichtung auf einen bestimmten Wert hin mit der Unzufriedenheit eines Teils der Patienten korreliert, ist Gegenstand von Studien, die aber noch nicht abgeschlossen sind.

Die Einstellung der Bandspannung erfolgt mit der Prothese und ist unerlässlich, um ein gutes Operationsergebnis zu erzielen. Weshalb ist das so?

Dr. Weber: Bei einer Arthrose verschwindet allmählich die schützende Knorpelschicht, welche die Gelenkoberfläche bildet. Damit verliert das Gelenk an Höhe und die Spannung der es umgebenden Bänder sinkt. Das Gelenk wird locker und instabil, was einem weiteren Verschleiß Vorschub leistet. Beim Einbau der Prothese muss nun darauf geachtet werden, die natürliche Spannung wieder herzustellen. Die Bänder müssen einerseits eine sichere Führung des Kniegelenks gewährleisten, dürfen auf der anderen Seite aber nicht so stramm sitzen, dass sie einen zu hohen Gelenkinnendruck bewirken und damit den Bewegungsradius einengen. Auch hierbei hilft uns die Navigation, denn wir können während der Operation jederzeit die Ist-Daten mit der OP-Planung vergleichen und entsprechend reagieren.

Ein großer Teil Ihres Operationserfolgs ist auch die Fast-Track-Recovery, mit der Patienten wesentlich schneller wieder ihrer normalen Tätigkeit nachgehen können. Was ist das Besondere daran?

Dr. Weber: Sehr wichtig ist, dass die Patienten wissen, was auf sie zukommt, sie also informiert als gleichwertiger Partner des Operateurs in den Eingriff gehen. Dazu gehört ein den Umständen entsprechend guter Trainingszustand und die Schulung des Patienten sowie seiner Begleitung. Auch die Anästhesie trägt ihren Teil dazu bei: Ich installiere während der Operation eine Schmerzpumpe. Sie sorgt dafür, dass die Patienten die Hauptschmerzphase als gut erträglich empfinden und schon wenige Stunden nach dem Eingriff mobilisiert werden können. In der Regel benötigen unsere Patienten nach zwei Tagen nur noch herkömmliche Schmerzmittel. Die meisten können nach einer Woche in ihre häusliche Umgebung entlassen werden; nach etwa vier bis fünf Wochen sollte eine Vollbelastung ohne Gehstützen wieder möglich sein.

 

Helios St. Elisabeth Klinik Oberhausen

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