Fußheberparese

VonStefanie Zerres

Fußheberparese

Zu den häufigsten sogenannten neurologischen Ausfallerscheinungen gehört die Fußheberparese, bei welcher der für das Heben des Fußes notwendige Nervenimpuls unterbleibt, sodass keine Kontraktion des Fußhebermuskels erfolgt. Ein normales Gehen und besonders Treppensteigen ist damit nur noch eingeschränkt möglich. Ob sich eine Fußheberparese zurückbildet, hängt dabei wesentlich von der Ursache und der Dauer der Nervenschädigung ab.

Die von einer Fußheberschwäche Betroffenen können das Bein nur noch bewusst mit Muskelkraft bewegen – ein automatisches unbewusstes Voreinandersetzen der Füße ist nicht mehr möglich. Die Fortbewegung ist daher nicht nur erheblich anstrengender, sondern durch die Sturzgefahr auch unfallträchtiger. Durch die fehlende Steuerung der Muskulatur infolge des Ausfalls des Nervus peroneus wird der Fuß insgesamt in seiner Statik beeinträchtigt. Meist wird er bei der Fortbewegung vollflächig oder über den Vorfuß aufgesetzt, sodass kein Abrollen mehr wie beim natürlichen Aufsetzen der Ferse erfolgt. Oft kommt es auch zu einem Krallen der Zehen und einer starken Ermüdung der Hüftmuskulatur, da das Heben des Beins nur noch durch eine Kreisbewegung der Hüfte, die Zirkumdiktion, erfolgt.

Unterschiedliche Ursachen sind möglich

Wie kommt es nun eigentlich dazu? Häufigste Ursache ist eine Schädigung der Reizweiterleitung nach einem Schlaganfall, aber auch durch Muskel- und Nervenerkrankungen wie Multiple Sklerose. Daneben können Hüftgelenksoperationen bei Schädigung des Ischiasnervs (dieser teilt sich oberhalb des Knies in den Nervus peroneus und den Nervus tibialis auf) sowie Eingriffe am Kniegelenk durch eine direkte Verletzung des Nervus peroneus oder eine Druckläsion im Bereich des Fibulaköpfchens eine Fußheberparese nach sich ziehen. Auch Nervenkompressionssyndrome wie ein Bandscheibenvorfall oder eine Spinalkanalstenose können zu einer Fußheberschwäche führen, wenn es zu einer Bedrängung der Nervenwurzeln des 5. Lendenwirbels kommt. Nach wie vor gelten bei einem Bandscheibenvorfall neben Blasen- und Mastdarmstörungen auch Paresen als mögliche Indikation zur sofortigen Operation.

Die Behandlung hängt von der Primärkrankheit ab

Da die Fußheberparese keine eigenständige Erkrankung darstellt, sondern immer als Folge einer anderen Ursache zu sehen ist, muss sich die Behandlung natürlich daran orientieren. Bei einem Schlaganfall oder einer Multiplen Skle-rose ist zwar keine ursächliche Behandlung möglich, wohl aber eine symptomatische Therapie der Ausfälle. Hierzu wird unter anderem seit einigen Jahren erfolgreich die funktionelle Elektrostimulation eingesetzt. So sollen geschädigte motorische Funktionen wiederhergestellt und das Zentrale Nervensystem darauf trainiert werden, die Muskeln wieder korrekt anzusteuern. Ist ein Bandscheibenvorfall oder eine Spinalkanalstenose für die Fußheberschwäche verantwortlich, so kann neben einer Infiltration mit Cortison und abschwellenden Medikamenten sowie einer chi-rurgischen Intervention auch die gezielte Physiotherapie und Kräftigung der Rückenmuskulatur dafür sorgen, dass der Druck auf die Nervenwurzel verringert wird und sich so die neurologischen Symptome langsam zurückbilden. Auch der Stärkung der Fußmuskulatur (z. B. mit Theraband, Igelball oder auch an einem entsprechenden Gerät im Fitnessstudio) kommt eine große Bedeutung zu. Insgesamt ist es jedoch wichtig, dass eine Behandlung so schnell wie möglich erfolgt, bevor wichtige Nervenbahnen für immer untergegangen sind. Bildet sich die Fußheberschwäche nicht zurück, so bleibt den Betroffenen immer noch eine Reihe von Hilfsmitteln, um ein möglichst normales und selbstbestimmtes Leben zu führen, wie etwa eine Fußheberorthese, welche beim Gehen und Treppensteigen die Aufgabe des Fußhebermuskels übernimmt und den Fuß in die richtige Position bringt. Hoffnungen ruhen auch auf der Entwicklung neuartiger implantierbarer Neurostimulatoren, welche die Funktion des Nervus peroneus übernehmen und so den Fußheber korrekt ansteuern sollen.

Der Fußhebermuskel

Der Fußhebermuskel oder vordere Schienbeinmuskel, lat. Musculus tibialis anterior, verläuft auf der Außenseite des Unterschenkels bis hin zum Sprunggelenk. Er endet in einer Sehne, welche von den Bändern des Sprunggelenks umgelenkt wird. Wird durch einen Nervenimpuls der Befehl zum Gehen gegeben, so zieht der Muskel den Fuß nach oben und kippt ihn gleichzeitig nach außen. Kommt es – beispielsweise nach einer längeren Wanderung – zu einer Ermüdung des Muskels, so entsteht der typische Eindruck, dass einen die „Füße nicht mehr tragen“. Der vordere Schienbeinmuskel ist dabei aber nicht nur für das Heben der Füße zuständig, sondern sorgt auch für einen elastischen Stand und hat darüber hinaus eine stoßdämpfende Funktion. 

von Arne Wondracek

aus ORTHOpress 4/17

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