Kniescheibenschmerz – Der beschädigte Schutzschild

VonStefanie Zerres

Kniescheibenschmerz – Der beschädigte Schutzschild

Schutzschild und – vielleicht viel wichtiger – ein Hebel, der zur besseren Kräfteverteilung dient, das sind die Funktionen der Kniescheibe. Medizinisch Patella genannt, ist die Kniescheibe ein wichtiger Bestandteil des größten Gelenkes. Dieses führt viele Bewegungen tagtäglich aus und trägt außerdem die Last des Körpergewichtes. Dadurch und unfallbedingt kann es zu Schäden und Schmerzen an der Knie-scheibe kommen.

Nicht umsonst schützt man bei vielen Sportarten wie Hockey oder Inlineskating die Knie-scheibe. Sie ist bei Beugungen und Streckungen des Beines in Bewegung, indem sie vor- und zurückgleitet. Zur Seite hin bewegt sie sich natürlicherweise nicht viel. Kommt es durch Unfälle oder Erkrankungen zu Abweichungen der physiologischen Bewegungsabläufe, kann dies nicht nur im akuten Fall schmerzhaft sein, sondern auch Folgeschäden, wie einen vorzeitigen Knorpelabrieb, nach sich ziehen. Probleme mit der Kniescheibe sollten also immer ernst genommen und ggf. ärztlich abgeklärt werden. Das sogenannte patello-femorale Schmerzsyndrom ist dabei ein Überbegriff und kann auf verschiedene Ursachen, wie z. B. eine instabile Kniescheibe, Beinfehlstellungen oder Knorpelschäden zurückgehen. 

Patellaluxation

Das Zusammenspiel von der Gleitrinne im Oberschenkelknochen sowie dem Keil der Kniescheibe wird durch Sehnen und Bänder unterstützt und ist daher in der Regel sehr zielgeführt. Bei einer Ausrenkung (Luxation) der Kniescheibe aus dieser Führungsrinne kann es zu Schäden am Gelenk kommen – so beispielsweise an den äußeren Bändern und Kapseln, wenn die Kniescheibe nach außen herausspringt, was am häufigsten der Fall ist. Außerdem kann es je nach Verletzungsgeschehen zu Knochen- oder Knorpelschäden kommen. 

Eine Luxation kann unter großer Krafteinwirkung erfolgen, wenn das Bein mit gebeugtem Knie stark gedreht wird. Eine solche Krafteinwirkung ist meist bei einem Unfall, z. B. beim Sport, gegeben. Allerdings gibt es Voraussetzungen, unter denen es leichter zu einer Luxation kommen kann. Dazu gehören Instabilitäten durch schwache Bänder, Sehnen und Muskeln sowie durch X-Beinfehlstellungen oder bereits in der Vergangenheit erfolgte Luxationen. Auch eine angeborene Deformation der Patella kann dies begünstigen. Eine solche genetisch bedingte Abweichung der physiologischen Kniescheibenform kann sich beispielsweise auch darin äußern, dass das Gleitlager nicht richtig ausgebildet ist.

Eine Luxation, deren Richtung meist äußerlich erkennbar ist, geht in der Regel akut mit starken Schmerzen einher. Das Knie ist schwer zu bewegen. In vielen Fällen springt die Kniescheibe aber bei der Streckung des Knies spontan wieder in ihre ursprüngliche Position zurück. Ist das nicht der Fall, sollte schnellstmöglich ein Arzt die Kniescheibe wieder einrenken. Ein solches manuelles Einrenken kann sehr schmerzhaft sein und wird daher oft unter Narkose durchgeführt. In schwereren Fällen bzw. wenn die Kniescheibe wiederholt herausspringt, kann durch einen chirurgischen Eingriff behandelt werden. Dafür stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, beispielsweise eine Bandplastik, mit der für mehr Führung und Stabilität der Scheibe gesorgt werden soll.

Weitere mögliche Erkrankungen 

Bei dem Patellaspitzensyndrom handelt es sich um eine Reizung der Patellasehne an ihrem Ansatz. Diese schmerzhafte Tendinopathie geht in der Regel auf Überlastung zurück und kann häufig bei Sportlern beobachtet werden. Daher auch die englische Bezeichnung: jumper’s knee. Die Entzündungen in der Sehne können dort zu Kalkeinlagerungen führen.

Die sogenannte Chondropathia patellae, die vor allem bei Mädchen im Wachstumsalter auftritt, ist eine Erkrankung des Knorpels an der Kniescheibenrückseite und verursacht Schmerzen hinter der Kniescheibe. Eine muskuläre Dysbalance oder Bandinstabilitäten können dafür verantwortlich sein. 

Eine Entzündungsreaktion am Ursprung der Patellasehne an der Kniescheibenspitze kann bei der Larsen-Johansson-Krankheit dafür sorgen, dass sich ein Knochenstück der Kniescheibe ablöst und abstirbt. 

Durch eine vergrößerte Gelenkinnenhaut kann das sogenannte Plicasyndrom entstehen. Dabei wirft die Gelenkhaut durch ihre Vergrößerung regelrecht Falten und es kommt zu schmerzhaften Blockaden im Gelenk, die sich mit einem typischen Knack-Geräusch bei Streckung des Knies äußern. 

Durch Unfälle mit Stürzen auf die Knie kann es auch zu einem Knochenbruch der Kniescheibe kommen. 

Bei der sogenannten Patellalateralisation (seitliche Kniescheibe) gleitet die Patella nicht mittig in der Führungsrinne, sondern mehr seitlich. Auf Dauer kann es so zu einem vorzeitigen Knorpelabrieb kommen. Mit einer gezielten Muskelkräftigung lässt sich meist die Kniescheibe wieder zentrieren. 

Viele dieser Erkrankungen sowie allgemeine Überbelastung des Kniegelenks können zu einer Arthrose nicht nur am Kniegelenk selbst, sondern auch an der Kniescheibe führen. Man spricht dann von einer Retropatellararthrose.

Die Kniescheibe (Patella)

Die Scheibe im Knie gehört zu den sogenannten Sesambeinen, das sind kleinere Knochen, die in Sehnen eingelagert sind. Sie dienen einerseits dem Schutz des Gelenks vor dem sie liegen, andererseits vergrößern sie die Hebelwirkung der Sehne, sodass das Gelenk besser und mit geringerer Kraft bewegt werden kann. Die Patella liegt in der Sehne des großen berschenkelmuskels und verbindet so Ober- und Unterschenkel. Ohne die Kraftumlenkung durch sie, wäre das Knie nur sehr schwer zu strecken. Die Kniescheibe hat eine in etwa dreieckige, flache Form. Auf der Unterseite ist sie keilförmig, damit sie – geführt durch eine Rinne am Oberschenkelknochen – bei jeder Bewegung entlang gleiten kann. Beide Gelenkpartner sind zur besseren Gleitung mit Knorpel überzogen. Von oben betrachtet ist die Knie-scheibe gewölbt, was dem Knie sein charakteristisches Aussehen gibt.

von Stefanie Zerres

aus ORTHOpress 2/17

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