Folgen der Bindegewebsschwäche

VonUlrike Pickert

Das Bindegewebe stützt und stabilisiert unsere Körperorgane und trägt durch seine Gleit- und Schiebefunktion zu einer reibungslosen Muskelarbeit bei. Außerdem dient es als Wasserspeicher sowie als Füllmaterial für Hohlräume und beherbergt einen Großteil der Immunabwehrzellen. So vielfältig diese Aufgaben sind, so entsprechend breit ist das Spektrum der Erkrankungen, die bei einer Bindegewebsschwäche auftreten können. Frauen sind von einer Bindegewebsschwäche wesentlich öfter betroffen als Männer. Das hängt damit zusammen, dass ihre Bindegewebsstrukturen weicher sind, was ihnen z. B. während der Schwangerschaft zugute kommt. 

Eine Bindegewebsschwäche kann am ganzen Körper auftreten. Besonders auffällig macht sie sich in  der Haut bemerkbar, etwa in Form der sogenannten Cellulite oder Orangenhaut. Unter dem Einfluss fragwürdiger Schönheitsideale, die von der Kosmetikindustrie dankbar aufgegriffen wurden, hat sie in den letzten Jahrzehnten den Status eines gefürchteten ästhetischen Makels bekommen. Dabei handelt es sich eigentlich nur um eine recht harmlose Dellenbildung auf der Haut, hervorgerufen durch Fettzellen, die an die Oberfläche gelangen. Bei Übergewicht oder besonders schwachem Bindegewebe kann Cellulite schon in jungen Jahren auftreten, mit fortschreitendem Alter sind bis zu 90 Prozent aller Frauen davon betroffen. Folge einer Schwächung des Bindegewebes sind auch die sogenannten Dehnungsstreifen. Sie entstehen dadurch, dass das Gewebe in der Unterhaut zu stark gedehnt wird. Dies geschieht typischerweise in der Schwangerschaft, wenn die Elastizität der Haut aufgrund hormoneller Einflüsse vermindert ist. Sie werden deshalb auch als „Schwangerschaftsstreifen“ bezeichnet. 

Krampfadern sind nicht nur ein kosmetisches Problem

Auch an den Gefäßen kann sich eine Bindegewebsschwäche bemerkbar machen, z. B. in Form der sogenannten Besenreiser. Darunter versteht man kleine Venen, die unter der Haut als dünne Ästchen, sogenannte Gefäßbäumchen, sichtbar werden. Ein echtes gesundheitliches Problem stellen Krampfadern oder Varizen dar. Dabei handelt es sich um knotig erweiterte, geschlängelte Venen, die vor allem an den Beinen auftreten. Sie entstehen, wenn die Venenwände schwach sind und zu wenig Druck durch das umgebende Gewebe aufgebaut wird. Dies führt dazu, dass sich das Blut staut. Schließlich werden die Venen so weit gedehnt, dass sie von den Venenklappen nicht mehr verschlossen werden. Die Folge ist eine Strömungsumkehr, ein sogenannter Blow out: Das Blut fließt nicht mehr zum Herzen, -sondern in Richtung Fuß.

Gebärmuttersenkungen treten vor allem nach den Wechseljahren auf

Schwerwiegende Folgen können auch dann auftreten, wenn Organe durch die Bindegewebsschwäche ihre Stütze verlieren und ihre ursprüngliche Position nicht mehr halten können. Eine relativ häufige Erkrankung bei Frauen, die vor allem nach den Wechseljahren auftritt, ist die Gebärmuttersenkung. Typische Symptome sind ein Druckgefühl nach unten sowie ein Fremdkörpergefühl in der Scheide. Häufig führt eine Gebärmuttersenkung auch zu einer Blasenschwäche. 

Das Marfan-Syndrom kann verschiedene Organe betreffen

Eine lebensbedrohliche Bindegewebserkrankung ist das sogenannte Marfan-Syndrom, an dem etwa ein bis zwei von 10.000 Menschen leiden. Zu den Folgen dieser genetisch bedingten Krankheit gehören überlange Gliedmaßen und überdehnbare Gelenke, aber auch Netzhautablösungen, Aortenaneurysmen und Erkrankungen der Herzklappen. Außerdem können Skelettverformungen auftreten, die zu Beeinträchtigungen anderer Organe wie Herz oder Lunge führen. Da das Krankheitsbild mehrere Organsysteme betreffen kann, ist oft eine disziplinübergreifende Betreuung durch Ärzte verschiedener Fachgebiete erforderlich.

Grundsätzlich kann man Bindegewebsschwäche dadurch entgegenwirken, dass man sich ausreichend bewegt und die Durchblutung fördert, z. B. mit Hilfe von Wechselduschen. Um Hautprobleme zu vermeiden, ist eine wirksame Hautpflege sinnvoll. Eine Rolle spielt auch die richtige Ernährung. Zu empfehlen sind eine ballast- und basenreiche Kost sowie eine ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit. Übergewicht sollte man möglichst vermeiden.

Leistenbrüche sollten operativ versorgt werden

Zu den häufigsten Eingeweidebrüchen gehören Leistenbrüche. Sie können angeboren oder erworben sein. Davon betroffen sind zu 90 Prozent Männer. Man unterscheidet zwischen einem indirekten Leistenbruch, bei dem der Bruchsack durch den Leistenkanal in Richtung Körpermitte, bei Männern zuweilen bis in den Hodensack, wandert, und einem direkten Leistenbruch, bei dem der Bruchinhalt unmittelbar durch die Bauchwand dringt. Zum Beschwerdebild gehören neben einer Schwellung in der Leistenregion stechende Schmerzen im betroffenen Bereich der Leiste, die bei männlichen Patienten bis in die Hoden ausstrahlen können, bei Frauen bis in die Schamlippen. Sehr oft verstärken sich die Schmerzen, wenn der Druck im Bauchraum größer wird, z. B. durch das Tragen schwerer Lasten, Husten, Niesen oder starkes Pressen. Oft jedoch verursacht ein Leistenbruch überhaupt keine Beschwerden und bleibt längere Zeit unentdeckt. Meistens lassen sich Leistenbrüche anhand ihrer Symptome durch eine körperliche Untersuchung leicht erkennen. Wenn sie kleiner sind, ist manchmal eine Ultraschalluntersuchung erforderlich. Da sich ein Leistenbruch in der Regel nicht von selbst zurückbildet und die Gefahr droht, dass es zu einer Einklemmung von Teilen des Darms kommt, sollte dieser in der Regel operiert werden. Bei einem offenen Eingriff dringt man über einen sieben bis zehn Zentimeter langen Schnitt in der Leistengegend bis zur Bruchstelle vor und verschließt sie. Anschließend wird die Bauchwand hinter dem Leistenkanal verstärkt. Heutzutage lässt sich eine Leistenbruch-OP auch minimalinvasiv durchführen. Dazu wird über einen Schnitt von nur einem Zentimeter Länge ein optisches Instrument, ein sogenanntes Laparoskop, in die Bauchhöhle eingeführt. Die Bruchstelle wird mit einem Netz befestigt. In der Regel heilt ein operierter Leistenbruch ohne Komplikationen aus. Falls eine Operation nicht durchgeführt werden kann, besteht die Möglichkeit, ein Bruchband einzusetzen, welches wie ein Gürtel von außen auf die Bruchstelle gelegt wird. Der Austritt eines Bruchs kann so zwar häufig verhindert werden, die Leistenhernie selbst lässt sich auf diese Weise aber nicht heilen.

von Klaus Bingler

aus ORTHOpress 2/2015

Fragen und Antworten

Wie stärkt man schwaches Bindegewebe?

Mit einer ausgewogenen Ernährung, ausreichend Bewegung, Wechselduschen und einer adäquaten Hautpflege kann einer Bindegewebsschwäche zum Teil entgegen gewirkt werden. Übergewicht sollte vermieden werden.

Welche Nahrung stärkt das Bindegewebe?

Es empfiehlt sind eine ballast- und basenreiche Ernährung sowie eine ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit. Übergewicht sollte möglichst vermieden werden.

Was bedeutet schwaches Bindegewebe?

Schwaches Bindegewebe macht sich äußerlich zum Beispiel durch Dellen am Po, am Bauch und an den Oberschenkeln bemerkbar. Während einer Wachstumsphase oder bei Frauen in der Schwangerschaft kann schwaches Gewebe reißen und es entstehen sogenannte Dehnungsstreifen auf der Haut. Auch Krampfadern oder Besenreiser können ein Hinweis auf eine Bindegwebsschwäche sein.

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