Schlafmangel und die fatalen Folgen

VonStefanie Zerres

Rund ein Viertel aller Deutschen leidet irgendwann im Leben einmal unter Schlafmangel, bei etwa 10–15 Prozent kommt es zu einer chronischen Schlafstörung. Die Folgen sind für die Betroffenen sehr belastend, denn neben der allgemeinen Leistungs- und Arbeitsfähigkeit leiden auch Psyche und Privatleben.

„Schlechter Schlaf“ – vielen fällt es auch heute noch schwer, darin einen echten Krankheitswert zu entdecken. Wer schlecht schläft, ist in den Augen nicht weniger Mitmenschen selber schuld. Soll er doch früher ins Bett gehen, vor dem Einschlafen ein Viertel Rotwein trinken oder morgens so zeitig aufstehen, dass er abends wie von selbst ins Bett fällt! Aber so einfach ist es nicht. Menschen mit Schlafmangel sind oft todmüde und erschöpft, können aber trotzdem nicht einschlafen oder wachen immer wieder auf. Bei mindestens 5 % aller Betroffenen führt dieser Teufelskreis aus Müdigkeit und Depression langfristig in die Medikamentenabhängigkeit, weil ständig Schlafmittel als Einschlafhilfe eingenommen werden, oft sogar in Abwechslung mit Aufputschmitteln zur Überwindung der Tagesmüdigkeit.

Wie häufig ist chronischer Schlafmangel?

11 % aller Deutschen beschreiben ihren Schlaf als häufig oder ständig gestört. Rund 20 % aller Patienten in allgemeinärztlichen Praxen geben an, zumindest zeitweilig unter Ein- und Durchschlafstörungen zu leiden. Dabei gilt, dass Frauen in der Regel „schlechter“ schlafen als Männer, und ältere Menschen öfter als jüngere von Beschwerden durch Schlafmangel betroffen sind. Von chronischem Schlafmangel sprechen Ärzte, wenn das Schlafbedürfnis als durch die tatsächliche Schlafdauer ständig nicht gedeckt empfunden wird. Das Schlafbedürfnis ist dabei aber bei jedem Menschen unterschiedlich – es gibt tatsächlich sogenannte „Kurzschläfer“, die mit wenigen Stunden Nachtschlaf auskommen und dennoch nicht den Eindruck haben, schlecht oder zu wenig geschlafen zu haben. Man nimmt heute jedoch an, dass diese Menschen von sich aus eine hohe Schlafhygiene entwickelt haben, sodass sie den Schlaf effektiver nutzen. 

Wie kommt es überhaupt zu Schlafmangel?

„Es gibt verschiedene Ursachen für einen schlechten Schlaf“, sagt der Kölner Schlafmediziner Dr. Lennart Knaack. „Ein organischer Hintergrund wie z. B. eine Schilddrüsenüberfunktion oder eine manifeste Schlafapnoe ist genau so denkbar wie Schlafstörungen als Folge einer medikamentösen Therapie mit Cortison oder ähnlichen Mitteln, die systemisch in den Regelungskreislauf unseres Tag-Nacht-Rhythmus eingreifen. Es hat sich jedoch gezeigt, dass in über 90 % aller Fälle psychophysiologische Ursachen bestehen. Das kann Stress durch hohe Arbeitsbelastung, finanzielle und berufliche Sorgen oder auch einfach nur das berühmte ‚Gedankenkarussell’ sein, welches die Alltagssorgen immer wieder in den Mittelpunkt der Wahrnehmung stellt.“

Schlafquantität ist nicht gleich Schlafqualität

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Formen des Schlafmangels: Bei der ersten reicht der Schlaf rein quantitativ nicht aus – entweder aufgrund von Ein- und Durchschlafstörungen oder aber aus effektivem Mangel an Schlafzeit, wie er bei beruflich oder privat stark eingespannten Menschen vorkommen kann. Bei der zweiten Form des Schlafmangels reicht zwar die Schlafquantität aus, nicht jedoch die Schlafqualität. Das ist zum Beispiel der Fall bei Menschen, die einen sehr leichten Schlaf haben, sodass die zur Erholung notwendigen Tiefschlafphasen nicht oder nicht ausreichend stattfinden. Obwohl sie lange genug schlafen, fühlen sich diese Menschen morgens unausgeruht und wie gerädert. 

Wie behandelt man Schlafmangel? 

Wenn körperliche Ursachen – wie z. B. eine behandlungsbedürftige Schlafapnoe – ausgeschlossen werden können, müssen die Voraussetzungen für einen ungestörten, erholsamen Schlaf verbessert werden. Diese sogenannte „Schlafhygiene“ umfasst zunächst ganz einfache Dinge wie eine ausreichende Abdunklung des Schlafraums, die Wahl einer guten Matratze und das Einstellen einer nicht zu hohen Umgebungstemperatur im Schlafzimmer. Daneben kommen aber auch kognitiven und entspannungsfördernden Techniken, mit denen man „den Kopf freibekommt“, eine große Bedeutung zu. 

von Arne Wondracek aus ORTHOpress 4/12

Fragen und Antworten

Wie erkenne ich Schlafmangel?

Bei Schlafmangel sind die Betroffenen meist tagsüber sehr müde, es können außerdem u. a. Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen sowie Reizbarkeit auftreten.

Was sind die Folgen von Schlafmangel?

Es kann dadurch beispielsweise zu Depressionen, Gewichtszunahme oder Medikamentenabhängigkeit kommen.

Kann man durch Schlafmangel krank werden?

Schlafmangel kann die Entwicklung verschiedener Erkrankungen wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Fettleibigkeit begünstigen.

Über den Autor