Wenn die Fettpölsterchen nicht verschwinden wollen

Zur Bikinifigur durch Liposuktion

Iris Schmidt-Gassmann ist mit den Nerven am Ende: Bereits seit dem Ende der Pubertät plagt sich die heute 28jährige mit ihren „Reithosen“ herum. Dabei geht es nicht um die beim Pferdesport benötigten Beinkleider, von denen lediglich aus naheliegenden Gründen der Name dieses kosmetischen Problems entlehnt wurde. Die Rede ist von den seitlich abstehenden Fettpölsterchen an den Oberschenkeln, die sich selbst intensivstem Training bislang hartnäckig widersetzen. Inzwischen schaut die sportliche Bankkauffrau bewusst weg oder wechselt auf die andere Straßenseite, wenn sie an den attraktiv gestalteten Schaufenstern der Boutiquen in der Essener Innenstadt vorbeigeht. „Es macht einfach keinen Sinn“, erklärt sie ihre Zurückhaltung. „Kaufe ich ein Kleid so, dass es an den Oberschenkeln passt, sitzt der Rest wie ein Kartoffelsack.“

Aber woran liegt es, wenn selbst der Totalverzicht auf Süßes und Sahnesaucen in Verbindung mit einem ehrgeizigen Sportprogramm nicht den gewünschten Erfolg bringt? Dazu der Hattinger Orthopäde und Ästhetische Chirurg Dr. med. Dipl.-Ing. Georg Henze: „Die Fettverteilung im menschlichen Körper wird von zwei Faktoren bestimmt: Vererbung und Ernährung. Während man letztere mit viel Disziplin bei der Nahrungsaufnahme und körperlicher Bewegung gut beeinflussen kann, lässt sich das in unseren Genen gespeicherte Programm, welches unserem Stoffwechsel sagt, wo er die Fettspeicher anlegen soll, (noch) nicht verändern. Mit dem Resultat, dass sich manche – nicht nur junge – Menschen an den Rand einer Gesundheitsstörung hungern. Kombiniert werden diese Kasteiungen oft mit verschiedensten Trainingsprogrammen, Fitness-Kursen und Bodystyling-Übungen. Sie alle sollen zu Waschbrettbauch und makelloser Figur verhelfen. Funktionieren kann das aber nur, wenn die störenden Fettpolster vom Körper so nicht vorgesehen sind und von ‚kleinen Sünden’ der Vergangenheit herrühren. Die angeborene ungleiche Fettverteilung, so auch die erwähnten ‚Reithosen’, zeigen sich zum Leidwesen der Betroffenen meist völlig unbeeindruckt von den Versuchen, sie auf ‚natürliche’ Art und Weise zu beseitigen.“

Also absaugen: Aber wie?

Die operative Entfernung von Körperfett, die sogenannte „Liposuktion“, hat sich in den letzten Jahren zu einer anerkannten Methode bei der Behandlung solcher „Problemzonen“ entwickelt. Dabei gibt es mehrere Verfahren, welche im Prinzip das gleiche Ergebnis bringen sollen. Das war jedoch nicht immer so. Dr. Henze: „Früher waren solche Fettentfernungen große und risikoreiche Eingriffe, bei denen das Fett mehr herausgeschnitten als gesaugt wurde. Die Folge war zum einen, dass man nicht wirklich fein modellieren konnte, und zum anderen, dass die Traumatisierung des Gewebes erheblich war. Durch die großen Zugänge, die für solche Operationen benötigt wurden, gab es ein relativ großes Risiko postoperativer Nachblutungen – ganz zu schweigen vom Infektionsrisiko.“

Ultratumeszenz-Methode: Gleichmäßige Entferung unter Lokalanästhesie

Zum Glück gehören solche Radikalmethoden heute der Vergangenheit an. Mit der von Prof. Dr. Mang mitentwickelten „Ultratumeszenz-Methode“ lässt sich heute gezielt die gewünschte Fettmenge in einem kleinen Eingriff absaugen.

„Über mehrere kleine Einstiche wird dabei zunächst eine spezielle Lösung, welche auch ein lokales Betäubungsmittel enthält, in das Fettgewebe injiziert“, erläutert Dr. Henze. „Dafür ist keine Vollnarkose erforderlich – im Gegenteil: Die aktive Mitarbeit des Patienten während des Eingriffs ermöglicht eine gleichmäßigere Fettabsaugung.“

Die Tumeszenzlösung verflüssigt das Fett, so dass es anschließend über feine Kanülen abgesaugt werden kann. Bis zu 4 Kilogramm Fett können so in einer Sitzung an einer oder mehreren Stellen entfernt werden. Ein Nebeneffekt der Fettabsaugung ist die positive Beeinflussung einer bestehenden Cellulite, welche mittels einer entsprechenden Technik durchgeführt wird, zu welcher der Chirurg allerdings über eine entsprechende Erfahrung verfügen sollte. Eine Antibiotikaeinnahme ist über einen Zeitraum von etwa fünf Tagen erforderlich. „Diese dient jedoch nur der Vermeidung einer Infektion nach der Operation und hat nichts mit der Behandlung selbst zu tun“, betont Dr. Henze.

Gymnastik bereits nach einer Woche möglich

Nach der Operation muss der Patient in der ersten Woche ein spezielles Mieder tragen ­– in den darauffolgenden drei bis vier Wochen allerdings nur noch den größten Teil des Tages. Bereits nach einer Woche kann mit einer entsprechenden Gymnastik begonnen werden. „Nach einem Monat“, so Dr. Henze, „kann in der Regel wieder jede Sportart bedenkenlos ausgeübt werden.“ Das Endergebnis ist nach etwa drei bis vier Monaten zu erwarten – dann sind die kleinen Wunden des operativen Zugangs restlos ausgeheilt und etwaige leichte Schwellungen abgeklungen: Die Silhouette entspricht nun der eines Menschen, der die beseitigten Fettpolster niemals hatte. Dr. Henze weist darauf hin, dass man für einen Maximalerfolg selbst noch einiges tun kann: „Es sollte darauf geachtet werden, dass für die Zeit nach der Operation ein individuelles Trainingsprogramm erstellt wird. So kann der straffe, jugendliche Eindruck optimiert und das gesamte Erscheinungsbild weiter verbessert werden.“

 

aus ORTHOpress 03|2002

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