Verstauchungen nicht verharmlosen

VonUlrike Pickert

Zu einer Distorsion, also einer Verstauchung, kann es schnell kommen, wenn ruckartig ungewohnte und vor allem unphysiologische Bewegungen ausgeführt werden. Ein klassisches Beispiel für ein ursächliches traumatisches Ereignis ist der umgeknickte Fuß. Dazu kann es z. B. beim Hinunterrennen einer Treppe oder einem plötzlichen Ausweichen vor dem Gegner beim Fußballspiel kommen. 

Die Gelenkflächen werden zu sehr voneinander getrennt und/oder gegeneinander verschoben. Dies ist aber kein dauerhafter Zustand wie etwa bei einer Luxation. Doch auch wenn das Gelenk wieder in seine ursprüngliche Position zurückkommt, kann es bei der Überdehnung zu Gewebeschäden kommen. Neben der Distorsion im Fußgelenk kommt es außerdem häufig an der Hand oder dem Knie dazu. Bei einer Distorsion an der Halswirbelsäule, z. B. nach einem Auffahrunfall mit dem Auto, spricht man auch von einem Schleudertrauma. 

Ursache Gelenküberdehnung

Jedes Gelenk hat sein typisches Bewegungsausmaß, seine Grenzen, über die hinaus es nicht ohne Schmerzen bewegt werden kann. Instinktiv überschreiten wir diese Grenzen nicht und wissen, welche Bewegung mit welcher Extremität möglich ist. Die Einschränkungen werden unter anderem durch die gelenkstabilisierenden Bänder vorgegeben. Beispielsweise an dieser Stelle kann es bei Überschreitung der Grenzen durch Unfälle oder unter Gewalteinwirkung auch zu Verletzungen und Schäden kommen. Außerdem kann eine Distorsion der Gelenkkapsel sowie den Muskeln und Faszien schaden. Sie verursacht in der Regel recht typische Symptome: Der betroffene Körperteil schwillt an, schmerzt und ist in seiner Beweglichkeit eingeschränkt. Häufig kommt es auch zu sichtbaren Blutergüssen. Je nach Unfallgeschehen geht eine Distorsion oft auch mit anderen Verletzungen einher. 

Behandlung:  Mit PECH beginnen

Die gute Nachricht: In den allermeisten Fällen lassen sich Distorsionen gut konservativ behandeln und eine Operation ist nicht notwendig. Zuvor sollte aber eine gründliche Diagnose erfolgen, um das Ausmaß der Schädigungen zu kennen. Die äußeren Anzeichen und Symptome können auch auf andere Arten der Verletzungen schließen lassen. So kann eine Verstauchung durchaus schmerzhafter sein als ein Knochenbruch, aber ebenso mit vergleichsweise nur wenigen Beschwerden einhergehen. Wichtig zu prüfen ist beispielsweise, ob es anstatt einer Bänderüberdehnung bzw. - zerrung auch zu einem Riss der Bänder oder zu einem Gelenkknorpelschaden gekommen ist oder ob vielleicht doch ein Knochenbruch mit eventuellen Absplitterungen vorliegt. Bildgebende Verfahren wie Röntgen oder CT- bzw. MRT-Untersuchungen geben darüber Aufschluss und helfen, zu entscheiden, ob ein chirurgischer Eingriff vonnöten ist. In Ausnahmefällen kann bei einer Distorsion des Sprung- oder Kniegelenkes auch eine Arthroskopie durchgeführt werden, um den Schaden zu beurteilen. 

In jedem Fall sollte als Akutbehandlung, also direkt nach dem Unfall, die sogenannte PECH-Regel angewendet werden. Die Abkürzung steht für Pausieren (P), Eis (E) bzw. Kühlen, Kompression (C von der englischen Schreibweise Compression) und Hochlagern (H). Damit kann die Schwellung verringert und Entzündungen sowie Schmerzen können gemindert werden. 

Um Folgeschäden wie eine chronische Gelenkinstabilität, Fehlstellungen oder vorzeitigen Knorpelabrieb zu vermeiden, ist es wichtig, die Verstauchung ausheilen zu lassen. Zur Unterstützung können Bandagen getragen werden. In manchen Fällen kann zur vorübergehenden Ruhigstellung auch eine Schiene, ein Verband oder ein Gips angewendet werden. Bei Schmerzen können entsprechende Medikamente hilfreich sein. Nachdem die Schwellung zurückgegangen ist, sollte auch wieder zur moderaten Bewegung zurückgefunden werden, um eine Muskelschwächung zu vermeiden. 

Eine Distorsion tritt am häufigsten als Sportverletzung auf. Als präventive Maßnahmen können eine gute Sport- bzw. Spieltechnik, ein Untergrund ohne Hindernisse (z. B. Fußballplatz ohne Löcher im Rasen) und eine trainierte Stützmuskulatur das Unfallrisiko verringern.

von Stefanie Zerres

aus ORTHOpress 3/2018

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