Unser Rücken als „Landkarte“

3D-Videoraster-Stereografie ermöglicht Diagnose und Therapiekontrolle ohne Strahlenbelastung

Über drei Viertel der deutschen Bevölkerung leiden zeitweise oder dauernd unter Rückenschmerzen. Die Kosten allein für die Diagnose verschlingen jährlich Unsummen, die sich aber jetzt mit Hilfe einer neuen Untersuchungsmethode deutlich reduzieren könnten. Mit der 3D-Videoraster-Stereografie können die Ursachen für viele Beschwerden schneller und effizienter aufgedeckt werden. 

Ist die aufrechte Haltung schon an sich ein Schwachpunkt beim Menschen, so wird durch die moderne Lebensweise die Wirbelsäule nur zu oft noch weiter belastet. Ständiges, unphysiologisches Sitzen, wie es vor allem die modernen Computerarbeitsplätze mit sich bringen, führt zu Verspannungen, Verkrampfungen, Schmerzen und auf Dauer eben auch zu echten Schäden. Besonders schlimm wird die Situation, wenn ausgleichender Sport fehlt und auch die Freizeit mit einseitigen Tätigkeiten angefüllt ist. Dabei sind es vor allem die feinen, subtilen Belastungen, die über lange Zeit gar nicht wahrgenommen werden, die zu einer dauerhaften Veränderung führen können. Heute ist es vielfach noch sehr schwierig, die genauen Ursachen für die meisten Rückenschmerzen festzustellen. Durch die gängigen Röntgenverfahren können erst schwerere Veränderungen dargestellt werden. Manchmal hilft die Kernspintomografie weiter. Aber die Ursachen werden damit nur selten erkannt, eher werden Folgen damit festgestellt.

Diese Lücke füllt jetzt eine neue Methode, die verblüffend einfach den Ursachen von Rückenproblemen auf die Spur kommt: die „3D-Videoraster-Stereografie“. Dabei handelt es sich um ein dreidimensionales Bild der Wirbelsäule sowie ein komplettes Rasterbild des Rückens. Einer der ersten Mediziner, die in Deutschland diese Methode angewendet haben, ist der Münchner Sportarzt und Orthopäde Dr. Michael Nager. Seit Juli 2000 wurden in seiner Praxis schon etliche hundert Vermessungen vorgenommen. Dr. Nager: „Mit der 3D-Rasterstereografie ist endlich eine Möglichkeit gefunden worden, um Rückenbeschwerden ohne Strahlenbelastungen und großen technischen Aufwand zu visualisieren.“ Ein ganz erfreulicher Nebeneffekt der neuen Methode ist, dass der Patient kaum „Übersetzungshilfe“ des Arztes benötigt, sondern selber am Computer und am Ausdruck feststellen kann, wo seine persönlichen „Schwachstellen“ sind. Damit können dann auch notwendige Therapien zum einen viel verständlicher erklärt und zum anderen auch viel besser kontrolliert werden.

Typische Probleme, die mit dieser Methode sehr einsichtig dargestellt werden können, sind zum einen Beckenschiefstände und Beinlängendifferenzen (die dann durch höhenkorrigierende Schuheinlagen ausgeglichen werden können); zum anderen sämtliche Wirbelsäulenverkrümmungen (von denen laut Statistik besonders junge Frauen betroffen sind) sowie z.B. Hohl-, Flach- und Rundrücken. Aber auch Veränderungen, die Auswirkungen nicht primär am Rücken zeigen, können festgestellt werden. So kann z.B. eine unterschiedliche Gewichtsverteilung auf die rechte und linke Körperhälfte durch die einseitige Belastung zu Kniebeschwerden führen.

Die 3D-Rasterstereografie ist übrigens eine rein deutsche Entwicklung von Diers/Wiesbaden in Kooperation mit Zeiss Optik. Nach Dr. Nager gehört zu den Vorzügen dieses Verfahrens auch, dass die Patienten ein ganz neues Bild von ihrem Rücken bekommen, den sie ja sonst nie selber sehen. Sie können so mit Feststellung der Ursachen leicht motiviert werden Verhaltensänderungen durchzuführen und damit schwerwiegenden Schäden effektiv vorzubeugen.

 

Ein Archivbeitrag* aus ORTHOpress 3 | 2001
*Archivbeiträge spiegeln den Stand zur Zeit der Erstveröffentlichung wieder. Die aktuelle Einschätzung des Sachverhalts kann durch Erfahrungszuwachs, allgemeinen Fortschritt und zwischenzeitlich gewonnene Erkenntnisse abweichen.