Sauna, Dampf oder Infrarot?

Nicht schon bei der Entscheidung ins Schwitzen kommen … 

Noch in den späten 50er-Jahren des 20. Jahrhunderts haftete den damals so genannten „Schwitzkabinen“ der im Nachkriegsdeutschland unwillkommene Geruch der Askese an: Schwitzen war etwas für lustfeindliche Gesundheitsapostel oder (noch schlimmer!) FKK-Anhänger mit zweifelhafter Freizeitbeschäftigung. Zeitgenössische Klamaukfilme zeigten daher auch diese Kabinen gern in Verbindung mit dicken Komikern à la Heinz Erhardt, welche – nur mit dem Kopf wehleidig aus kaum waschmaschinengroßen Apparaten herausschauend – ein Übriges taten, um das gesundheitsförderliche Schwitzen wenig erstrebenswert aussehen zu lassen. –

Das Bild hat sich glücklicherweise dramatisch gewandelt: Schwitzen ist nicht nur in, sondern möglicherweise inzwischen sogar „phat“. Und zwar so sehr, dass es sich kein Fitness-Studio, welches ernsthaft an Umsatz interessiert ist, leisten kann, seinen Kunden keine Sauna anzubieten.

Dabei ist es nicht nur der gesundheitliche Aspekt, der den Saunabesuch so interessant macht: Ein „Saunatag“ – das ist für viele heute einfach „Entspannung pur“. Wo sonst, außer in fernen Urlaubsgefilden, verbringt man ein paar Stunden totaler Ruhe und bei solchen Temperaturen?

Viele Gesundheitsbewusste, die sich den Luxus einer ausgiebigen Erhitzung von Körper und Geist öfter leisten möchten, liebäugeln daher seit Jahren mit der Anschaffung einer Sauna, können sich aber oft auf Grund der hohen Betriebskosten letztendlich doch nicht fürs heimische Schwitzen erwärmen. Eigentlich schade, denn die wenigsten von ihnen wissen, dass heute am Markt mehrere Systeme konkurrieren, die den Traum von der eigenen Sauna durchaus erschwinglich werden lassen. Generell unterscheidet man drei Arten von „Wärmekabinen“:

Die klassische, „finnische“ Sauna erreicht durch einen elektrisch betriebenen Ofen Temperaturen von etwa 45 °C (Boden) bis 100 °C (oben), allerdings bei einer sehr geringen Luftfeuchtigkeit. In zwei, maximal drei Sitzungen von ca. 15 Minuten wird durch den Wechsel zwischen Sauna­bad und der nachfolgenden Abkühlung, die etwa gleich lang dauern sollte, eine Kreislaufanregung und Durchblutungsförderung erzielt. Diese beugt Erkältungskrankheiten vor, hilft rheumatische Beschwerden lindern und steigert ganz allgemein das Wohlbefinden. Zwischenzeitliche Wasseraufgüsse auf den Saunaofen oder in eine spezielle Verdampfungsschale erhöhen vorübergehend die Luftfeuchtigkeit und bringen den Kreislauf so richtig in Schwung; dem Aufguss zugesetzte ätherische Öle sorgen zudem für einen milden Inhalationseffekt. „Saunen“ ist zu einem richtiggehenden Volkssport geworden – kein Wunder, denn die auf die trockene Hitze folgende Entspannung nach einem langen Arbeitstag ist besonders nachhaltig. Und dass das Bier nach einem Saunabesuch durch den Flüssigkeitsverlust doppelt so gut schmeckt, braucht man nicht besonders zu erwähnen (dass es bei ein oder zwei Hellen bleiben sollte, aber hoffentlich auch nicht). Kein Wunder, dass so mancher laut über den Kauf einer Sauna nachdenkt. Eine tolle Sache – aber der Schritt will wohl überlegt sein, wenn nicht schon nach wenigen Wochen die eigene Sauna langsam zum Abstellraum mutieren soll. Bedacht werden muss neben der langen Aufheizzeit vor der Benutzung auch der nicht unerhebliche Stromverbrauch des bulligen Ofens: Wer die Privatsauna letztendlich nur ein- oder zweimal im Monat nutzt, der ist mit einer Zehnerkarte des nächstgelegenen Thermalbads zumindest aus finanzieller Sicht allemal besser bedient. Auch die Räumlichkeiten sollten vorhanden sein – nicht nur für die Sauna selbst: Dusch- und Ruhemöglichkeiten in unmittelbarer Nähe sind wichtig, wenn der Saunabesuch nicht zu umständlich werden soll.

Beim Dampfbad (früher auch als „türkisches Bad“ bezeichnet) erfolgt der Transport der Wärme nicht durch die erwärmte Luft allein, sondern – wie der Name schon sagt – durch Wasserdampf. Im Klartext bedeutet dies: Die Temperatur ist lange nicht so hoch wie in der Sauna (in der Regel nur zwischen 45 und 50 °C), dafür liegt die Luftfeuchtigkeit bei mindestens 50%. Das Dampfbad wird daher rein subjektiv meist als noch heißer empfunden als die Sauna. Der Clou: Durch den Dampf wird die Haut ganz nebenbei porentief gereinigt und hinterlässt den aus kosmetischer Sicht beliebten „Babypopo-Effekt“. Aber auch bei Atemwegserkrankungen ist das Dampfbad durch die befreiende Inhalation eine angenehme Alternative zur Sauna. Der Nachteil: Dampfbäder für den Hausgebrauch sind durch die technisch aufwändige Dampferzeugung eher teuer und daher entsprechend selten zu finden. Überdies versprühen sie mit ihren Kunststoffoberflächen nicht den urigen Charme der meist aus Holz gefertigten Saunen; auf Grund der hohen Luftfeuchtigkeit würde Holz als Material zu schnell altern und auch an die Keimfreiheit werden vom Gesetzgeber wegen der mit der hohen Luftfeuchtigkeit verbundenen Infektionsgefahr höhere Anforderungen gestellt als an eine Sauna. Mögliche Lösung für Saunafreunde, die auch mal Dampf machen wollen: Das Beste aus beiden Welten bietet die so genannte Dampf- oder Kaskadensauna, bei der im Prinzip ein „erweiterter Aufguss“ für längere Zeit das gewünschte feuchte Klima erzeugt. Das funktioniert in der Tat besser, als es sich anhört – jedoch muss auf jeden Dampfeinsatz eine längere Zeit des „trockenen“ Saunabetriebs folgen, damit das Holz nicht unter der Feuchtigkeit leidet. 

Eine eher neue Entwicklung im Saunabereich stellen die Infrarotkabinen dar. Vom medizinischen Standpunkt her gelten sie inzwischen als das Nonplusultra: Dadurch, dass die Erwärmung des menschlichen Körpers nicht über den „Umweg Luft“, sondern durch direkte Strahlung erfolgt, entfalten sie eine einzigartige Tiefenwirkung auf den Organismus. Die Temperatur in der Kabine liegt dabei bei nur 60 °C und die Luftfeuchtigkeit ist gering. So können auch Risikopatienten diese Alternative zur Sauna oft gefahrlos nutzen. Anders als bei der klassischen Sauna reicht ein Gang von etwa 30 Minuten aus, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Dabei wird – anders als in der finnischen Sauna oder im Dampfbad – der Besuch als vitalisierend empfunden: Nicht für jeden ist die bleierne Müdigkeit nach einem Saunabesuch angenehm. Die Infrarotkabine kann daher sogar morgens besucht werden, ohne dass das Tagwerk darunter leidet. Wer an den Einbau einer heimischen Sauna denkt, sollte die Infrarotkabine als Konkurrenz ernsthaft in Betracht ziehen: Zwar ist die Anschaffung mindestens ebenso teuer wie die einer Standardsauna, durch die sehr kurze Aufheizzeit bei der täglichen Benutzung sind die laufenden Kosten jedoch erheblich geringer. Einziger Nachteil: Als soziale Begegnungsstätte sind die Kabinen auf Grund ihrer kleinen Abmessungen nur bedingt geeignet; der Besuch mit Freunden und Geschäftspartnern als „erweiterte Konferenz“ oder Freizeitspaß eher schwer vorstellbar. Für den, der seinen gesundheitlichen Vorteil im Vordergrund sieht, wird dies jedoch kaum ein Kaufhindernis sein: Immerhin haben die Kabinen ja auch den Vorteil, dass man nicht gleich einen ganzen Raum für ihre Installation bereitstellen muss. 

Fazit: Wer einen „Schwitzraum“ als Ausdruck nordischer Kultur zum Teil seiner Umgebung machen möchte, der kommt um die klassische Sauna mit ihrem Zedern- oder Fichtenholzambiente wohl kaum herum, wird aber über den reinen Anschaffungspreis hinaus – häufige Benutzung vorausgesetzt – mit einer spürbaren Erhöhung seiner Stromrechnung rechnen müssen. Reine Dampfbäder wird man wohl auch in Zukunft wegen der eher sterilen Umgebung nicht oft in Privathaushalten finden – sie können aber für den kosmetisch orientierten oder an Atemwegsbeschwerden leidenden Saunafreund durchaus die richtige Wahl sein. Infrarotkabinen schließlich bieten ein Maximum an gesundheitlicher Wirkung – bei attraktiven Unterhaltskosten. Wozu man sich letztendlich entschließt, bleibt eine Entscheidung, die wohl zuallererst mit dem Herzen getroffen wird – schließlich kaufen auch die wenigsten ihr Auto oder ihre Kleidung nach streng medizinischen Aspekten.

 

Ein Archivbeitrag* aus ORTHOpress 4 | 2000
*Archivbeiträge spiegeln den Stand zur Zeit der Erstveröffentlichung wieder. Die aktuelle Einschätzung des Sachverhalts kann durch Erfahrungszuwachs, allgemeinen Fortschritt und zwischenzeitlich gewonnene Erkenntnisse abweichen.