Rückenschmerzen:

Das 5-Stufen-Konzept

Rückenschmerzen haben sich mittlerweile zu einer echten Volkskrankheit entwickelt. Über 60 Prozent aller 30-Jährigen geben heute bereits an, schon einmal an Rückenschmerzen gelitten zu haben. Obwohl nur bei rund der Hälfte davon ein Zusammenhang mit ihrem Beruf besteht, können weniger als 50 Prozent der Patienten, die länger als sechs Monate an Rückenschmerzen leiden, wieder dauerhaft ihre frühere Tätigkeit aufnehmen. Über 60 Prozent aller Berufsunfähigkeits- und Invaliditätsanerkennungsbegehren werden allein wegen Rückenschmerzen gestellt.

Dabei treffen Rückenschmerzen die Sekretärin am Schreibtisch genauso wie den LKW-Fahrer, egal ob alt oder jung. Mal ist es nur ein Zipperlein, mal ein Hexenschuss, oftmals aber sind es auch Nackensteifigkeit, Kopfweh, Schmerzen in Schultern und Armen oder der Ischias, die sich melden.

„Eine Vielzahl von Erkrankungen können die oben genannten Symptome hervorrufen“, erläutert der Kölner Orthopäde Robert Döhmen die Problematik und geht damit gleich auf den für alle Beteiligten entscheidenden Punkt ein: dass nämlich die Beschwerden bei den einzelnen Patienten durch unterschiedliche Veränderungen der Wirbelsäule verursacht sein können, die es genau zu unterscheiden gilt. Zusammen mit René Conrads und Dr. Georg Schmitt hat er sich auf die Behandlung des am meisten belasteten Bereichs vom gesamten menschlichen Körper spezialisiert.

Um angesichts der verschiedenen Krankheitsbilder im individuellen Fall die ideale Therapie einleiten zu können, bedienen sich die Orthopäden vielfältiger Untersuchungsmethoden und Therapieformen, die sie in einem eigens entwickelten 5-Stufen-Konzept umsetzen. Voraussetzung für den jeweiligen Behandlungserfolg ist dabei eine genaue, d.h. differenzierte Diagnostik.

Eine wirksame Therapie muss nach Überzeugung der drei innovativen Orthopäden den jeweils unterschiedlichen Symptomen und der je eigenen Verlaufsdynamik der entsprechenden Grunderkrankung gerecht werden. So setzen die entsprechenden Therapieformen in Abhängigkeit vom Schweregrad der Erkrankung, der Dauer des Leidens und den objektiven Funktionsstörungen auf unterschiedlichen Stufen ein:

Therapiestufe I

Bei degenerativen Veränderungen der Wirbelsäule und der Bandscheiben ohne Nervenausfälle, die mit leichten und mittelschweren Verspannungen und Schmerzen einhergehen, stehen Maßnahmen wie Chirotherapie, Krankengymnastik, Massagen, Bestrahlungen und Streckbankbehandlungen zur Verfügung.

Therapiestufe II

Fortgeschrittene Wirbelgelenkerkrankungen und leichte Bandscheibenvorwölbungen, die zu belastungsabhängigen Schmerzen und zu Nervenwurzelreizungen im Arm oder im Bein führen können, werden durch gezielte, eventuell computertomografisch gesteuerte Infiltrationen direkt am „Tatort“ verbessert. Zum Einsatz kommen schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente. Mit großem Erfolg werden unterstützend alternativ-medizinische Verfahren (Homöopathie, Akupunktur) eingesetzt.

Therapiestufe III

Führen fortgeschrittene Verschleißerscheinungen der Wirbelsäule zu Dauerschmerzen und zu einer deutlichen Einschränkung des Alltags, steht die Ausschaltung des „Symptoms Schmerz“ im Vordergrund. Dies wird durch Vereisung und Verödung von Nervenfasern und/oder der Wirbelgelenke erreicht.

Therapiestufe IV

Der vierten Stufe im therapeutischen Gesamtkonzept der Wirbelsäulenspezialisten kommt eine besondere Bedeutung zu. Denn hierbei handelt es sich auch im engeren Sinne um ein neuartiges Verfahren, das nun für eine Reihe von Beschwerden zur Verfügung steht, für die bislang einzig eine Operation in Frage zu kommen schien, und das zudem die Möglichkeit zu einer kausalen Therapie bietet: die sog. epidurale Katheterbehandlung nach Prof. Racz. „Konkret geht es dabei um eine sanfte Auflösung von Bandscheibenvorfällen und Narbengewebe, und zwar ’ohne Messer und Schere’. Bei dieser aus den USA stammenden neuen Methode wird ein dünner Katheter durch eine natürliche Öffnung am Steißbein in den Wirbelkanal eingeführt und bis zum eingeengten Nerv vorgeschoben. Vor Ort werden dann spezielle Medikamente über den Katheter eingespritzt, die das Gewebe gezielt zum Schrumpfen bringen“, erklärt Dr. Schmitt, und René Conrads bekräftigt: „Dies ist die weitaus schonendste Methode, die Ursache des Schmerzes zu beheben.“ Indiziert ist sie bei therapieresistenten Bandscheibenvorwölbungen und -vorfällen sowie bei nach herkömmlicher Operation aufgetretenem Narbengewebe. Auch lassen sich damit chronische Schmerzsyndrome durch Einengungen des Wirbelkanals mit beginnenden bis ausgeprägten neurologischen Störungen therapieren.

Therapiestufe V

Liegen ausgeprägte Lähmungen und komplette Taubheitserscheinungen oder ein schweres Blasen- und Mastdarmversagen als Indikatoren schwerster Erkrankungsformen vor, sind die Orthopäden immer noch nicht „am Ende“ ihrer therapeutischen Möglichkeiten: Dieses ist erst mit der Therapiestufe V erreicht, wo in den genannten drastischen Fällen eine offene Bandscheiben- oder Wirbelsäulenoperation die Betroffenen von ihren Leiden befreien kann.

Robert Döhmen resümiert das neue therapeutische Vorgehen insgesamt: „Die Erfahrungen mit diesem 5-Stufen-Konzept zeigen, dass eine gezielte Diagnostik und eine individuelle Therapieauswahl den bestmöglichen Erfolg verspricht.“ Dabei spiele es insgesamt sehr wohl auch eine Rolle, wie viel Zeit in der Therapie dem Einzelnen entgegengebracht werde.

 

ORTHOpress 4 | 2001

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