Pannikulltis – Schmerzhafte Knoten in der Haut

VonKlaus Bingler

Eine Pannikulitis macht sich durch kleinere oder größere knotenartige Gebilde in der Haut bemerkbar. Die entsprechenden Stellen sind häufig überwärmt und deutlich gerötet. Die Hautveränderungen können symmetrisch oder asymmetrisch angeordnet sein. In der Regel lassen sich die Knoten gegen die Haut verschieben, ohne dass sie mit den darunter befindlichen Strukturen fest verbunden wären. In den meisten Fällen sind die Patienten abgeschlagen und leiden unter Fieber, Übelkeit und Erbrechen. Wie die Erkrankung im Einzelfall verläuft, ist nicht leicht vorherzusehen. Manchmal heilen die knotigen Veränderung der Haut von allein wieder ab, oft jedoch kommt es zu chronischen Verlaufsformen. Ist das Fettgewebe im Körperinneren, z. B. das der Eingeweide, mitbetroffen, kann es zu einem tödlichen Verlauf kommen.

Viele Faktoren können bei der Entstehung eine Rolle spielen

Die genauen Ursachen der Erkrankung sind bislang nicht bekannt. Manchmal tritt sie bei einem angeboren Enzymmangel auf, häufiger jedoch im Zusammenhang mit einer anderen Krankheit. Dazu gehören Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, Kollagenosen wie vor allem Lupus erythematodes oder Sarkoidose, eine entzündliche Krankheit, die verschiedene Organe befallen kann. Die Entstehung einer Pannikulitits kann mit einer Vielzahl von Faktoren zusammenhängen. Möglicherweise wird sie durch Medikamente wie Penicillin oder die Anti-Babypille, synthetische Süßstoffe sowie sogenannte Salicylate, nichtsteroidale Schmerzmittel hervorgerufen. Auch traumatische Ereignisse wie Schläge oder Stöße, Bakterien- und Pilzinfektionen gelten als Verursacher. In bestimmten Fällen entstehen die Entzündungen unter der Einwirkung von Kälte.

Schmerzhafte Knoten lassen sich ertasten

Im Untersuchungsgespräch fragt der Arzt den Patienten, ob bestimmte Infektionskrankheiten, Autoimmunerkrankungen oder Allergien vorliegen und welche Medikamente er dauerhaft einnimmt. Bei der körperlichen Untersuchung wird überprüft, ob es zu Hautveränderungen wie dellenartigen Hauteinziehungen oder einer Schwellung der rötlich-entzündeten Haut gekommen ist. Werden die Knoten abgetastet, schmerzen sie und sind verschiebbar. Da nicht alle schmerzhaften Knoten im Unterhautfettgebe auf eine Pannikulitis zurückzuführen sind, ist eine genauere Abklärung sinnvoll. Ein wichtiges Indiz für die Erkrankung besteht darin, dass bei der feingeweblichen Untersuchung von knotenartigen Hautveränderungen zahlreiche Entzündungszellen sichtbar werden, die aufgrund der Fettaufnahme ein schaumartiges Aussehen angenommen haben. Im Mikroskop lassen sich dann regelrechte Zellnester erkennen, die zum Teil bereits in Narbengewebe umgewandelt wurden. Um auszuschließen, dass Fettgewebe im Körperinneren beteiligt ist, werden sonografische Untersuchungen, oder – falls diese nicht zu eindeutigen Ergebnissen führen – CT- oder MRT-Untersuchungen durchgeführt.

Die häufigste Form der Pannikulitis ist das Erythema nodosum

Das Erythema nodosum ist die häufigste Form einer Entzündung des Unterhautfettgewebes. Sie tritt meist im Bereich beider Unterschenkel auf. In den allermeisten Fällen ist sie Folge einer Mandelentzündung. Ebenso können bakterielle Entzündungen des Darms, vor allem durch Yersinien, die Auslöser sein sowie chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie z. B. Morbus Crohn oder Collitis ulcerosa. Dass vor allem Frauen zu den Betroffenen zählen, könnte damit in Zusammenhang stehen, dass Patientinnen häufig einen erhöhten Blutspiegel weiblicher Hormone aufweisen.

Die Krankheitsursache muss nach Möglichkeit ausgeschaltet werden

Die Therapie erweist sich häufig dann als schwierig, wenn die genaue Ursache der Erkrankung nicht festgestellt werden kann. Zur medikamentösen Behandlung werden Glukokortikoide in Form von Kortison verabreicht. Dies kann in Verbindung mit Medikamenten geschehen, die das Immunsystem unterdrücken. Unter bestimmten Umständen empfiehlt sich zusätzlich die Verabreichung sogenannter Zytostika. Dabei handelt es sich um Medikamente, welche die Zellteilung hemmen. Liegen Infektionen vor, werden diese mithilfe von Antibiotika behandelt. Falls man um die Ursache der Erkrankung Bescheid weiß, muss diese gezielt ausgeschaltet werden, indem man z. B. einen bestimmten Wirkstoff meidet oder gegen die Krankheit, die der Pannikulitis zugrunde liegt – beispielsweise eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse – vorgeht. Die Ausschaltung der krankheitsverursachenden Faktoren ist zugleich die einzige Möglichkeit, um der Entstehung einer Pannikulitis vorzubeugen.

von Klaus Bingler

aus ORTHOpress 2/16

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