Neuer Therapielaser

zur Entzündungshemmung, Wundheilung und Schmerzlinderung

Seit seiner Einführung in die Medizin ist der Einsatz des Lasers immer populärer geworden: zunächst als Werkzeug für rein kosmetische Korrekturen, zunehmend dann auch als operatives Verfahren im Rahmen minimal invasiver Eingriffe. Wenigen ist jedoch bekannt, welches therapeutische Potenzial in dieser Technologie tatsächlich steckt. ORTHOpress sprach mit dem Orthopäden Dr. Georg Henze aus Hattingen über eine spezielle Form der Laserbehandlung.

Herr Dr. Henze, was unterscheidet die neuen Geräte von den Lasern, die es ja schon länger auf dem Markt gibt?

Dr. Henze: Prinzipiell kann man zwei verschiedene Arten unterscheiden. Einmal die “starken” Laser, mit denen man z.B. Gewebe schneiden oder wegbrennen kann. Die neuen Geräte, über die wir uns hier unterhalten, zählen zu den “schwachen” Lasern. Bei ihnen steht die Fähigkeit, bestimmte Zellfunktionen stimulieren zu können, im Vordergrund. Dabei spielt die Wärmeentwicklung keine Rolle. Sie wirken durch die photochemischen Reaktionen in den Zellen. Geräte, die im Prinzip ähnlich funktionieren sollten, gibt es schon länger. Das Problem war aber immer die richtige und ausreichende Dosierung. Bei dem von der “Biophoton France” in Zusammenarbeit mit einer amerikanischen Firma für Raumfahrttechnik entwickelten Hochleistungslaser handelt es sich nun um ein Kombinationsmodell. Es arbeitet mit zwei verschiedenen Laserarten und –frequenzen und vereint deren jeweilige Vorzüge. Zum einen arbeitet es mit einem sogenannten VIS-Laser (sichtbares – visuelles – Licht mit der Wellenlänge von 650 nm, das in organischem Gewebe gut aufgenommen wird, aber nur eine geringe Eindringtiefe besitzt), zum anderen mit einem Infrarotlaser (unsichtbarer IR-Anteil von 810 nm mit nicht so guter Absorption dafür tiefer Durchdringung). Beide können in der Therapie einzeln oder kombiniert eingesetzt werden. Die Intensität der Frequenzen ist dabei jeweils ganz individuell einstellbar und regelbar. Als Hochleistungslaser erlaubt das Gerät damit eine besonders effektive und zeitsparende Behandlung. Bei den älteren Geräten ist eine entsprechende Leistung – wenn überhaupt – nur durch eine extrem lange Behandlungsdauer erreichbar. 

Bei welchen Erkrankungen lassen sich diese neuen Lasergeräte denn einsetzen?

Dr. Henze: Allgemein lässt sich sagen, dass Laserstrahlen auf Zellen, Gewebe und auf Schmerzbahnen einwirken können. Dementsprechend lassen sich Effekte in Bezug auf die Energieversorgung der Zellen, bei Entzündungen und bei Schmerzen nachweisen. Zum Beispiel lässt sich bei der Wundheilung eine Anregung des Stoffwechsels der Fibroblasten (Vorstufen von Bindegewebszellen) belegen. Dieser Effekt lässt sich sowohl bei Verletzungen als auch z. B. bei der Behandlung von offenen Beinen therapeutisch nutzen. Aber auch zur Behandlung von Entzündungen bei Rheuma oder sportlicher Überbelastung ist der Einsatz dieses Lasers sinnvoll. Die Kapillaren (kleinste Blutgefäße) werden durch die Laserstrahlen durchlässiger. Dadurch kann das Gewebewasser besser abtransportiert werden und sammelt sich nicht an, eine sogenannte Ödembildung wird vermieden. Außerdem wird die Produktion von entzündungsfördernden Stoffen wie bestimmten Prostaglandinen verringert. Ein ganz wichtiger Einsatzbereich für Laser sind natürlich auch Schmerzen aus verschiedensten Ursachen. Typisch dabei ist, dass oft die Schmerzen verschwinden, bevor die Heilung eingetreten ist. 

Hat man also mit diesem neuen Laser ein therapeutisches “Allround-Talent” in Händen?

Dr. Henze: So lässt sich dies seriös nicht behaupten. Die zahlreichen Wirkungen des Lasers können aber – in Kombination mit anderen Behandlungsverfahren – den therapeutischen Erfolg bei vielen Erkrankungen entscheidend optimieren. Wichtig ist auch zu wissen, dass die Methode – bei Beachtung von Vorsichtsmaßnahmen wie das Tragen von Schutzbrillen – keine unerwünschten Wirkungen hat. Lediglich bei Patienten mit Herzschrittmachern, bei Schwangeren und Epileptikern darf sie nicht angewendet werden.

Wie sehen die Erfahrungen in der Praxis aus?

Dr. Henze: Erfreulicherweise gut. Nur ein Beispiel für die hervorragende Wirkung des Biophoton- Lasers, das ich bei der Tour de France miterleben konnte. Der Cofdis Fahrer David Millar zog sich bei einem heftigen Sturz tiefe Schürfwunden am gesamten Bein zu. Normalerweise hätte dies das “Aus” bedeutet. Nach dem Lasern seiner Wunden, konnte er die Tour noch fast bis zum Ende mitfahren. 

Herr Dr. Henze, haben Sie vielen Dank für das Gespräch!

 

ORTHOpress 4 | 2001

Alle Beiträge dienen lediglich der Information und ersetzen keinesfalls die Inanspruchnahme eines Arztes*in. Falls nicht anders angegeben, spiegeln sie den Stand zur Zeit der Erstveröffentlichung wider. Die aktuelle Einschätzung des Sachverhalts kann durch Erfahrungszuwachs, allgemeinen Fortschritt und zwischenzeitlich gewonnene Erkenntnisse abweichen.