„Gut geschmiert ist halb gewonnen“

Ersatzflüssigkeit für das Kniegelenk

Wenn jeder Spaziergang zur Qual wird, weil die Kniegelenke schmerzen, dann sind oft die Gelenkknorpel schuld daran. Das Kniegelenk ist das am stärksten belastete Gelenk des menschlichen Körpers. Bei jedem Schritt, beim Laufen oder beim Treppensteigen wird das Gewicht des Körpers in vollem Umfang auf das Kniegelenk übertragen.

Die Arthrose nimmt in der europäischen Krankheitsstatistik nach der Herzkrankheit mittlerweile den 2. Platz ein. In Deutschland leben schätzungsweise 10 Millionen Menschen mit einer Arthrose. Die Volkskrankheit verursacht jährlich unmittelbare Kosten von ca. 6 Milliarden DM. Immer häufiger werden Orthopäden mit der Frage konfrontiert, was man gegen die Arthrose tun könne, ob sie sich aufhalten lasse oder man ihr vorbeugen könne, und vor allem, wie die Gelenkschmerzen bekämpft werden können. 

Dabei ist eine Kniegelenksarthrose heute nicht mehr nur eine Frage des Alters. Auch junge Menschen leiden zunehmend unter Beschwerden im Bereich der Kniegelenke. „Verantwortlich dafür sind neben Übergewicht insbesondere auch besonders hohe oder falsche Belastungen, wie sie z.B. bei Extremsportarten auftreten können“, erläutert der Münchener Orthopäde Dr. Hans Sperber. 

Die Anatomie des Kniegelenkes ist sehr komplex, wahrlich ein „Meisterwerk“: Ober- und Unterschenkel werden durch stabile Seiten- und Kreuzbänder mit umgebendem Muskelmantel gestützt. Für die Federung sorgen der innere und äußere Meniskus, zwei halbmondförmige Faserknorpel. Die Gelenkbeweglichkeit wird durch die Knorpelüberzüge auf der Unterseite des Oberschenkels, auf der Oberseite des Unterschenkels und auf der Rückseite der Kniescheibe sowie durch die Synovia, die visköse Gelenkflüssigkeit, gewährleistet. Ihr kommt eine besondere Bedeutung zu, denn sie ist verantwortlich für die „reibungslose“ Bewegung der Gelenkpartner gegeneinander und damit für den Erhalt der Knorpelsubstanz. Dieser Erkenntnis wird auch in der modernen Arthrosetherapie Rechnung getragen. 

Hier kommt eine spezielle Knorpelaufbaukur mittels Gelenkflüssigkeitsersatz zum Einsatz. Diese moderne Therapieform ist heutzutage ein wichtiger Baustein in der Behandlung der Arthrose. Oftmals können so operative Maßnahmen, z.B. die Kniegelenksspiegelung (Arthro­skopie), vermieden werden. 

Viele Patienten sind die Schmerzen leid und wollen etwas dagegen unternehmen – eine lange Ruhigstellung oder Krankschreibung kommt jedoch für sie nicht in Frage. Die Behandlung mit künstlicher Gelenkschmiere kann hier zu einem deutlichen Rückgang der Belastungs- bzw. Ruheschmerzen sowie zur Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit führen, so dass der Patient seine körperlichen Aktivitäten wieder aufnehmen kann.

Angewendet wird bei einer solchen Therapie ein Medizinprodukt, welches biologisch verwandt ist mit Hyaluronsäure, einem Baustein, der sich auch in der natürlichen Synovialflüssigkeit findet. Dieses viskoelastische, Hylane enthaltende Präparat („Synvisc“) wird mittels Injektion in das Kniegelenk eingebracht. Ein Behandlungszyklus beinhaltet drei Injektionen, jeweils in wöchentlichem Abstand. Im Vergleich zur Kortison-Spritze oder Schmerz-Tablette besteht bei der modernen Knorpeltherapie keine chemische Belastung für den Patienten, bei oft deutlicher oder vollständiger Schmerz- oder Symptomverminderung. In vielen Fällen kommt es so zu einer deutlichen Besserung der Kniebeschwerden. Dr. Sperber: „Die Kosten einer Synvisc-Behandlung werden von den gesetzlichen Krankenkassen bislang leider nicht ersetzt. Die meisten privaten Krankenversicherungen und Beihilfestellen übernehmen jedoch zumindest anteilig eine solche Therapie.“

 

Ein Archivbeitrag* aus ORTHOpress 2 | 2001
*Archivbeiträge spiegeln den Stand zur Zeit der Erstveröffentlichung wieder. Die aktuelle Einschätzung des Sachverhalts kann durch Erfahrungszuwachs, allgemeinen Fortschritt und zwischenzeitlich gewonnene Erkenntnisse abweichen.