Damit es wieder „wie geschmiert“ läuft

Die Synvisc-Therapie in der Behandlung der Kniearthrose

Karl-Heinz Schmidt aus Berlin litt wochenlang unter zunehmenden Beschwerden im Bereich des rechten Kniegelenkes. Die Knieschmerzen wurden insbesondere bei Belastung und abends, nach Feierabend zu Hause, immer schlimmer und strahlten schließlich in das gesamte rechte Bein aus. Der 48-jährige Familienvater konsultierte zunächst seinen Hausarzt, der dann auch Salben, entzündungshemmende Tabletten und Schmerzmittel verordnete. Nach kurzfristiger Besserung kehrten die Schmerzen jedoch wieder zurück. Glücklicherweise überwies ihn sein Hausarzt dann zum Facharzt für Orthopädie. Dr. med. Christian Merettig, 36-jähriger Orthopäde in Berlin-Reinickendorf. Er untersuchte das Kniegelenk genauer und fertigte dann Röntgenaufnahmen des Kniegelenkes, Kniescheiben-Spezialaufnahmen sowie eine Magnetresonanztomografie (MRT) an.

Das Kniegelenk ist das am stärksten belastete Gelenk des gesamten menschlichen Körpers. Bei jedem Schritt, beim Laufen oder beim Treppen steigen wird das Gewicht des Körpers in vollem Umfang auf das Kniegelenk übertragen. Die Anatomie des Kniegelenkes ist sehr komplex, wahrlich ein „Wunder der Natur“. Ober- und Unterschenkel werden durch stabile Seiten- und Kreuzbänder mit umgebendem Mus­kelmantel gestützt. Für die Federung sorgen der innere und äußere Menis­kus, zwei Halbmond-förmige Faserknorpel. Die Gelenkbeweglichkeit wird durch die Knorpelüberzüge auf der Unterseite des Oberschenkels, auf der Oberseite des Unterschenkels und auf der Rückseite der Kniescheibe sowie durch die Synovia, die visköse Gelenkflüssigkeit, gewährleistet.

„Glücklicherweise habe ich keine Meniskusverletzung, auch meine Bänder sind intakt“, sagt Karl-Heinz Schmidt. „Eine Operation ist nicht erforderlich“, erklärte der Berliner Orthopäde, „Sie haben einen Knorpelschaden durch Abnutzung und Abrieb im Bereich der Rückseite der rechten Kniescheibe“. Der berufstätige Patient musste nicht einmal krank geschrieben werden, er konnte nach einem Behandlungszyklus mit Synvisc wieder am normalen Alltags- und Berufsleben teilnehmen. „Synvisc ist ein steriles, viskoelastisches, Hylane enthaltendes Medizinprodukt, welches – biologisch verwandt mit Hyaluronsäure – ein Baustein der Gelenkflüssigkeit ist“, erklärt Dr. Christian Merettig. Synvisc dient als Ersatz oder auch Ergänzung der Sy­novialflüssigkeit, es wird mittels steriler Injektion in das Kniegelenk gespritzt. Ein Behandlungszyklus beinhaltet drei Injektionen, jeweils in wöchentlichem Abstand.

Besonders bewährt hat sich die Knorpeltherapie in den orthopädischen Praxen vieler Berliner Kollegen auch bei Sportlern mit starker Beanspruchung der Kniegelenke. „Vor und nach dem Berlin-Marathon erscheinen bei mir die Ausdauersportler und fordern geradezu nach der Wunderwaffe der Gelenkschmiere“, sagt Dr. Merettig. Im Vergleich zur Kortison-Spritze oder Schmerz-Tablette besteht bei der Hyaluronsäure keine chemische Belastung für den Patienten bei oft deutlicher oder vollständiger Schmerz- oder Symptomverminderung. Die Synvisc-Behandlung bringt oft erstaunliche Erfolge: So befragte Dr. Merettig ca.100 Patienten über den Behandlungserfolg – über 72 Prozent beurteilten die Therapie nach einem Behandlungszyklus als „gut“ oder „sehr gut“. Fast alle Patienten berichteten über eine deutliche Besserung der Kniebeschwerden. Es bestand ein deutlicher Rückgang des Belastungs- bzw. Ruheschmerzes, eine Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit und insgesamt eine Zunahme der körperlichen Aktivität.

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Dr. Merettig setzt die Synvisc-Behandlung inzwischen auch im Rahmen der orthopädischen Schmerztherapie ein. Hintergrund hierfür ist die hohe Vis­koelastizität von Synvisc (sie ist größer als die gesunder Gelenkflüssigkeit) sowie die lange Verfügbarkeit im Gelenk (sie ist länger als bei anderen Hyaluronsäure-Präparaten). In fünfjähriger Praxis führte der Reinickendorfer Orthopäde inzwischen mehr als 1.000 Einzelbehandlungen durch.

Ein guter Arzt kennt auch die Grenzen seiner Therapie. „Wer behauptet, die Arthrosetherapie könne alles heilen, der handelt unseriös“, sagt der Berliner Orthopäde. „Besonders bei bereits zerstörter Knorpeloberfläche mit schwerer Arthrose hilft dann doch nur die Operation. Synvisc lindert dann zwar noch die Schmerzen, kann jedoch ein kaputtes Gelenk nicht ersetzen.“

Die Kosten der Synvisc-Behandlung werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen, sie werden jedoch nach der ärztlichen Gebührenordnung (GOÄ) abgerechnet und von den meisten privaten Krankenversicherungen und Beihilfestellen bezahlt.

 

Ein Archivbeitrag* aus ORTHOpress 2 | 2000
*Archivbeiträge spiegeln den Stand zur Zeit der Erstveröffentlichung wieder. Die aktuelle Einschätzung des Sachverhalts kann durch Erfahrungszuwachs, allgemeinen Fortschritt und zwischenzeitlich gewonnene Erkenntnisse abweichen.

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