Gelenkflüssigkeit

VonStefanie Zerres

Gelenkflüssigkeit

Wozu ist sie da?

Aktivität erhält die Gelenkgesundheit. Das ist bekannt. Ein Pluspunkt sind Bewegung und Sport aber nicht nur, weil eine gelenkstützende Muskulatur aufgebaut und erhalten wird. Auch Stoffwechselvorgänge, die wichtig für die Knorpelschicht sind, werden durch Bewegung in Gang gehalten. So auch die Produktion und Verteilung der Synovia, der Gelenkflüssigkeit, die den Knorpel ernährt und als Schmiermittel Reibung und Druck auf die Gelenkpartner stark abschwächt.

Selbst großen Kräften, wie sie auf die beteiligten Gelenke beim Springen oder Laufen einwirken, sind diese im gesunden Zustand durch das Zusammenspiel von Knorpel und Gelenkflüssigkeit gewachsen. Angeregt durch Bewegung wird das „Schmiermittel“ der Gelenke in der Gelenkkapsel gebildet. Außerdem findet sich die Gelenkschmiere auch in Sehnenscheiden und Schleimbeuteln. Sie besteht hauptsächlich aus Wasser, ist viskös und verringert die Reibung der Gelenkflächen. Dies geschieht so effizient, wie es laut Forschern des Verbundprojektes „JOINT“ kein anderer natürlicher oder künstlicher Stoff schafft. So gleitet Stahl auf Eis beispielsweise mit einem Reibungskoeffizienten von 0,01, die Gelenkflüssigkeit hingegen hat nur einen Reibungskoeffizienten von 0,003. Neben Wasser sind weitere wichtige Bestandteile Hyaluronsäure, Glucose, Fett und Glykosaminoglykane sowie Eiweiß, die in Kombination miteinander wirken. Dabei kann die Menge der verschiedenen Anteile variieren. So wird die Konsistenz vor allem an die Belastungsanforderungen angepasst. In Ruhe ist sie eher zäh, bei Belastung wird sie elastischer, sodass Nährstoffe besser aufgenommen werden können. Aber auch krankhafte Prozesse verändern die Zusammensetzung. Bei mangelnder Bewegung, Überbelastung (z. B. durch Übergewicht oder Fehlstellungen) oder Verletzungen kann die Gelenkflüssigkeit dünner werden und ihre schützende Funktion einbüßen. In der Folge kann es zu Knorpelabbau und damit zu einer schmerzhaften, bewegungseinschränkenden Arthrose kommen. Natürlich verändert sich diese Körperflüssigkeit auch im Rahmen ganz normaler Alterungsprozesse.

Funktionen: Puffer, Nährstoffversorgung und Abtransport

Neben der wichtigen Funktion als Schmiermittel zur Gelenkbewegung, ist die Synovia eine Art Transportmittel. Sie sorgt dafür, dass das Knorpelgewebe, das ja selbst nicht an den Blutkreislauf angeschlossen ist, mit wichtigen Nährstoffen versorgt wird. Dies erfolgt mittels Diffusion. Außerdem transportiert sie Abbauprodukte ab. Diese Vorgänge werden durch den Wechsel von Be- und Entlastung der Gelenke angeregt. Daher kann es auch für die Knorpelversorgung schädlich sein, wenn ein Gelenk für längere Zeit nicht bewegt wird. Ebenso kann Überlastung eines Gelenks das Gleichgewicht stören und die Funktion der Gelenkflüssigkeit verschlechtern. Bestehen solche Zustände über einen längeren Zeitraum, können Knorpelschäden begünstigt werden, weil das Gewebe rissig wird.

Um Veränderungen der Gelenkflüssigkeit festzustellen oder analysieren zu können, wird bei bestimmten Erkrankungen eine Gelenkpunktion durchgeführt. Eine so gewonnene Probe der Synovia kann dann im Labor untersucht werden. Besteht beispielsweise eine krankheitsbedingte Überproduktion der Gelenkflüssigkeit, die häufig durch eine Gelenkschwellung sichtbar wird, so ist sie eher dünn- als dickflüssig, was durch einen erhöhten Wasseranteil bedingt ist. Befinden sich durch Hämatome auch Blutanteile in der Synovia, kann dies dem Knorpelgewebe schaden. Außerdem können durch eine Analyse der Gelenkflüssigkeit Entzündungen oder Erkrankungen wie die Rheumatoide Arthritis und Gicht festgestellt werden. Bei einem zu großen Gelenkerguss kann es zur Überdehnung der Gelenkkapsel kommen. Durch eine Gelenkpunktion kann dann der Druck genommen werden.

Hyaluronsäure

Hyaluronsäure kommt an vielen Stellen im Körper vor, so beispielsweise in der Haut und im Auge. Als Hauptbestandteil der Gelenkflüssigkeit ist die Hyaluronsäure für die Viskosität verantwortlich und ermöglicht somit die Gleitfähigkeit und Pufferung des Gelenks. Grund dafür ist die hohe Wasserbindungsfähigkeit der Zuckermoleküle, die unter anderem eine flexible Ausdehnung ermöglichen. Eine nichtoperative Arthrosetherapie besteht z. B. darin, künstlich hergestellte oder aus Hahnenkämmen gewonnene Hyaluronsäure in Gelenke zu injizieren. Betroffene, bei denen die Gelenkflüssigkeit an Viskosität verloren hat und die unter Umständen bereits unter einer beginnenden Arthrose in einem Gelenk leiden, sollen damit eine Erleichterung ihrer Beschwerden erfahren. Durch die Injektion sollen sich die Gleitfähigkeit und die Schutzfunktion für den Knorpel wiederherstellen. Oftmals wird dies bei Kniebeschwerden angewendet, ist jedoch in der Medizin zum Teil umstritten. So profitiere nur eine kleine Patientengruppe – solche mit einer Arthrose im Anfangsstadium – für eine kurze Zeit davon. Wie bei jeder Injektion ins Gelenk oder bei einer Punktion besteht das Risiko einer Infektion.

von Stefanie Zerres

aus ORTHOpress 3/16

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