Fibromyalgie: „Psycho“-Krankheit oder diagnostische Herausforderung?

VonLena Krieger

Fibromyalgie: „Psycho“-Krankheit oder diagnostische Herausforderung?

Können 18 schmerzhafte Druckpunkte Sicherheit geben? Vielleicht quält auch Sie eine Fibromyalgie? Etwa 1,5 Millionen Deutsche, Tendenz zunehmend, leiden an Ganzkörperschmerzen. Auch heute stehen die Ärzte vielfach immer noch vor einem Rätsel.

Auch die 51-jährige Katharina S. ging von Arzt zu Arzt. Schon bald wurde klar, dass ihr mit den Methoden der althergebrachten Schulmedizin nicht zu helfen sein würde. Immer häufiger wurde ihr Leiden als psychosomatisch dargestellt, weil ihre Schmerzen sich nicht erklären ließen. Ein normales Leben war aber kaum noch möglich. Dabei hatten die Probleme eher harmlos begonnen: Mit einem unerklärlichen Brennen fing es an. Dann waren immer häufiger auch Gelenke und Weichteile betroffen. Schließlich konnte sie keinem normalen Tagwerk mehr nachgehen. Mittlerweile sind die Schmerzen trotz verschiedener versuchter Therapien ständiger Begleiter von Katharina S. 

Fibromyalgie, die unbekannte Volkskrankheit. Gibt es sie überhaupt, oder ist alles nur psychisch bedingt? Dazu Dr. Patrick Simons, Arzt für Neurochirurgie in der Kölner MediaPark Klinik: „Erst 1990 wurde vom ‚American College of Rheumatology’ eine Klassifikation beschrieben, die auf der Schmerzwahrnehmung von 18 bestimmten, exakt lokalisierten Druckpunkten beruht. Dennoch ist die Fibromyalgie eine ‚Ausschlussdiagnose’, d.h. sie kommt in Frage, wenn zuvor andere Krankheiten bereits ausgeschlossen wurden. Das bedeutet für die Betroffenen zwangsläufig einen langen und zermürbenden Weg durch viele Arztpraxen.“

Die moderne Schmerzforschung zeigt jedoch neue Wege. Eine mögliche Ursache wird in den schmerzleitenden Bahnen im Rückenmark vermutet. „Das Fehlen bestimmter Botenstoffe könnte dazu führen, dass die Schmerzleitung unkontrolliert entgleist und das Geschehen sich verselbstständigt,“ erläutert Dr. Simons weiter. „Bisher führt jedoch – anders als bei klar zu bestimmenden Krankheiten – eine verbesserte Diagnose leider noch nicht zu einer effektiveren Therapie. Häufig kommt daher zunächst eine Gesprächstherapie zum Einsatz. Auch Amitryptillin, ein schmerzlinderndes Antidepressivum, hat sich bei vielen Patienten als wirksam erwiesen.

Ein neuer Therapieansatz wurde jetzt, so Dr. Simons, in der „»Wadit-Hochton-Therapie« gefunden: „Diese sehr nebenwirkungsarme Behandlung durchflutet den Körper mit speziellen Schwingungen. Hierdurch können körpereigene Reparaturmechanismen angeregt werden und es erfolgt eine Förderung der Diffusionsvorgänge bei der Ver- und Entsorgung von lebendem Gewebe. Weitere Vorteile liegen in der Möglichkeit lokaler Nervenblockaden zur Schmerzausschaltung und in der Erzeugung einer hormonimitierenden Wirkung zur körpereigenen Schmerzabwehr. Neben der Behandlung der Fibromyalgie, die bis zu 20 Anwendungen bedarf, kann die ‚Wadit-Therapie‘ auch bei schmerzhaften Gelenkerkrankungen (Arthrose), Rücken- und Nackenschmerzen sowie Neigung zu Wasseransammlungen in den Beinen eingesetzt werden.“

Auch Katharina S. konnte durch diese schonende Behandlung ihre Medikamente zumindest teilweise reduzieren und nimmt immer mehr am normalen Leben teil. Die »Wadit-Therapie« wird von in der Schmerzbehandlung erfahrenen Praxen als so genannte „Igel-Leistung“ angeboten – die Anwendungen werden also leider nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Für die in der Regel notwendige Erst-Serie von zehn Behandlungen (2-mal pro Woche) entstehen Kosten von etwa  € 300.

aus ORTHOpress 2 | 2002
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