Auch der Herbst hat seine schönen Tage …

Fit und ausgeglichen in die kalte Jahreszeit

Der Lauf der Erde um die Sonne bedingt durch die jahreszeitlichen Wechsel, insbesondere in den Wintermonaten eine enorme Umstellung für unseren Lebensrhythmus.

Seit dem 21. September, dem Datum der Tag- und Nachtgleiche, werden die Tage spürbar kürzer. Die Sonne, die sich ohnehin dieses Jahr sehr rar gemacht hat, erklimmt auf ihrer täglichen Reise nur noch mühsam das Himmelszelt. Wie ein Morgenmuffel, der sich zudem auch noch abends zeitig zur Ruhe begibt, scheint die Sonne keine Lust zu haben, uns mit ihrer vollen Energie zu versorgen. Ein untrügliches Zeichen, dass die kalte Jahreszeit in Gestalt von Väterchen Frost vor der Tür steht.

In der Natur setzt die verminderte Sonneneinstrahlung nun verschiedene Mechanismen in Gang. Alles rüstet sich für den Winter: Die Laubbäume färben sich ein, werfen ihre Blätter ab, um danach in eine Winterstarre zu fallen. Viele Tiere legen sich Vorräte an, auch in Form von Winterspeck, reduzieren ihre Körperfunktionen und hoffen darauf, den nächsten Frühling noch zu erleben. Der Mensch der Moderne hingegen steckt in der Zwickmühle. Einerseits steht natürlich auch er unter dem Einfluss der wechselnden Jahreszeiten, andererseits haben nur die wenigsten von uns die Möglichkeit, einen „Winterschlaf“ zu halten oder – besser noch – die Wintermonate im sonnigen Süden zu verbringen. Die täglichen Anforderungen des Lebens lassen es meist nicht zu, hinter den gewohnten Leistungen zurückzubleiben oder gar eine „Auszeit“ zu nehmen.

Lange Nächte und kurze Tage, Kälte, Regen und Schnee, der Winter schlägt aufs Gemüt. Amerikanische Wissenschaftler geben dem Phänomen den treffenden Namen „SAD“ („traurig“). Die Abkürzung steht für: Seasonal Affected Disorder (saisonal bedingte Beeinträchtigung). So wie Pflanzen Sonnenlicht für die Fotosynthese benötigen, braucht auch der Mensch ultraviolettes Licht für bestimmte Stoffwechselprozesse im Körper. Bleibt die Sonnenbestrahlung nun aus oder findet sie nur noch reduziert statt, so entsteht im menschlichen Organismus eine Unterversorgung, die den Körper für Infektionskrankheiten anfälliger macht. Neben der Umstellung des Stoffwechsels trägt auch die veränderte Lebensweise erheblich zum mangelnden Wohlbefinden bei: Im Frühjahr und Sommer befinden wir uns in einer Aufbruchstimmung. Das Leben scheint leichter von der Hand zu gehen. Mit Energie und Lebensfreude werden neue private und berufliche Projekte in Angriff genommen. Sportliche Aktivitäten unter freiem Himmel, ein Zwischenstopp im Straßencafé, freundliche Menschen, die gern mal für einen Smalltalk innehalten. – All die schönen Dinge, die insgesamt für ein positives Lebensgefühl sorgen, entfallen, wenn die dunkle und kalte Jahreszeit das Kommando übernommen hat. Zugegeben, die Wahl der Gegenmaßnahmen ist zwar begrenzt, weil sich jahreszeitliche Wechsel mit ihren Auswirkungen nun mal nicht völlig umgehen lassen. Dennoch ist es durchaus möglich, dem Winter zu trotzen. 

Zunächst gilt es den Kreislauf auf Touren zu halten. Beginnen Sie den Tag mit einer Wechseldusche. Wichtig ist es, das Ganze mit kaltem Wasser zu beenden. Dadurch verschließen sich die Hautporen und die zuvor aufgenommene Wärme wird besser im Körper gehalten. Der Temperaturwechsel wirkt darüber hinaus äußerst belebend und hilft so dem Wunsch zu widerstehen, sich wieder ins Bett legen zu wollen. Damit erzielt man einen ähnlichen Effekt wie beim Saunen, jedoch ohne dabei den Körper zu ermüden. Auch ein Besuch auf der Sonnenbank kann schlechte Laune vertreiben. Die Behandlung von stressbedingten Erkrankungen wird heute vielfach mittels Lichttherapie praktiziert.

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Eine weitere wichtige Maßnahme im Kampf gegen eine den gesamten Herbst und Winter über andauernde Novemberdepression ist ein tägliches Bewegungspensum. Wer rastet, der rostet – diese Volksweisheit hat vor allem in der kalten Jahreszeit Gültigkeit. Auch wenn es Überwindung kostet: Bewegung an der frischen Luft ist jetzt wichtiger denn je! Erledigen Sie so viele Wege wie möglich zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Ein sonntäglicher Spaziergang im Wald ist nicht nur schön, sondern auch gesund. – Wenn es die Witterung unmöglich macht, auch nur daran zu denken, einen Fuß vor die Tür zu setzen, ist das noch lange kein Grund zu resignieren. Viele Sportarten lassen sich auch in Hallen ausüben. Ebenso empfiehlt es sich, den Fahrstuhl links liegen zu lassen und sich die Treppen hinauf und hinunter zu bemühen.

Um die Abwehrkräfte zu stärken, sollten Sie insbesondere Ihre Ernährung im Auge behalten. Das frisch geerntete Obst und Gemüse des Herbstes sollte nicht nur einen Nischenplatz auf Ihrem Speisezettel einnehmen! Vermeiden Sie zu fettes Essen: Es macht träge und stellt Sie später im Frühling vor „schwerwiegende“ Probleme. Der erhöhte Vitaminbedarf, insbesondere an Vitamin C, kann auch durch geeignete Präparate gedeckt werden. Eine Aufbaukur, z.B. mit Präparaten aus dem Presssaft des roten Sonnenhutes (Echinacea purpurea), hilft die Gefahr eines grippalen Infektes zu vermindern – so können Sie sich beinahe spielend den Kopf für die angenehmen Dinge der kalten Jahreszeit freihalten.

Denn trotz aller Unbill, die Herbst und Winter mit sich bringen, haben sie natürlich auch ihre schönen Seiten, und die gilt es ganz bewusst zu genießen. Ein goldener und flammend roter Herbstwald und die optischen Reize einer zugeschneiten Landschaft unter einem klirrend stahlblauen Himmel an einem klaren Sonnentag gehören ebenso dazu wie abendliche Gemütlichkeit vor Kamin oder Kachelofen – oder auch einfach nur unter der „Kuscheldecke“. Natürlich schlägt auch so manchem Freund des Ski-Sports beim Gedanken an den nahenden Winter das Herz höher.

Darüber hinaus blüht jetzt das kulturelle Leben in den Städten. Kinos, Theater, Konzerthallen und Museen locken mit neuen Programmen und Ausstellungen. Wer in der kalten Jahreszeit Körper und Geist fit hält, der verschafft sich die nötige Vitalität, um gelassen nach vorne zu blicken. Denn schließlich bleibt die Gewissheit, dass auf jeden Winter, und sei er auch noch so hart, wieder ein Frühling folgt. 

 

Ein Archivbeitrag* aus ORTHOpress 4 | 2000
*Archivbeiträge spiegeln den Stand zur Zeit der Erstveröffentlichung wieder. Die aktuelle Einschätzung des Sachverhalts kann durch Erfahrungszuwachs, allgemeinen Fortschritt und zwischenzeitlich gewonnene Erkenntnisse abweichen.

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