Anti-Aging

Eine integrative Vorsorge, um gesund und fit alt zu werden

Das Alter um 10 bis 20 Jahre zurückkurbeln zu können, ist eine verlockende Vorstellung. Genauso wie die, bei bester Gesundheit älter zu werden. Dabei kann die Analyse der wichtigsten Risikofaktoren wie Fettstoffwechsel und Blutdruck zusammen mit einem Gesundheitcheck bereits sehr hilfreich sein.

Anti-Aging heißt die Strategie, um möglichst lange knackig auszusehen: ein neuer Zweig der Medizin, der auf Prävention setzt anstatt auf Reparatur. Immer mehr Ärzte spezialisieren sich auf das Coaching für die Gesundheit. Sie treffen den Zeitgeist, denn alt werden wollen alle, alt sein dagegen niemand.

Spezialpraxen für Ganzkörper-TÜV

So wurde Anti-Aging seit etwa Mitte der neunziger Jahre immer mehr zum Thema. Es gibt beispielsweise bereits Zentren, in denen per Computer ein so genannter Age-Scan gemacht wird. Seh-, Hör- und Reaktionsfähigkeit, Lungen- und Muskelfunktion, Gedächtnis und Tastsinn werden anhand verschiedener Tests vom Computer überprüft.

Die Messung von Hormon-, Vitamin- und Mineralstoffstatus, eine Knochendichtemessung oder die Bestimmung der Körperzusammensetzung (Fett, Muskeln, Wasser) gehören auch mit zum Repertoire des Anti-Aging-Check-ups. Mit den Ergebnissen kommt dann die Stunde der Wahrheit. Ist man jünger oder älter als das Datum, das im Pass steht? Je nach Befund gibt der behandelnde Arzt entsprechende Empfehlungen: Hormon- oder Nährstoffsubstitution, mehr Sport und/oder eine Umstellung der Ernährung. Allein der Eingangs-Check kostet zwischen 1.000-2.000 Euro, von dem gesetzliche Kassen ganz sicher keinen Cent übernehmen. Private Kassen zahlen eventuell die Erstuntersuchung, aber nicht die eigentliche Behandlung, die dann folgt. Also ist Anti-Aging nur etwas für Reiche? Nein. Denn statt Anti-Aging könnte man das Ganze auch „Prävention“ nennen. Die gibt es schon viel länger, sie wurde nur nicht so schmackhaft vermarktet. Dass Lebenssünden wie Rauchen oder zu viel Alkohol auf Dauer nicht nur Falten, sondern auch herzkrank machen, weiß schon jedes Kind. Auch, dass wer zu viel rastet, rostet und Fast Food fett und krank macht, hat sich herumgesprochen. Woran es bisher jedoch stets haperte, war die Umsetzung der guten Ratschläge. Vielleicht klappt es ja jetzt mit der Anti-Aging-Welle.

Gute Chancen haben wir. Denn die natürliche Lebenserwartung wird nur zu einem Drittel durch Vererbung geprägt. Zu zwei Dritteln bestimmt unser Way of Life, wie schnell wir altern. Durch eine gesunde Lebensweise lässt sich so manche Falte ausbügeln. Studien an 100-Jährigen haben gezeigt: Es sind meist schlanke, kluge, humorvolle, bis ins hohe Alter geistig und körperlich rege Personen, mäßige Esser, die viel Freude am Leben und ein gutes Immunsystem haben.

Sport, der jung macht

Bewegungsmangel ist ein weit verbreitetes Übel der heutigen Zeit. Die Muskeln und das Herz-Kreislauf-System brauchen jedoch Reize, um stark und leistungsfähig zu bleiben. Eine kräftige Muskulatur stützt das gesamte Skelettsystem, beugt Rücken- und Gelenkproblemen vor. Außerdem schenkt sie ein jugendliches Aussehen, denn ein ausgebildeter Muskel hält die Züge glatt und frisch. Dazu müssen Sie nicht unbedingt ins Fitnessstudio gehen. Joggen, Radfahren, Schwimmen oder Walken mit anschließender kräftigender Gymnastik können Sie auch in der Natur bzw. zu Hause durchführen. Faustregel Nummer eins: Was Sie tun, soll Ihnen Spaß machen, vielleicht auch soziale Kontakte schaffen, denn die Psyche will im Forever-Young-Programm auch genährt werden.

Ein 1.500-kcal-Training pro Woche verlängert Ihr Leben: Das entspricht zum Beispiel zwei Stunden Joggen, zwei Stunden Schwimmen oder vier Stunden Tanzen. Bei diesem Bewegungspensum bekommt Ihr Immunsystem einen Kick. Die Zahl der Abwehrzellen steigt messbar an. Wer Leistungssport betreibt, kehrt diesen Effekt ins Gegenteil um. Aus Amerika kommt für den, der sich die Überwindung der eigenen Hemmschwelle etwas kosten lassen kann, das Modell des „Personal Training“ – das ist nichts anderes als ein guter Sportlehrer, der die individuelle Anleitung zur persönlichen Fitness liefert. Der Vorteil: Durch die bessere Motivation fällt es leichter, den geänderten Lebensstil dauerhaft in den Berufsalltag zu integrieren.   

Schönheit kommt von innen

Eine fettarme, vitalstoffreiche Ernährung wirkt tausend Mal besser als jede noch so teure High-Tech-Creme gepaart mit täglichem Fast Food. Wer lange jugendlich bleiben will, sollte außerdem sparsam mit den Kalorien, ganz besonders mit den Fettkalorien umgehen. Bei jung gebliebenen Uralten handelt es sich durchweg um drahtige Leichtgewichte.

Eine besondere Bedeutung haben bei der “Schönheits-Diät” die so genannten Antioxidantien. Sie fangen zellschädigende freie Radikale. Vitamin C und E, Beta-Carotin und die Spurenelemente Selen und Zink sind schon lange als Schutzstoffe bekannt. Besondere Aufmerksamkeit sollte man hier der Gesundheit der Haut schenken – sie braucht spezielle Vitamine, die überwiegend mikronisiert (feinst verteilt) sind.

So genannte Sekundäre Pflanzenstoffe bilden das neueste Forschungsfeld der Ernährungswissenschaftler. Unter den 5.000-10.000 verschiedenen Stoffen haben sie schon viele gesundheitsfördernde gefunden. So verbessert der Stoff Allicin aus Knoblauch beispielsweise die Fließeigenschaften des Blutes, natürliche Phytoöstrogene aus der Sojapflanze helfen gegen Wechseljahresbeschwerden.

Viele Anti-Aging-Experten sind der Überzeugung, dass die Schutzstoffe über die tägliche Nahrung nicht ausreichend zugeführt werden können und plädieren deshalb für Nahrungsergänzungsmittel. Unter ärztlichem Rat mag das im Einzelfall sinnvoll sein. Wenn der Laie anfängt, wahllos Stoffe zu ergänzen, bringt er damit möglicherweise das komplizierte Zusammenspiel seines Stoffwechsels durcheinander. Bei fettlöslichen Vitaminen wie A + E kann es beispielsweise zu Überdosierungen kommen.  Wichtig ist daher in jedem Fall eine individuelle Ernährungsberatung, welche insbesondere die persönlichen Risikofaktoren berücksichtigt. Auch die „Compliance“ spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle: Man muß die sich selbst auferlegte Nahrungsumstellung mögen – das Befolgen einer Diät, welche nicht schmeckt, ist zum Scheitern verurteilt.

Ein einfacher, sicherer Tipp: Reichlich Gemüse und Obst essen, darin stecken am meisten Schutzstoffe. Außerdem sitzen Sie in den Randschichten von Vollkorn und Hülsenfrüchten, in Nüssen und pflanzlichen Ölen sowie in Kräutern und Gewürzen. Fett sollten Sie einsparen, wo es geht. Verwenden Sie möglichst hochwertiges, kaltgepresstes Pflanzenöl. Außerdem super: Seefisch. Die in ihm enthaltenen Omega-3-Fettsäuren schützen das Herz. Auch auf die richtige Flüssigkeitszufuhr sollte Wert gelegt werden: Kaffee und Schwarztee im Übermaß sind kontraproduktiv – besser sind stoffwechselneutrale Früchte- oder Rooibuschtees, nach Möglichkeit natürlich ungesüßt und ohne Milch.

Jungbrunnen Hormone

Die Substitution von Hormonen – das ist ein wirklich neuer Aspekt der Anti-Aging-Medizin und auch der schwierigste von allen. Mit zunehmendem Alter sinken manche Hormone ab, in erster Linie die weiblichen und männlichen Geschlechtshormone sowie das Wachstumshormon und das Nebennierenhormon DHEA. Die Substitution der Hormone verjüngt den Körper, doch welche Langzeit- und Nebenwirkungen später zu erwarten sind, ist noch unklar. Wie auch bei der Behandlung von Wechseljahresbeschwerden wird das Für und Wider von Hormongaben als Anti-Aging-Strategie in Fachkreisen heftig diskutiert. Auf jeden Fall gehört die Substitution von Hormonen nur in die Hände eines Experten, der die Dosis individuell bestimmt. Falsch verabreichte Hormone können großen Schaden anrichten.

Das Wachstumshormon Somatotropin (STH) sorgt dafür, dass wir an unserem 18. Geburtstag drei- bis viermal größer sind als bei der Geburt. Spätestens nach dem 30. Lebensjahr nimmt die körpereigene Produktion ab. Künstlich verabreicht verjüngt das Hormon tatsächlich. Filmstars sollen sich die teure “Jugendspritze” angeblich regelmäßig leisten, die Fett in Muskelgewebe verwandelt, Haarwuchs und Liebeslust fördert sowie die Haut strafft. Der Spaß ist aber nicht nur teuer, sondern auch gefährlich: Bei Überdosierung wurden Nerven- und Knorpelschäden sowie Diabetes ausgelöst.

Mischt man Mäusen das Schlafhormon Melatonin ins Futter, leben sie 20-30 Prozent länger als ihre Artgenossen, die keine Hormonnahrung bekommen. Außerdem ist Melatonin ein äußerst effektiver Radikalfänger. Die körpereigene Produktion nimmt mit dem Alter ab. In Amerika ist Melatonin als Nahrungsergänzungsmittel zu haben, bei uns wird es nur als Arzneimittel gegen Schlafstörungen verschrieben.

Sexualhormone sind ein Jugendpuscher für Haut und Haare, Knochen und Gelenke. Die Produktion von Östrogen bei Frauen nimmt schon circa vom 35. Lebensjahr an ab und führt – meistens zwischen 40 und 50 – zu den typischen Wechseljahresbeschwerden. Von denen sind übrigens auch Männer nicht verschont. Bei ihnen nehmen die männlichen Sexualhormone genauso ab – nur entschieden langsamer. Durch eine Testosterongabe, die häufig mittels Hormonpflaster durchgeführt wird, lässt sich bei älteren Männern nachweislich die Muskelkraft stärken und die Fettverteilung positiv beeinflussen.

Stressmanagement

Nicht zuletzt kommt aber nicht nur Schönheit, sondern auch Alter „von innen heraus“. Wichtig ist daher, auch die Stressbewältigung zu lernen. Autogenes Training, Sport und Wellness können hier helfen, aber auch sie bieten ohne die richtige Anleitung nicht viel mehr als kurzfristige Entspannung. Wer Körper und Geist wirklich etwas Gutes tun will, der sollte auch hier durchaus professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Spezielle Anti-Aging-Zentren bieten hier entsprechende Hilfe an. Auch hier gilt: Die Arbeit, die andere an einem leisten, ist zeitintensiv und daher nicht billig. Dafür werden jedoch individuelle Wege aufgezeigt, wie Belastungen des Alltags gemeistert und oftmals ein „negatives“ Stressprofil in neue Lebensenergie umgemünzt werden können.

 

aus ORTHOpress 03|2002

Alle Beiträge dienen lediglich der Information und ersetzen keinesfalls die Inanspruchnahme eines Arztes*in. Falls nicht anders angegeben, spiegeln sie den Stand zur Zeit der Erstveröffentlichung wider. Die aktuelle Einschätzung des Sachverhalts kann durch Erfahrungszuwachs, allgemeinen Fortschritt und zwischenzeitlich gewonnene Erkenntnisse abweichen.