Zementfreier Gelenkersatz bei Kniearthrose

Große Fortschritte sind in den letzten Jahren bei der Knie-Endoprothetik gemacht worden. Nachdem sich auch in diesem Bereich der Chirurgie minimalinvasive Techniken langsam, aber sicher durchsetzen, ist eine langfristige prothetische Versorgung der Patienten heute kein bloßer Wunschtraum mehr. 

Die Parkklinik Manhagen vor den Toren Hamburgs ist seit 10 Jahren Modellklinik für Krankenkassen, das Land Schleswig-Holstein und das Bundesministerium für Gesundheit in Berlin. Insgesamt werden über 5.000 Operationen jährlich durchgeführt – damit zählt die Klinik zu den größten orthopädischen Fachkliniken in Deutschland. Hier operieren die Orthopäden Dr. Christian-F. Hoffmann und Dr. Thomas Kaiser. Sie sind auch in einer Gemeinschaftspraxis am gleichen Ort. Der ärztliche Leiter Dr. C.-F. Hoffmann erläutert, wie es zur Notwendigkeit einer Knieprothese kommt: „Immer mehr Menschen leiden heute bereits in jungen Jahren an degenerativen Gelenkerkrankungen. Neben im Alter auftretenden Abnutzungserscheinungen spielen hier auch und insbesondere Übergewicht, X- und O-Beine sowie fehlerhafte Belastung (z.B. beim Leistungssport) und auch Unfall­ereignisse eine Rolle. Auch genetische Veranlagungen können eine Arthrose begünstigen; diese können unter Umständen durch eine spezielle Blutuntersuchung erfasst werden.“

Eine eingehende Untersuchung zeigt dann, wie weit die Erkrankung bereits fortgeschritten ist. Durch eine Kernspintomografie (MRT) können Verletzungen und krankhafte Veränderungen ohne schädliche Röntgenstrahlen sicher erkannt werden. Im Gegensatz zum normalen Röntgenbild können dabei beim MRT auch Weichteile wie Muskeln, Sehnen, Bänder und Menisken beurteilt werden, was dem Operateur zur Planung eines Eingriffs wichtige Daten und Hinweise an die Hand gibt. Auch der sehr wichtige Knorpelüberzug der Gelenke wird dargestellt. Die Kernspintomografie gilt als das modernste und zugleich umfassendste Untersuchungsverfahren des menschlichen Körpers.

In der Parkklinik Manhagen wird die kernspintomografische Untersuchung am offenen MRT durchgeführt. Dabei wird das betreffende Gelenk nur von zwei kleinen Schalen eingefasst; der Patient muss nicht mehr in die von vielen gefürchtete Röhre geschoben werden. 

Was aber, wenn die Untersuchungen einen Knorpelschaden zeigen? Bei starken Schmerzen trotz im Röntgen- oder MRT-Bild noch ausreichend begrenzter Abnutzung kann eine Gelenkspülung sinnvoll sein, um abgeriebene Knorpelpartikel auszuleiten und gegebenenfalls die Knorpeloberfläche zu glätten. Bei größeren Knorpeldefekten können gelenkerhaltende minimalinvasive Operationen, wie z.B. Mosaik-Plastik, Knorpeltransplantation oder Microfracture, den Verschleiß aufhalten. Ist jedoch der Knorpelverschleiß sehr ausgedehnt und mit schmerzhaften Gelenkdeformitäten verbunden, hilft – nach dem Ausschöpfen der konservativen therapeutischen Möglichkeiten – nur noch der endoprothetische Ersatz.

Die Endoprothese des Kniegelenkes ist seit etwa einem Vierteljahrhundert eine Standardoperation in der Orthopädie geworden. Die ersten Generationen waren allerdings durch großen Knochenverlust, lange Verankerungsstäbe mit Scharnieren und die Verwendung großer Zementmengen zur Implantation gekennzeichnet. Dr. Hoffmann: „Dies führte zwangsläufig zu vergleichsweise großen Schwierigkeiten bei einem eventuellen Revisionseingriff, da sich durch die bei der Erstoperation vorgenommene umfassende Resektion des Knochens die zweite Prothese nur mit großem Aufwand stabil verankern lässt.“ Hauptaugenmerk der Forschung in den letzten Jahrzehnten war daher verständlicherweise die Entwicklung immer kleinerer, biologisch verträglicher und biomechanisch angepasster Prothesen. So wird heute der Bandapparat des Knies erhalten, um dem Knie seine natürliche Führung zu belassen. Des Weiteren wird die große, schwere Scharnier-Prothese von immer leichteren „Kappen“ ersetzt, welche dem bearbeiteten Knochen passgenau aufgesetzt werden.

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„Man spricht daher heute bei solchen Eingriffen auch nicht mehr von einer Prothese, sondern genauer von Oberflächenersatz“, erklärt Dr. Hoffmann. Dem weniger dramatischen Begriff entspricht auch die schnelle Rehabilitation nach der Operation: Der Patient darf sofort aufstehen, nach etwa 3 Wochen ist dann die endgültige Belastbarkeit des Gelenks wieder gegeben.

Dr. Hoffmann: „Seit etwa zehn Jahren arbeiten wir mit der mittlerweile fünften Generation dieses Oberflächenersatzes. Neben der optimalen Passgenauigkeit der leichten und hochwertigen Komponenten wurde auch stets das Instrumentarium verbessert. Vielfach kann der Gelenkersatz heute zementfrei und ohne Kniescheibenimplantat erfolgen – in naher Zukunft sogar durch Computernavigation gesteuert.“

In einer knapp einstündigen Operation wird das Implantat eingesetzt. Die geschädigten Gelenkflächen werden ersetzt; es entsteht ein neues Gelenk mit natürlicher Bandführung.

Nach der erfolgreichen Implantation beginnt die Rehabilitationsphase. Diese setzt direkt nach dem operativen Eingriff ein und ist Bestandteil der – übrigens von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlten – operativen Behandlung. Nach 3 Wochen Aufenthalt in der Parkklinik Manhagen kann der Patient wieder entlassen werden. Bei Bedarf schließt sich eine weiter gehende stationäre Rehabilitation in einer Kooperationsklinik oder eine ambulante Reha-Maßnahme an. Letztere ist direkt durch den operierenden Arzt gesteuert. Ein Therapiepaket mit über 30 krankengymnastischen Behandlungen wird von den niedergelassenen Physiotherapeuten direkt mit der Klinik abgerechnet; die Patienten sind dabei von der Zuzahlung befreit.

Alle normalen Tätigkeiten dürfen dann wieder ausgeübt werden. Das Wichtigste daran ist jedoch, dass auch jüngere Patienten nun das berechtigte Gefühl haben mit einem zementfrei implantierten Oberflächenersatz auf lange Zeit optimal versorgt zu sein.

 

Ein Archivbeitrag* aus ORTHOpress 3 | 2001
*Archivbeiträge spiegeln den Stand zur Zeit der Erstveröffentlichung wieder. Die aktuelle Einschätzung des Sachverhalts kann durch Erfahrungszuwachs, allgemeinen Fortschritt und zwischenzeitlich gewonnene Erkenntnisse abweichen.

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