Wirbelsäulendiagnostik

VonStefanie Zerres

Wirbelsäulendiagnostik

Wirbelsäulendiagnostik

Ist es wirklich die Bandscheibe oder hat man doch nur etwas zu lange auf der kalten Parkbank gesessen? Rückenschmerzen sind vor allem ein Symptom und keine eigenständige Krankheit – umso wichtiger ist eine gründliche Diagnose, damit die Ursache nicht im Dunkeln bleibt und Behandlungsversuche nach dem „Trial and error“-Verfahren verlaufen. 

Wie bei jeder Erkrankung wird sich der Arzt zunächst den Patienten anschauen, ihn gegebenenfalls abtasten und sich detailliert nach seinen Beschwerden erkundigen. Diese sogenannte klinische Diagnostik steht am Anfang jeder Untersuchung, und insbesondere mit Fehlstellungen einhergehende Wirbelsäulenerkrankungen wie Skoliosen oder ein Rundrücken lassen sich so auch ohne bildgebende Diagnostik erkennen. Darüber hinaus wird bei der klinischen Diagnostik eine Anamnese (Vorgeschichte des Patienten in Bezug auf die empfundenen Beschwerden) durchgeführt. Eine sorgfältige Anamneseerhebung sollte idealerweise auch psychische und soziale Aspekte miteinbeziehen, die wie bei anderen Leiden auch eine erheb-liche Rolle spielen können.

Bildgebende Verfahren

Bis in die 1980er Jahre gab es im Prinzip nur die Röntgendiagnostik, um knöcherne Strukturen ohne Eingriff beurteilen zu können. Seit etwa 30 Jahren stehen mit Ultraschall, CT und MRT Diagnoseverfahren zur Verfügung, mit denen auch feinste Strukturen sichtbar gemacht werden können. Dies hat natürlich auch Einfluss auf die Therapiemöglichkeiten, die nun sehr viel differenzierter angewendet werden können. Welcher Methode der Vorzug gegeben wird, hängt in erster Linie von der klinischen Fragestellung und den Strukturen ab, die beurteilt werden sollen. Knöcherne Strukturen lassen sich sehr gut im Röntgenbild darstellen. So ist bei Verdacht auf eine Fraktur die konventionelle Röntgenaufnahme immer noch das Mittel der Wahl. Für spezielle Fragestellungen stehen zahlreiche Spezialaufnahmetechniken und unterschiedliche Bildebenen zur Verfügung, sodass auch bei Röntgenaufnahmen vielfach Hinweise auf Veränderungen in den umgebenden Weichteilen gewonnen werden können.

Ultraschall-Untersuchungen dagegen haben den großen Vorteil, dass sie keine Strahlenbelastung darstellen und daher uneingeschränkt wiederholt werden können. Außerdem lassen sich per Ultraschall oft funktionelle Untersuchungen durchführen, d. h., während einer Bewegung. Inzwischen ist die Auflösung moderner Ultraschallgeräte so hoch, dass ihre Bedeutung immer weiter zunimmt. Die Beurteilung von feinen oder komplexen Veränderungen gelingt sehr gut mit der Computertomografie. Hiermit können auch Kontrastmittelaufnahmen angefertigt werden. Zwar ist bei modernen Geräten die Strahlenbelastung nicht mehr so hoch wie früher, sie stellt jedoch immer noch einen bei der Untersuchung zu berücksichtigenden Faktor im Sinne einer Risiko-Nutzen-Abwägung dar.

Insbesondere zur Operationsvorbereitung können kernspintomografische Aufnahmen (MRT) erforderlich werden. Mit Hilfe dieser strahlungsfreien Untersuchungsmethode können manchmal auch verborgene Verletzungen, die mit anderen Methoden nicht so gut darstellbar sind, sichtbar gemacht werden. Das MRT entwickelt sich heute immer mehr zur Standarddiagnostik hin, insbesondere wegen der hervorragenden Weichteildarstellung.Ein heute nur noch bei wenigen Fragestellungen – meist bei vermuteten Raumforderungen im Wirbelkanal – angewandtes Verfahren ist die Myelografie, eine spezielle Röntgenaufnahme mit dem C-Bogen, bei der ein Kontrastmittel in den Wirbelkanal gespritzt wird. Vor allem Tumore im Spinalkanal können damit gut beurteilt werden. Die Bedeutung der Myelografie hat in den letzten Jahren jedoch immer weiter abgenommen. Auch aufgrund des hohen Risikoprofils wird sie fast nur noch bei bestimmten Fragestellungen angewendet, als dynamische Untersuchung oder in der Diagnostik von Patienten, die kein CT oder MRT erhalten können. 

von Arne Wondracek

aus ORTHOpress 1/15

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